Wy-Seminar 2006

Aus Weinbruderschaft

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Alles nur Theorie! - Nein, nein! In diesem Jahr bietet die Weinbruderschaft St. Martin zu Zofingen, Gesellen und Magister Vini ein "Wy-Seminar" mit Praxis zur Vertiefung des Weinwissens an.


Mit dem renommierten und innovativen Rebbauer und Politiker Peter Wehrli aus Küttigen (www.wehrli-weinbau.ch) fanden wir den ausgewiesenen Fachmann zum Thema "Arbeiten in den Reben". An fünf Halbtagen erleben wir im Rebberg das Schneiden von Reben, neue Reben setzen, Laubarbeiten und Schädlingsbekämpfung, Ertragsregulierung und Bodenbearbeitung und zuletzt der Traubenleset.

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Am Samstag, den 18. Februar 2006, trafen sich drei Weinfreundinnen und dreizehn Weinfreunde, zu den ersten Arbeiten in den Reben. Reben schneiden war das Thema. Im Weinkeller vermittelte uns Peter Wehrli mit seiner Tochter Susanne die verschiedenen Erziehungssysteme und Rebschnitte. Schöne Handskizzen unterstützten die Theorie und zeigten uns auf, auf welche Punkte wir besonders achten mussten.


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Danach stiegen wir bei kalter und nasser Witterung in warmen Kleidern, mit Handschuhen und Rebschere bewaffnet, hinter den letzten Häusern von Küttigen den steilen und schneebedeckten Hang hinauf zu den Reben. An einer 30-jährigen Rebanlage mit RieslingxSilvaner, die im doppelten Guyot-Schnitt erzogen wurden, zeigte uns dann Peter Wehrli die ersten Handgriffe, um eine Rebe richtig zu schneiden.

Der Aufforderung, jeder soll nun eine Rebe selber schneiden, kamen wir nur zaghaft nach. Zu zweit wagten wir uns dann trotzdem an einen Rebstock. Und prompt tauchten neue Fragen auf. Susanne und Peter Wehrli standen uns mit Rat und Tat sowie nützlichen Tipps zur Seite, so dass die ersten Hemmungen rasch verschwanden. Mit jedem Schnitt einer neuen Rebe wurden wir mutiger. Nun wussten wir wie ein alter Rebstock geschnitten wird. Wie sieht es jedoch mit einer jungen Rebe aus?

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An 5-jährigen Rebstöcken, Sauvignon blanc mit einfachem Guyot-Schnitt, zeigten uns Susanne und Peter Werhli diese Schnittart. Bald hatten wir auch diesen Rebschnitt im Griff. Wagten wir uns am Anfang noch zu zweit einer Rebe zu, stieg der Mut dann beinahe zum Übermut, denn jeder wollte noch einen Rebstock schneiden und noch einen und ... Bei all dem Übermut wurde dann aber der Eine oder Andere vom glitschigen Terrain überrascht und ging auf dem Allerwertesten den Hang hinunter!

Auf dem Rückweg zum Weinkeller wurden vereinzelt die Stiefel und Schuhe im Bach gereinigt.


Froh, wieder an der Wärme im Weinkeller zu sein, zeigte uns Peter Wehrli seine herrlichen Weiss- und Rotweine.

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Zum Abschluss durften wir direkt aus dem Stahltank junge Weine vergleichen. Es war ein Erlebnis, einmal auf diese Art junge Weine zu degustieren.


Mit vielen neuen Erkenntnissen und erweitertem Weinwissen ging so der erste Tag in den Reben zu Ende.


Am Samstag, den 29. April 2006 wollten wir mit Peter Wehrli 1000 Reben setzen. Das Wetter machte uns jedoch einen Strich durch die Rechnung, so dass wir erst am Samstag, den 06. Mai 2006 die Reben setzen konnten. Diesmal warteten nicht nur die Zofinger Weinfreunde vor dem Weinkeller, sondern zusätzlich einige Weinfreunde aus der Region. Gemeinsam wurden wir im Rebberg durch Peter Wehrli instruiert, wie die Propfreben zu setzen sind. Nach der Theorie ging es zur ersten Rebanlage zum Setzen von ca. 400 Reben Pinot Gris. Die etwas kräftigeren Weinfreunde stachen Löcher aus.

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Die andern pflanzten die Jungreben in die vorbereiteten Löcher. Spätestens nach zehn Minuten waren wir alle um fünf Zentimeter grösser, da die nasse Erde an den Schuhen kleben blieb. Vom Spaten oder der Stechgabel löste sich die nasse Erde überhaupt nicht mehr. Eine harte Arbeit, die aber in dieser Gesellschaft von Jung wie Alt zielstrebig durchgeführt wurde.

Denn rasch ging es zu der neuen terrassierten Rebanlage, wo ca. 600 Propfreben Sauvignon blanc gepflanzt werden mussten. Wir waren der Meinung dass es bei der neuen terrassierten Anlage etwas leichter gehen würde. Aber weit gefehlt. Diese Rebanlage hatte eine andere Erdzusammensetzung und die Pflanzlöcher waren noch schwieriger zu graben.

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Die Zeit war so schnell vorbei und die Kräfte liessen langsam nach. Das Ziel war gegen den Mittag fertig zu werden, was wir auch gemeinsam schafften.

Traditionsgemäss wurden wir im Rebhüsli mit Steak, Wurst, Brot und guten Weinen aus dem Keller belohnt. Die feine Crémschnitte zum Dessert mundete ebenfalls.


Am Samstag, den 20. Mai 2006 trafen wir uns wieder bei Peter Wehrli zu den Laubarbeiten.


Was heisst denn Laubarbeiten? Jede Rebe darf nur eine bestimmte Zahl an Trauben haben. Abhängig davon sind die Anzahl Reben pro Quadratmeter und die Erziehung.

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Peter Werhli geht es in diesem Stadium der Vegetation auch um die Werterhaltung jeder einzelnen Rebe, nicht nur um den Ertrag für dieses Jahr. Maximal 15 Trauben sollen an einem Bogen wachsen können. Die restlichen jungen Fruchtschosse sind auszubrechen. Augen die nicht oder zu spät austreiben sind zu entfernen. Ebenfalls sind befallene Augen von Milben, den Traubenwickler usw. zu entfernen. An jeder jungen Fruchtrute ist das unterste Blatt auszubrechen. Junge Triebe am Stamm sind zu entfernen, ausser sie können für die nächsten Jahre zur Erneuerung des Stockaufbaus eingesetzt werden.


Weiter muss in diesem Stadium auf alle möglichen Krankheiten, Pilzbefall und Schädlinge geachtet werden. Wirksam gegen die Fortpflanzung des Traubenwicklers ist ein Lockstoff, der die Begattung unterbricht. Ein nicht ganz billiges Verfahren aber sehr erfolgreich eingesetzt. Nach der Theorie am Rebstock gingen wir an die Arbeit. Mehrere Rebzeilen mussten nun bearbeitet werden. Peter Werhli half uns bei schwierigeren Fällen, so dass wir mit dem erlernten Wissen die Arbeiten bald fast einmal professionell ausführten.

Diese Arbeit im Rebberg war um einiges weniger kraftintensiv als das Reben setzen. Gespannt waren wir natürlich, wie sich unsere Setzlinge entwickelt hatten. Die Wachsschicht der veredelten Rebe wurde durch die Austriebe gesprengt und zum Vorschein kamen junge Schosse. Nach dem abschliessenden Rundgang bei "unseren Reben", durften wir die Apéro-Weine, einen Hasenbergler Sauvignon Blanc und einen Gewürztraminer, geniessen. Zum Abschluss kredenzte uns Peter Wehrli seinen typischen und vollmundigen Hasenbergler Pinot Noir, ein wahrlich schöner Abschluss dieses Samstages.

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Im August 2006 geht das Wy-Seminar weiter. Zum Abschluss werden wir im Oktober 2006 mithelfen, die von uns begleiteten Reben, mit den hoffentlich reifen Trauben, zu ernten.

Gespannt sind wir alle darauf, was wir an diesem Wy-Seminar bei Peter Wehrli in Küttigen noch lernen dürfen.

Die Ferien sind vorbei. Ein herrlich warmer und trockener Juli ist zu Ende. Der anfangs August gefallene Regen förderte die Vegetation. Aber in einzelnen Gebieten (z. B. im Malcantone) verursachten die heftigen Gewitter begleitet mit Hagel einige Schäden an den Reben, die eine voraussehbar reduzierte Ernte ergaben.

Gespannt gingen wir am Samstag, den 12. August 2006 bei nassem Wetter wieder zu Peter Wehrli nach Küttigen, in den Rebberg. Der Farbumschlag bei den Färbertrauben war erfolgt. Die Jungreben konnten nur Dank der neuen Tropfenbewässerung die Trockenheit überleben. Vereinzelte Reben mussten gegen den falschen Mehltau behandelt werden. An einer Wildrebe zeigte uns Peter Wehrli ein Schadensbild der Reblaus. Da tauchte natürlich die Frage auf: ob das keinen Einfluss auf die anderen Reben habe? Nein, die anderen Reben sind veredelt und haben eine reblausresistente Unterlage. Nach all diesen Informationen zeigte uns Peter Wehrli, wie bei ihnen mit einer Maschine in der Traubenzone Ausgelaubt wird. Die Triebspitzen der Reben werden ebenfalls maschinell geschnitten. Diese Arbeiten werden innerhalb eines Tages erledigt, was bei einer manuellen Berarbeitung hingegen, mehrere Tage beansprucht. Uns zeigte aber Peter Wehrli, wie das manuelle Auslauben gemacht wird. Die Ertragsregulierung erfolgt über das Traubengewicht pro Quadratmeter Fläche. Je kleiner das Gewicht ist, umso besser ist die Qualität. Je nach Traubensorte sind die einzelnen Beeren anders im Gewicht (z.B. 1,5 g Blauburgunder, 1,8 g Blauburgunder Mariafeld und 1,9 g Riesling x Silvaner). Als Basis werden die Trauben pro Stock gezählt, bei 10 aufeinanderfolgenden Stöcken, danach die Anzahl der befruchteten Beeren pro Traube von 2 Stöcken. Der Mittelwert ergibt dann die Beeren pro Stock und daraus wird das Gewicht pro Stock ermittelt und mit der Fläche (Reihen- und Sockabstand) multipliziert. Daraus ergibt sich das Gewicht der Trauben pro Quadratmeter. Die Ertragsregulierung wird zweimal durchgeführt und danach werden die schlechtesten Trauben herausgeschnitten. Die Qualität eines Weines beginnt also bereits im Rebberg!

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Am Freitagnachmittag 30. September 2006 und am Montagnachmittag 02. Oktober 2006 trafen sich einige Weinfreunde von Zofingen und weitere Freunde von Peter Wehhrli beim Traubenlesen. Eine stattliche Anzahl Personen bis ca. 40 an der Zahl halfen die Blauburgunder Trauben zu "lesen". Die vom Regen geplatzten und anfaulenden Trauben mussten umgehend zur Trotte gebracht werden. Peter Wehrli entschied sich eine "Vorlese" zu machen, und nur die "schlechten" Trauben (~ 96° Oechsle) zu lesen. Die "guten" Trauben liess Peter Wehrli noch einige Tage am Stock hängen, um die restlichen Sonnentage den Trauben zu gönnen. Eine interessante Aufgabe erwartete uns. Es galt die angefaulten Trauben zu lesen und die schlechten Beeren zu entfernen. Trauben mit dem gutartigen Schimmelpilz Botrytis Cinerea, erhöhen die °Oechsle, hingegen waren die lahmen Trauben, die sehr sauer sind, zu entfernen.


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Für die restlichen Trauben, die am Stock noch verblieben galt es, nochmals das Laub zu entfernen, damit die Sonne ungehindert die Trauben noch mehr reifen lässt. "Sind den alle Trauben gleichzeitig reif?" War eine der vielen Fragen. Nein, die Traubenkerne geben Auskunft über den Reifegrad. Sind die Traubenkerne noch grün, ist die Beere nicht reif. Reife Beeren haben braune Traubenkerne. An diesen herrlich warmen Nachmittagen wurden je ca. 2 Tonnen Trauben vorgelesen und zur Trotte gebracht. Peter Wehrli nahm das Traubengut entgegen. Weitere Rebbauern lieferten an diesen Nachmittagen ebenfalls noch Trauben an. Keine leichte Aufgabe, die richtigen Trauben in den richtigen Gärtank zu leiten. Nach dem Leset wurden wir von Marlies Wehrli mit einem herrlichen Nachtessen verwöhnt. Dazu durfte ein Tropfen Rotwein nicht fehlen. Nach Kaffee und Guetzli verabschiedeten wir uns von den anderen Freunden mit den Worten, kommt ihr am Donnerstag auch wieder, es war so schön!


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Zum Abschluss unseres Wy-Seminars 2006 trafen wir uns am Samstag 28. Oktober 2006. Das Thema war, Jungweine zu degustieren. Der erste Jungwein Riesling x Silvaner ohne biologischer Säureabbau verströmte in der Nase seine feinen Aromen und reichlich Säure. Der anschliessende Blanc de Noir verblasste in der Nase völlig, hingegen im Abgang waren bereits die weicheren typische Blauburgunderaromen erkennbar. Etwas ganz spezielles war der Sauvignon blanc. Der Hefeton war nicht zu überbieten. Diesem Jungwein wird sich Peter Wehrli sicher noch einige Male vornehmen müssen, um den weiteren Verlauf zu kontrollieren. Der letzte Jungwein, ein Blauburgunder, zeigte sich noch verschlossen und im Abgang überraschte er uns mit Nuancen von Bittermandeln, Erbeeren und Himbeeren. Nach der Jungweindegustation führte uns Peter Wehrli in die Betriebswirtschaft eines Selbstkelterers ein. Es war interessant, Zahlen zu sehen, mit welchen sich ein Rebbauer und Selbstkelterer auseinander zu setzen hat, damit finanziell ein Ertrag aus dem Betrieb entsteht. Wie kann es anders sein! Zum Abschluss zeigte uns Peter Wehrli einige Weinspezialitätten aus dem eigenen Betrieb. Wir degustierten einen Sauvigon blanc neben einem Sauvignon blanc mit Battonage. Es zeigten sich zwei komplett verschiedene Weine. Bei den Rotweinen verkosteten wir einen Malbec und einen Merlot aus Erlinsbach. Zwei herrliche Weine die zu Hobelkäse und Brot genossen wurden.


Als letzter Wein wurde ein Barrique Pinot Noir 2003 eingeschenkt. Was wollen wir noch mehr? Ein wunderbares Wy-Seminar 2006 geht damit zu Ende. Peter Wehrli, wir danken dir recht herzlich, dass du uns so viel neues und interessantes mit auf den Weg zur weiteren Vertiefung des Weinwissens vermittelt hast. Du hast es verstanden uns weiter zu begeistern.


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Die Teilnehmer am Wy-Seminar 2006 von rechts nach links: Priska Widmer, Xaver Widmer, Manfred Heiniger, Paul Rey, Theres Haller, Viktor Schlapbach, Rudolf Fankhauser, Jeanny-Francois Gaillard, Hans Lanz, Sigi Schaub, Hans-Rudolf Baumann, Ruedi Schnelli, Peter Wehrli, Alex Haller.

Auf dem Bild fehlen: Hans Jörg Nebiker, Ingrid und Gerhard Schnorbus, Orlando Ineichen, Roland Paintendre und Willi Spürgin.


Gruppenfoto, Roland Paintendre Therese und Alex Haller </div>

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