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Wy-Wärchstatt – Weinbruderschaft

Wy-Wärchstatt

Aus Weinbruderschaft

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Willi und Ueli

Inhaltsverzeichnis

Interview mit Ueli Aebi, Obmann Prüfungsrat, zum Thema "Wy-Wärchstatt für alle"

Unter den zahlreichen, geplanten Aktivitäten im Jubiläumsjahr der Weinbruderschaft stechen die zwei Anlässe unter dem Titel "Wy-Wärchstatt für alle" als Besonderheit hervor. Willi Spürgin als Stubenmeister (Präsident) und Marianne Breitenstein als Statthalter (Vizepräsidentin) der Weinbruderschaft unterhielten sich mit Ueli Aebi (Obmann Prüfungsrat), der für die Vorbereitung und Leitung verantwortlich zeichnet.


Willi Spürgin: Was muss man sich unter einer "Wy-Wärchstatt" vorstellen?

Ueli Aebi: Bei der "Wy-Wärchstatt" handelt es sich in diesem Fall um zwei Abendveranstaltungen, an denen - wie der Name bereits andeutet - "ge-arbeitet" werden wird: Informationsteile sollen (Hinter-) Grundwissen vermitteln, selbstverständlich werden aber auch Weine verkostet werden. Es handelt sich keineswegs um eine "Neu-Erfindung": Im Rahmen der vereinsinternen Weiterbildungskurse werden solche Veranstaltungen seit Jahren mit Erfolg durchgeführt. Allerdings werden die Programme für diese öffentlichen Anlässe vollständig neu konzipiert und natürlich speziell auf die Bedürfnisse der TeilnehmerInnen zugeschnitten.


Marianne Breitenstein: Fernsehsender widmen sich öfter dem Thema Wein. Jede Zeitung, die etwas auf sich hält, schreibt über das Thema Wein. Weinzeitschriften und Seminar-Anbieter buhlen um die Gunst der KonsumentInnen. Was unterscheidet den nun die "Wy-Wärchstatt" von all diesen Angeboten?

UAE: Eine ganze Menge. Erstens sind diese Veranstaltungen neutral: es findet also absolut keine Werbung für irgend ein Produkt oder einen Anbieter statt. Demgemäss erfolgt auch keinerlei Verkauf. Zweitens werden die Teilnehmer nicht nur Informationen über die zu verkostenden Weine erhalten, sondern werden durch umfassende Hintergrundinformationen in die Lage versetzt werden, Angebote richtig zu interpretieren und "die Spreu vom Weizen zu trennen". Drittens werden die Veranstaltungen - ein wesentlicher Unterschied zum Fernsehen und zu Zeitungsartikeln! - die Möglichkeit des direkten Gesprächs bieten. Und letztendlich: Wissen heisst nicht nur Macht, sondern führt - speziell beim Wein - zu höherem Genuss. Und dass soll einer der wichtigsten Punkte sein und bleiben: wir wollen in den TeilnehmerInnen immer die KosumentInnen und GeniesserInnen sehen.


MBR: Das Angebot richtet sich also an alle Wein-InteressentInnen?

UAE: Richtig. Noch mehr jedoch an all jene "Noch-nicht-InteressentInnen", die es gerne werden möchten. Vorkenntnisse sind keine erforderlich, denn wir wollen ja Schwellenängste abbauen. Vor allem möchten wir aber auch all jene ansprechen, die (bisher) für "das ganze Wein-Getue" wenig oder nichts übrig hatten. Wir möchten also zeigen, dass man über Wein durchaus sachlich diskutieren kann und dass dessen Genuss keineswegs von irgendwelchem "Brimbramborium" oder gar einer speziellen Weinsprache ("riecht nach nassen Socken") abhängt.


WSP: Die Präsentation des gesamten Programmes würde den Rahmen dieses Gespräches sprengen. Kannst Du uns aber einige Stichworte nennen?

UAE: Natürlich dürfen Grundinformationen über die Pflanze "Weinrebe" und deren Geschichte nicht fehlen. Viel breiteren Raum sollen aber jene Teile einnehmen, die den KonsumentInnen direkt dienlich sind. Zum Beispiel über den Anbau ("Was heisst nun IP und Bio wirklich?") oder die verschiedenen Ausbaumethoden ("Ist die Lagerung in neuen Eichenfässern tatsächlich das Gelbe vom Ei?") sowie den Genuss betreffende Fragen ("Nach welchen Gesichtspunkten wähle ich einen Wein aus? Woran erkenne ich Fehler?"). Wir geben aber mit den Degustationen auch einen Überblick über die aktuelle "Weinszene": am ersten Abend heisst das Thema "Schweiz". An der zweiten Veranstaltung befassen wir uns mit Mustern aus dem Internationalen Angebot.


MBR: Was kostet die Teilnahme?

UAE: Diese Seminare sind nicht gewinnorientiert. Personalkosten fallen auch keine an, weil alle Aktivitäten Durch Vereinsmitglieder der Weinbruderschaft wahrgenommen werden. Das erlaubt eine wirklich teilnehmerfreundliche Kalkulation. Der Preis von Fr. 140.- beinhaltet sämtliche Leistungen, also alle Degustationsweine, Mineralwasser, alle Unterlagen und Informationen sowie jeweils einen kleinen Imbiss.

WSP: Falls bei den TeilnehmerInnen "der Gluscht nach mehr" geweckt werden sollte: was bieten sich nachher für weitere Möglichkeiten?

UAE: Natürlich hoffen wir auf diesen "Appetit nach mehr"! Bei genügend Interesse haben wir vor, zusätzlich eine An- beziehungsweise Abschlussveranstaltung zu organisieren. (Besuch eines Winzers im Aargau, Degustationen, ev. Essen mit passenden Weinen). Von dieser Möglichkeit abgesehen: die Weinbruderschaft St. Martin zu Zofingen organisiert jedes Jahr rund ein halbes Dutzend Degustationen. Deren Besuch ist jedermann/-frau - auch ohne Vereinsmitgliedschaft - wirklich zu empfehlen!






Rückblick

Einen weiteren Höhepunkt im Jubiläumsjahr der Weinbruderschaft St. Martin zu Zofingen bildete die „WY-WÄRCHSTATT FÜR ALLE". Kursleiter und Referent Ueli Aebi, seines Zeichens Obmann des Prüfungsrates der Weinbruderschaft, verstand es hervorragend die Teilnehmer zu begeistern.

Er begann seine Ausführungen mit der Bemerkung: „Wirklich schlechte Weine sind heute selten geworden. Vielfach liegt es woanders, wenn uns Wein nicht bekommt: Der falsche Wein wurde zur falschen Zeit oder zur falschen Gelegenheit gewählt!"


Doch was bedeutet diese Feststellung eigentlich für mich persönlich? Kann ich Massstäbe setzen (lernen) oder mein Urteilsvermögen und meine Grundkenntnisse in Sachen Wein verbessern? Ich kenne zwar „Wein" – doch manchmal beschleichen mich auch Unsicherheiten, Zweifel und Skepsis.


Wein ist nicht ein Getränk wie viele andere. Ist er überhaupt ein Getränk oder gehört er zu den Lebensmitteln? Worin unterscheidet er sich von Eistee oder Chlürliwasser?


Fragen über Fragen - Ueli Aebi gewährte einen spannenden Einblick in die Geschichte, die Evolution und die Vielfalt der Rebsorten, die verschiedenen chemischen und biologischen Zusammenhänge und erklärte eingehend die Arbeiten im Rebberg und im Keller. Theorie und Wissen ist fundamental, doch was die meisten nun noch mehr begeisterte, waren die


Anleitungen zum Verkosten der Weine – also die Praxis

Für einige eine neue Erfahrung, gleichzeitig drei verschiedenen Weissweine aus drei verschiedenen Rebsorten vor sich zu haben und die Unterschiede degustativ selber zu ergründen. Auch drei Rotweine aus derselben Rebsorte, aus verschiedener Provenienz, setzten in Erstaunen. Der erste Abend war vollumfänglich den Schweizer Weinen gewidmet. Am zweiten Kurs-Abend standen internationale Weine auf dem Programm. So schauten wir uns einen Sauvignon Blanc, neben einem Pinot Blanc, einen Chablis 1er Cru neben einem Chardonnay aus Süd-Australien an und verkosteten einen Riesling aus Deutschland neben einem Riesling aus Österreich. Wir lernten zu vergleichen, langsam wagten wir auch unsere Empfindungen zu äussern. Der Rosso di Montalcino neben einem Barolo oder einen klassischen Bordeaux neben einem „Kalifornier" zeigten grosse Unterschiede. Ganz natürlich erlernten wir das Degustieren, zaghaft am Anfang und mit mehr Selbstvertrauen gegen Ende. Zum Abschluss zeigte Ueli Aebi einen Chambolle-Musigny AC Premier Cru, einen Pinot Noir aus California und zwei „Jocker" zur Blinddegustation. Alle vier Weine waren aus derselben Rebsorte, nur auf anderen Böden, in unterschiedlichem Klima gewachsen und mit total verschiedenen Charaktereigenschaften ausstaffiert. Das Urteil der meisten Wy-Wärchstatt-Teilnehmer war für die beiden letzten Blauburgunder hervorragend. Und wir staunten nicht schlecht, als wir erfuhren, dass es sich um einen „Aargauer" und einen „Bündtner Herrschäftler" handelte. Einmal mehr bewahrheitete sich, dass nicht immer das Exotischste auch das Beste sein muss, wie Figura deutlich zeigte.


Gemachte Erfahrungen sind wie eine „Lehre" und äusserst nützlich

Ganz wichtig beim Verkosten von Wein ist es, ehrlich zu seinen Empfindungen, Vorlieben und Abneigungen zu stehen und mutig sein Urteil zu fällen. Nicht unbedingt der höchstdotierte Wein muss für mich persönlich der Beste sein. Oft haben sehr teure Weine ihren hohen Preis der übergrossen Nachfrage zu verdanken oder werden nach ihrem berühmten (und gut aussprechbaren) Namen oder ihrer hervorragenden Lage wegen immer bevorteilt, besonders wenn Grossimporteure diese clever vermarkten und Château XXY zum Prestige-Objekt vieler Wein-Spezialisten hochstilisiert werden. Mit vertieftem Auseinandersetzen und Kenntnis um den Wein, kann es vorkommen, dass eine Trouvaille, aus derselben Rebgemeinde, auf der angrenzenden Rebparzelle praktisch ebenbürtig sein kann, doch hat dieser Wein dann eben nicht die „berühmte" und wohlklingende Lagebezeichnung, würde aber blindverkostet kaum merklich grosse Unterschiede zeigen.


Pragmatische Themen

wie Wein und Gesundheit, Hinweise für den Weinkauf, Lebenmittelverordnung, Lagerung der Weine, Empfehlungen welcher Wein zu welchem Essen wurden ebenso behandelt. Kritisch unter die Lupe genommen wurde auch die richtigen Ausschanktemperaturen, die Gläser und andere Trinkgefässe, das korrekte Behandeln der Flasche mit Entkorken, Dekantieren, Feststellen von Fehlern im Wein sowie Lagerfähigkeiten und optimale Lagerbedingungen für die verschiedenen Rebsorten und Provenienzen.


Kunstvoll gestaltete, wertvolle und informative Unterlagen

wurden an die Teilnehmer des Seminars verteilt. Mit grosser Liebe zum Detail und immensem Sachwissen hat der Referent einen einmaligen Leitfaden kreiert und damit ein Nachschlagewerk erster Güte ausgehändigt, welches tiefgründig und umfassend Auskunft über Wissenswertes um und mit dem Wein gibt und gleichzeitig hilft über Degustieren und Geniessen mehr zu erfahren. Für jede verkostete Rebsorte ist ein Kurzbeschrieb vorhanden und bestimmt wird der eine oder die andere KursteilnehmerIn die Infoschrift in greifbarer Nähe ins Büchergestell schieben, um es demnächst wieder griffbereit als hilfreiches Nachschlagewerk zu benützen. Massstäbe sollen ja zum Messen da sein, oder?

Der kräftige Applaus am Schluss der zweiten Abendveranstaltung war Zeichen des Dankes an den Referenten und sein grosses Engagement für den Wein.


Besuch und Anschauungsunterricht im Rebberg

Ueli Aebi führte „seine Wy-Wärchstatt-Leute" höchstpersönlich im Klein-Bus (dem Sponsor H.R: Moor sei’s verdankt) nach Wil am Rebberg, eine der 56 Rebbaugemeinden im Kanton Aargau. Reini und Bettina Bachmann empfingen uns in gewohnter Herzlichkeit auf ihrem wunderschönen Anwesen. Reini führte uns zum Rebberg, wo wir über Rebkataster, Auswahl und Unterschiede der Rebsorten, Bestimmung der Bodenarten,

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Mikroklima und Wasserführung im Boden „am Objekt" informiert wurden. Die Rebanlagen im Drahtbau, mit Erziehungsmethoden, Rebschnitt, Vergruben, die Vor- und Nachteilen der Bodenbearbeitung durch Umgraben, Schädlinge und Nützlinge (wir sahen Kräuselmilben und Feuerzikaden), Integrierte Produktion, Krankheiten wie echter und falscher Mehltau, Bortrytis cynerea, die Gründe für Verrieselung durch Nässe, Nährstoffmangel oder rebsortenbedingt, Einsatz von Spritzmitteln, richtiges Lauben und Mengenbeschränkung am Rebstock – kurz die ganze harte Knochenarbeit im Jahresablauf eines Winzers und seiner Arbeit im Rebberg – eigentlich hatten wir fast alles bereits von Ueli gehört - beeindruckte das Gesehene und Erfahrene am Objekt umso nachhaltiger und das Glas RxS im Rebberg genossen wir andächtiger denn je.


Im tiefen Keller ...

erklärte uns Reini das Einbringen der Ernte und die Vorbereitungsarbeiten sowie die Vinifikation im Detail. Blitzblanke Stahltanks in verschiedenster Grösse, stehen in kunstvoll mit Fliesen versehenen Kellern (übrigens eine Fleissarbeit von Bettina – Chapeau!), fein säuberlich aufgereihte Kellerutensilien, eine moderne Horizontalpresse, die Filtrieranlage, eine Abfüllanlage mit Verkorkungsmaschine und last but not least eine seltene Etikettiermaschine mit automatisiertem Rundtisch. Jede Flasche Wein aus Bettinas und Reinis Keller wird in liebevoller Handarbeit gefüllt und etikettiert. Die kunstvollen Etiketten von Hans Falk sind natürlich an sich schon jede für sich ein kleines Meisterwerk. Hier erläuterte Reini nochmals die Kriterien für eine korrekte Etikette und führte uns in seinen Barrique-Keller. Doch das Gesehene ist das „Drum-Herum", sehr beeindruckend, perfekt und in tadellosem Zustand.


Hauptdarsteller sind jedoch die Weine

In der liebevoll eingerichteten Stube von „Bettinas Buschwirtschaft zum Stäckerösseler", welche auch dieses Jahr wiederum während den Monaten Juli/August jeweils abends (Do, Fr, Sa 19-23 h) geöffnet sein wird, waren wir geladen die auf dem Rebberg getroffenen Rebsorten als Weine zu verkosten. Wir kamen in den Genuss einer ganzen Palette hervorragender Kredenzen wie Elbling, Räuschling, RxS, Sauvignon Blanc sowie 98er Blauburgunder „Zwetschgenfeld" /2045, Mariafeld, Pinot 28, Terrässeler Spätlese und Terrässeler Barrique.


Jeder Wein eine „Persönlichkeit" - jeder wusste zu begeistern und die „Wy-Wärchstättler" hatten inzwischen soviel Rüstzeug bekommen, dass sie durchaus in der Lage waren dies auch abschliessend zu beurteilen. Wir haben gelernt, wie Massstäbe gesetzt werden und danken ganz speziell dem hervorragenden Kursleiter Ueli Aebi, der uns sachte und doch eindrücklich in eine neue Welt der Weine eingeführt hat, den Weinfachleuten Reini und Bettina Bachmann für die lehrreichen und interessanten Ausführungen und die Kostprobe ihrer exzellenten Gewächse sowie dem Prüfungsrat und seinen Helfern. Wir alle wurden sehr verwöhnt und werden die „Wy-Wärchstatt" gerne als Rüstzeug mit auf den Weg nehmen. Herzlichen Dank!

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