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Weine aus der Bündner Herrschaft – Weinbruderschaft

Weine aus der Bündner Herrschaft

Aus Weinbruderschaft

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Die Hauptstadt des Kantons Graubünden ist Chur. Mit einer 5'000-jährigen Siedlungsgeschichte gilt Chur als die älteste Stadt der Schweiz. Im Jahr 744 wurde erstmals belegt, dass im Rheintal Reben angepflanzt wurden. Die Bündner Herrschaft entstand im Jahre 1509 aus den drei Freistaaten Gotteshaus-, Oberer- oder Grauer- und dem Zehngerichtebund. Nach der heutigen Weingebiets-definition besteht die Bündner Herrschaft aus den Gemeinden Fläsch, Maienfeld, Jenins und Malans.

Das Klima in diesem Gebiet ist geprägt durch viel Sonnenschein sowie vom durch das Tal blasenden südlichen Föhnwind. Dieser Fallwind wird hier bezeichnenderweise "Traubenkocher" genannt, weil er die Zuckerbildung in den Trauben begünstigt.

Die Bündner Herrschaft liegt auf dem gleichen geografi-schen Breitengrad wie die besten Lagen des Burgunds aber doppelt so hoch auf 500 m.ü.M. Die Hauptrebsorte ist der Pinot noir, nebst mehr als über 40 weiteren Rebsorten. Erwähnenswert ist die autochthone Rebsorte "Completer", die den traditionellen Dessert-Wein ergibt. Das Kuriosum "Schiller" ist ein Wein, welcher aus roten und weissen Trauben (also kein Verschnitt von Mosten oder Weinen) des gleichen Rebberges als Süssdruck gekeltert wird.

Es gäbe noch viel zu berichten, doch das überlasse ich besser dem ausgewiesenen Weinfachmann aus der Bündner Herrschaft, dem Schlossherrn zu Reichenau Gian-Battista von Tscharner.



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Rückblick

Text: Ueli Aebi / Fotos: Ruedi Fankhauser

Eigentlich hätte ich wissen müssen, dass dieser Beitrag kein "Schoggi-Job" sein würde: schliesslich hatte ich Gian-Battista von Tscharner schon zwei Mal live erlebt. Warum ich Marianne Breitenstein - unserer "Berichterstatterin vom Dienst" - trotzdem zugesagt habe, sie hinsichtlich "Erlebnisbericht" während ihrer Ferienabwesenheit zu vertreten, ist mir heute total schleierhaft. Wie dem auch sei: zugesagt ist zugesagt! Die Frage ist nur: wie ziehe ich mich aus der Affäre? Im Zeitalter des Internet wird es am einfachsten sein, mal ins Web reinzuschauen. Also: Google. Gian-Battista von Tscharner. Enter. 922 Ergebnisse. Gian-Battista und Schloss Reichenau. Gian-Battista und seine Weine. Gian-Battista und das Schlosshotel Adler. Gian-Battista als Top-Winzer. Und so weiter. Und so fort. Was soll da ein Laien-Berichterstatter denn noch schreiben? Ein paar Hinweise auf gute Internet-Linkes müssten doch genügen! So kann sich dann jede(r) selber aussuchen, was interessiert!


Wer allerdings Gian-Battista von Tscharner kennt, weiss: so geht das nicht. Kein Artikel - also auch der vorliegende - kann auch nur annähernd die "Live Atmosphäre" beschreiben, die der "polternde Charismatiker" (oder besser "charismatische Polterer"?) mit dem "stuure Bündnar Grind" (Gian-Battista über Gian-Battista) vom ersten Satz an zu verbreiten vermag. Ich hoffe übrigens, dass mir Gian-Battista die Verkürzung auf seinen Vornamen nicht ernsthaft übel nimmt. Gian-Battista's pointiert-provokativ-polemisch-launige Statements sind berühmt. Und von vielen Winzerkollegen und Fachleuten auch gefürchtet. Dazu trägt sein persönliches "Sound-System" und sein "Kleiderschrank-Format" wesentlich bei: ohne Mühe ist Gian-Battista in der Lage, auch grosse Räume ohne elektronische Hilfsmittel "voll auszuschallen". Kurz: Gian-Battista's Präsenz kann sich niemand ernsthaft entziehen. Sinngemässe Beispiele gefällig? Über die (rote) Bündner Haupt-Rebsorte Blauburgunder (beziehungsweise Pinot Noir): "Blauburgunder ergibt die besten Rotweine der Welt. Diese Rebe ist die anspruchvollste Sorte bezüglich Lage, Anbau, Rebpflege, Kelterung und Ausbau. Cabernet Sauvignon kann jeder Trottel auf der Welt bereiten. Gute Blauburgunder erzeugen nur Könner."

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Über die weltbesten Lagen für Blauburgunder: "Das Burgund und das Bündnerland, vielleicht noch ein bisschen die Ostschweiz. Das Wallis? Viel zu heiss (für Blauburgunder). Wissen Sie, weshalb auf jeder Flasche (Rot-) Wein aus dem Wallis VS steht? Das ist die Abkürzung für "vino suizido". Oregon in USA? Die bauen Pinots doch erst seit 10 Jahren an. Ich habe bis heute keinen guten getrunken. Alles hochgejubelt". Dazu auch: "Was heute gut ist, bestimmen nicht mehr Konsumenten oder Produzenten, sondern Journalisten." Wohl wahr ("Weinpapst" Parker lässt grüssen!).


Gian-Battista lässt keinen Augenblick Zweifel aufkommen: er vertritt die Tradition. Deshalb verkauft er seine Weine erst, wenn sie aus seiner Sicht auch reif für den Verkauf sind. Das dauert bei ihm vielfach einige Jahre. Eine heute völlig "unmoderne" Methode, weil sie natürlich viel Geld bindet. Gian-Battista verhehlt nicht, dass die Umstellungsphase auch für ihn nicht einfach war: "Meine Frau konnte nicht mehr so viele neue Kleider kaufen". Wohl nicht ganz so ernst gemeint. Unbestritten ist die Tatsache, dass die Produzenten der sogenannt "modern gekelterten Weine" (mit entsprechend früher Trinkreife) nicht in erster Linie der Qualität verpflichtet sein können: Ziel der Geldgeber (heute vielfach Finanzgesellschaften) ist, Geld zu verdienen. Die Weinproduktion ist lediglich (ein mögliches) Vehikel dazu.


Dass traditionelle Weinbereitung auch in der Schweiz zu lagerfähigen Weinen führen kann, hat Gian-Battista mit seinem Jeninser Blauburgunder "Mariafeld" Jahrgang 1999 eindrücklich unter Beweis gestellt. Nicht ohne Kommentar zum Alterungsprozess: "Wenn Sie einen reifen Wein öffnen und daran riechen, was riechen Sie dann? Ja richtig: er stinkt. Ja was glauben Sie, wie Sie riechen würden, wenn Sie jahrelang in den gleichen Unterhosen leben würden? Sie würden doch vorerst auch etwas Zeit zur Erfrischung brauchen! Genauso ist es mit reifen Weinen".


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Ich habe mich bisher über die eigentliche Degustation weitgehend ausgeschwiegen. Leser, die nun eine Abfolge von poetischen Weinbeschreibungen und Lobeshymnen erwarten, werde ich enttäuschen: zu inflationär füllt bald jedes beliebige "Chäsblatt" seine Spalten mit verbalen Ergüssen oder gar Einkaufsempfehlungen (tatsächlicher oder selbsternannter) Weinexperten. Ausserdem: Genuss ist ausschliesslich eine persönliche und individuelle Frage. Ich lasse deshalb bewusst Vieles offen. Die Absicht dahinter: ich möchte Sie "gluschtig" auf eigene Entdeckungen machen. Deshalb lediglich ein paar "Eckdaten": eine Degustation auf ausserordentlich hohem bis höchstem Niveau. Weine von Erzeugern hoher und höchster Reputation waren der Grund hierfür: Peter Wegelin, Manfred Meier, Martin Donatsch, Georg Schlegel, Thomas Mattman, Christian Hermann, Georg Fromm, Daniel Gantenbein, Markus Stäger und - last, but not least - Gian-Battista von Tscharner. Bekannte Namen in der einschlägigen Weinszene. Natürlich gibt es eine ganze Reihe weiterer Spitzenerzeuger im Bündnerland. Allen ist gemeinsam, dass man ihre Produkte bei keinem Grossverteiler findet. Also kleine und kleinste Mengen höchster Qualität, handwerklich gefertigt. Oftmals schon früh ausverkauft. Und damit ist auch angedeutet: billig sind die Weine nicht. Das können (und müssen) sie auch gar nicht sein. Qualität und hoher Genusswert haben eben ihren Preis.


Weine dieser Güte aus der Bündner Herrschaft sind ein Erlebnis. Weine dieser Güte - präsentiert und kommentiert durch Gian-Battista von Tscharner - sind ein erlebtes Ereignis. Man kann Gian-Battista's pointierte Meinungen teilen oder ablehnen. Man kann Gian-Battista widersprechen. (Wer das tun möchte, tut gut daran, sich vorher fachtechnisch und rhetorisch gut zu wappnen.) Kalt lassen Gian-Battista's Statements keinen Weinfreak. Vielmehr geben sie Anlass zu kritischem Hinterfragen eigener, vielleicht eingefahrener Ansichten. Auch das eine Herausforderung.


Mein persönliches Fazit: spannend, lehrreich, unterhaltend, humor- und genussvoll. Sollte sich mir irgendwann irgendwo die Möglichkeit bieten, Gian-Battista von Tscharner wieder live zu erleben: Ich werde die Gelegenheit packen. Google bringt's in diesem Fall definitiv nicht!

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Degustierte Weine (BB = Blauburgunder):

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