Weine aus der Bündner Herrschaft 2001

Aus Weinbruderschaft

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2001 Degustation von ausgesuchten Weinen aus den Bündner Herrschaften

Mit seinen bescheidenen rund 370 Hektaren Rebfläche nimmt Graubünden unter den Schweizer Kantonen gerade mal den 9. Platz ein, und selbst unter den Ostschweizer Kantonen rangiert das Bündnerland flächenmässig erst an 4. Stelle. Nimmt man jedoch die Bedeutung und Anzahl der qualitativ hochstehenden Weinbaubetriebe mit ihren ambitiösen Winzern und deren ausgezeichneten Erzeugnisse als Massstab, dann muss man Graubünden und vor allem der Bündner Herrschaft einen absoluten Spitzenplatz zugestehen.

Dass dem so ist wissen wir Zofinger Weinfreunde nicht erst seit der denkwürdigen Reise, welche uns 1995 in die Bündner Herrschaft führte, sowie der Degustation im März 1998 mit Daniel Marugg aus Fläsch. Wir haben Winzer und Weinbaubetriebe kennen gelernt, welche mit grossem Sachverstand und Hingabe hochwertige Weine der Spitzenklasse erzeugen.


Einer der ambitioniertesten und innovativsten Weinmacher Graubündens, nämlich Gian-Battista von Tscharner, wird Ihnen eine neue Welt des Bündner Weinbaus eröffnen. Auch Gäste und neue Weinfreunde sind sehr willkommen. Sprechen Sie Ihre Freunde und Bekannten an, animieren Sie Ihre Söhne und Töchter, die Gelegenheit zu nützen und an diesem einmaligen Erlebnis teilzunehmen

Über den dynamischen Vollblutbündner schreibt Walter Kümin im Schweizer Weinführer:

"Sein Sinn für das Schöne offenbart sich nicht nur im stilvollen Domizil Schloss Reichenau. Gian-Battista von Tscharner ist auch ein begnadeter Fotograf. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass er das, was er macht, mit dem Willen zur Perfektion betreibt. Distanz ist nicht seine Sache: Wer sich auf das eindrucksvolle Erlebnis einlässt, mit Gian-Battista ins Diskutieren zu kommen, lernt einen sprachgewaltigen Menschen kennen, der seine Herkunft nicht als Privileg begreift. In einem Weinkeller, der ganz ohne Worte Tradition verkündet, fordert der Schlossherr mit Passion zum Disput über seine und anderer Herren Weine heraus. Schnörkel mag er auch beim Wein nicht, predigt einen bodenständigen Ausbau, der dem Wein seine Natur lässt ... und belegt die These des Winzers, dass dem Zeitgeist angepasste Weine auf längere Sicht in die Irre führen. Säure, Gerbstoff und Alkohol will er in seinen wuchtigen Weinen reichlich haben, weil ihm die Lagerfähigkeit so enorm wichtig ist." (soweit Zitat)

Rückblick

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Gian-Battista von Tscharner zählt zu den Spitzenwinzern, nicht nur der Bündner Herrschaft.


Wenn in der Einladung zu lesen war, dass einer der ambitioniertesten und innovativsten Weinproduzenten Graubündens den Vortrag und die Degustation vom 15. März 2001 im Lerchenhof leiten werde, und dass es sich dabei um einen dynamischen Vollblutbündner handelt, der Sinn für das Schöne und den Willen zur Perfektion habe, war das keinesfalls übertrieben oder zu blumig beschrieben.

Die Begegnung mit Gian-Battista von Tscharner wurde zum Erlebnis. Vor der Degustation sass er einerseits sinnierend am Tisch und andererseits beobachtete er mit wachem Auge das Geschehen im Saal. Stimmgewaltig begrüsste er die zahlreichen und interessierten Zuhörer und kategorisierte diese gleich in solche "mit Kistli" und solche "ohne Kistli", in "Sachverständige" und "Nicht-Sachverständige", wie er scherzhaft bemerkte. Er selber ist Sachverständiger erster Güte und seine Weine, die er oft liebevoll "seine Kinder" nennt, haben internationale Fachjuries sehr wohl überzeugt. Aus über 100 biologisch produzierten Gewächsen hat einer seiner Blauburgunder aus der Bündner Herrschaft weltweit den zweiten Rang geholt. Chapeau! Und als er dann privat in einem kalifornischen Weinkeller war und er mit dem Inhaber ins Gespräch kam, sagte ihm dieser: "Wissen Sie, dass ein Schweizer mit Blauburgunderwein den zweiten Platz holte?" antwortete Gian-Battista mit berechtigtem Stolz: "That's me!"

Nicht Zahlen um Alkoholgehalt, Säure und Gramm Restzucker wolle er vermitteln, sondern die FREUDE am Wein. Dabei führte er aus, dass eine beträchtliche Mehrheit der Weintrinker sehr bescheidene Weinkenntnisse habe, die Urteilsfähigkeit jedoch und das Geniessen durchaus beherrsche.

Die Anleitung zum richtigen Degustieren heisse mit "vier Nasen" operieren: die erste am ruhenden Glas, die zweite am schwenkenden Glas, die dritte im Gaumen und die vierte am leeren Glas. Den einen Nasenflügel, den andern und alle beide - und schon wisse der Weintrinker alles über den Inhalt seines Glases. Ganz einfach!

Die Degustation begann mit den 1999ern: Malanser Pinot blanc (Peter Wegelin), Malanser Chardonnay (Thomas Donatsch) und Jeninser Pinot gris (Gian-Battista von Tscharner). Dann folgten Jeninser Blauburgunder "Tscharnergut", Malanser Blauburgunder (Wegelin), Jeninser Blauburgunder 1997, Jeninser BB Auslese 98 (Georg Schlegel) und Jeninser Blauburgunder "Mariafeld" 98 und z'Blau Wunder" 99 (alle vier von Gian-Battista von Tscharner). Es folgten Malanser BB "Spieger" 98 (Thomas Donatsch) und Churer BB "Gian-Battista" 98. Mit Jeninser Pinot gris Spätlese (Gian-Battista von Tscharner // gelesen am 17.12.99!) wurde das hervorragende Degustationsprogramm abgerundet.

Gian-Battista von Tscharner verstand es hervorragend die Weine an die Nase zu führen. Dabei kamen viele "4-Nasen-Ahas-und-Ohos" zum Vorschein und männiglich genoss die edlen Tropfen, bevorzugte die einen und werteten die andern. Ausführungen über die Vielfalt der Rebsorten, die Erziehungssysteme, das Wachsen und Gedeihen des Traubenguts, die Aromen im Wein und ihre Herkunft, Kellertechnik und -wissen. Und natürlich auch viel über Barriques, moderne Keltermethoden, wie auch die nicht zu unterschätzenden physikalischen Einflüsse von Licht und Luft - kurz, es war ein sehr umfassender, kurzweiliger und äusserst interessanter Lehrgang. Die Zeit verflog im Nu und die von Gian-Battista von Tscharner mehrmals eingeflochtene Bemerkung, dass man dem Wein seine Zeit lassen muss, hat sich selbst an diesem Vortrag bewahrheitet.

Wein hat Mystik wie kein anderes Getränk!

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