Weine aus Süditalien

Aus Weinbruderschaft

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Der Süden Italiens hat die Dichter der Antike ebenso inspiriert wie jene der Neuzeit, und auch für die heutige Gesellschaft hat der Fuss des Stiefels nichts von seiner Faszination verloren. Vergil, Horaz und Plinius rühmten seine Weinschätze, Carlo Levi und andere die archaischen Landschaften und Bräuche, während der moderne Mensch zunehmend die touristischen Vorzüge des südlichen Apennins und seiner Inseln beschwört.

Nirgends, so heisst es, ist Italien italienischer als im Mezzogiorno, im tiefsten Süden, wo die Araber über Jahrhunderte den Weinbau förderten und prägten. Einen Weinbau, der sich später allerdings weit weniger rasant entwickelte als jener des Nordens, welcher ab den 70er Jahren einen eigentlichen Boom erlebte. In den süditalienischen Provinzen und auf den Inseln tickten die Uhren langsamer, und noch lange träumten Rebbau und Kellerwirtschaft in einer Art Dämmerschlaf vor sich hin. Vor rund 15 Jahren aber setzte das Erwachen auch in den entlegensten Regionen ein, und was sich seither im Weinbau tut, ist nichts weniger als ein regelrechtes Aufbäumen. Kannten Weinliebhaber früher (fast) nur Veltliner, Chianti, Barolo und Co., braucht man heute niemandem mehr zu erklären, wo der Primitivo wächst, wo Kalabrien liegt oder der geheimnisvolle Nero d'Avola herkommt.

Trotzdem oder gerade deshalb lohnt es sich heute, einen vertieften Blick auf Süditalien zu werfen. Während das Kapitel Primitivo bald zu Ende gelesen ist, lädt die Weinbaugeschichte des Mezzogiorno dazu ein, weitere Seiten aufzuschlagen. Denn mit autochthonen Sorten wie Aglianico, Negroamaro, Falanghina oder Greco verfügen die Gebiete über Trümpfe, die es auf jeden Fall zu entdecken lohnt.

In den Weinabteilungen der Supermärkte und Einkaufszentren finden sich heute süditalienische Weine zuhauf. Massenhaft werden Massenweine angeboten von unter 10 Franken, oft sogar als Aktion zum halben Preis. Dass bei solchen Angeboten die Qualität auf der Strecke bleiben muss, dürfte jedem interessierten Weinfreund einleuchten.

Aus diesem Grunde werden Sie auch an unserer Degustation keine solche Weine finden. Ganz im Gegenteil. Es gibt nämlich im Süden Italiens ganz hervorragende Weine. Nur wissen welche und wo sie zu finden sind, dies steht auf einem andern Blatt.

Die Referentin des Abends, die Barbara Meier-Dittus, ist ihres Zeichens Journalistin und Weinfachfrau. Sie hat sich auf die Suche gemacht und ist fündig geworden. Sie hat eine Auswahl von Weinen zusammengestellt, die mit Sicherheit auch den Kenner der süditalienischen Weine anspricht. Weine wie: Greco di Tufo, Inzolia, und Passito di P. bei den weissen, oder Taurasi Radici, Aglianico del Vulture il Viola, Balbium Rosso Calabria, Primitivo di Manduria San Marzano, Amativo Salento und Korem Isola dei Nuraghi bei den roten, lassen höchsten Genuss erwarten. Produzenten wie: Mastroberardino, Antonio Caggiano, Tenuta Le Querce, Terre di Balbia-Altomonte, Feudi di San Marzano, Càntele, Abbazia Santa Anastasia, Antonio Arigola und Nes Duca di Castelmonte, bürgen für absolute Qualität. Dass diese Weine natürlich auch ihren Preis haben, und dass dieser sich in der Kalkulation niederschlägt, dürfte aber auch allen klar sein.

Qualität hat immer ihren Preis!


Rückblick

2006 sueditalReferentin.jpg Barbara Meier-Dittus

Die Referentin den Zofinger Weinfreunden vorzustellen, wäre Wasser in den Rhein getragen - für alle Nicht-Insider zur Information: sie ist Weinfachfrau, unter anderem eine begnadete Weinjournalistin und Inhaberin der Sensorik-Lizenz Wein der Fachhochschule Wädenswil, einer höchst schwierigen und anspruchsvollen Auszeichnung für Weinfachleute. Die charmante und kompetente Rednerin hatte die Teilnehmer als "Reiseleiterin" gekonnt durch eine einzigartige Erlebniswelt geführt. Das Interesse seitens der Zofinger Weinfreunde war gross und selbst für zwei Vertreter des ANAV-Zentralvorstandes führte der Weg ins Hotel Zofingen. Aus ihrem reichen Fundus entführte Barbara Meier-Dittus die Teilnehmer mit "Augen, Ohren, Nase und Gaumen" in die Traumlandschaft Süditaliens.

Süditalien ist für viele eine Assoziation von Sonne, Meer, Ferien, Strand, wunderschönen Landschaften, freundlichen Leuten, kulinarischen Höhenflügen und natürlich verschiedensten Weinen. Punkto Rebbau lässt sich in Süditalien ein grosser Wandel feststellen. Massen- und Verschnittweine, bis vor wenigen Jahren noch Normalität, sind im Abnehmen begriffen, denn heute werden berühmte Oenologen als Berater beigezogen und der erste Erfolg lässt sich sehen. Noch sind nicht alle am Ziel, das otenzial ist noch nicht ausgeschöpft - doch heute hat die Zukunft Süditaliens erst begonnen!

Sechs Regionen

Kampanien, eine doch eher hügelig-gebirgige Landschaft kennt eine Fülle von Rebsorten, welche zum Teil noch auf die Antike zurückgehen. Auf 42'000 ha Rebfläche, oft in Pergolen erzogen, sind rund zwei Dutzend Weisswein- und ebenso viele Rotweinsorten anzutreffen. Drei Weine haben die Auszeichnung DOCG, 18 die DOC. Aglianico (vor 2500 Jahren von den Griechen gepflanzt) bei den Roten und Asprinio Blanco (schon den Etruskern bekannt) bei den Weissen spielen hier eine Hauptrolle.

In der Basilicata, welche noch hügeliger ist, gibt es nur 2 DOC-Weine bei einem Anbau von 14'000 ha, hier bildet der Aglianico del Vulture das Kernstück.

Apulien ist mit 120'000 ha Reben die zweitgrösste Weinbauregion Italiens. Sehr bekannt sind die Trulli (Rundhäuser). Hier finden sich 25 DOC und keine DOCG-Weine bei rund 60 verschiedenen angebauten Sorten! Nebst den berühmten Salice Salentino und Primitivo di Manuria, werden viele Trauben für die Wermutproduktion verwendet oder als Tafeltrauben, Mostkonzentrat oder Weindestillate verwertet. Die oft in der Alberello-Methode (Bäumchenschnitt) erzogenen Reben lösen im Moment Goldgräberstimmung aus, da insbesondere der Negroamaro (6. häufigst angebaute Rebsorte) mit seinen bittersüssen Aromen und kräftigen Strukturen zu einem Kultwein geworden ist. Die Frage, ob es sich bei Zinfandel und Primitivo um die gleiche Sorte handelt muss klar verneint werden. Es handelt sich jedoch um zwei Klone derselben Art (der kroatischen Crljenak Kastelanski). Die weisse Rebsorte Aleatico, wahrscheinlich eine Mutation der Muscat à petit grain, wird hauptsächlich zu Dessertweinen oder in der Likörherstellung verarbeitet.

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Kalabrien ist die bis heute am wenigsten ernst genommene Weinregion Italiens, obwohl die Rebfläche 24'300 ha beträgt und 12 DOC, u.a. Cirò und Pollino liefert.

Sardinien, als Ferieninsel meist besser bekannt, hat mit dem DOCG Vermentino di Galluro ein Paradepferd. Aus 40'000 ha und einem Sortiment von 60 verschiedenen Rebsorten erlangen gerade 15% den DOC-Status und Alghero wie auch Monica di Cagliari sind sehr bekannt.

Auf Sizilien sorgt das mediterrane Insel-Klima für eine subtropische Vegetation. Auf 133'500 ha (grösstes Weinbau-Gebiet Italiens) wird ein Sechstel der italienischen Weine produziert, 1 DOCG Cerasuolo di Vittoria und 19 DOC-Weine. Der vielen bekannte Nero d'Avola gilt als einfacher, doch nicht uninteressanter Türöffner, den man gerne zu Pizza oder Pasta geniesst. Die meisten Sizilianer-Weine sind jedoch Massenware. Einige wenige wie der sherry-ähnliche Marsala, meistens als "Kochwein" zum Abschmecken bekannt, haben sich einen Namen gemacht. Der Marsala vergine wird völlig verkannt und kann durchaus mit Port oder Sherry verglichen werden.


Die Weine

Die Degustation wurde mit zwei Weissen eröffnet: Inzolia 2005, Abbazia Santa Anastasia, ein sehr ansprechender Wein aus Sizilien mit feiner Nase, Zitrusdüften, angenehm im Gaumen und rassiger Säure. Aus der Campania der Greco di Tufo 2005 von Antonio Caggiano, Nase zurückhaltend, Melissen, feine Konturen, zarte Süsse mit erfrischender Säure gepaart.

Weiter ging die Reise mit den Roten: Balbìum Rosso Calabria IGT 2003, Terre di Balbia-Altomonte, welcher mit herzhafter Würzigkeit, Kirschen, Lorbeer, kernig bittersüss, stoffig mit Tannin im Abgang noch entwicklungsfähig ist. Der Aglianico del Vulture il Viola 2003, Tenuta Le Querce, aus der Basilicata zeigte Frucht in der Nase, rote Beeren fast marmeladig im Gaumen und eine gute Struktur. Der Amativo Salento IGT 2003, Càntele, aus Apulien (60% Primitivo und 40 % Negroamaro) hat durch seine Nase nach Feigen, Korinthen riechend, im Gaumen mit roten Früchten und guter Säure/Gerbstoff-Struktur und langen Abgang begeistert. Anfora Zinfandel Puglia IGT 2003, Masseria La Corte, überzeugt durch fruchtig feine Nase mit zarten Vanilletönen, zeigt auch Röstaromen, Süsse, Schmelz und Geschmeidigkeit, die Tannine sind gut verpackt. Ein sehr überzeugender Wein! Korem Isola dei Nuraghi 2003, Antonio Argiolas, (Nuraghi = sardinische Trulli), besteht aus einem Cuvé aus Canonau, Garmignano, Syrah und Merlot. Reiche vielfältige Nase nach roten Beeren, Kirschen, Kräutern riechend, satte Struktur, fest und elegant im Gaumen, gutes Fleisch und lang im Abgang. Und als Höhepunkt der roten Weine: Taurasi (Aglianico) Radici 2000, Mastroberardino aus der Campania, einer Weinkellerei die seit 1600 im Betrieb ist und mit 2.3 Mio. Flaschen pro Jahr eine ansehnliche Produktion erzielt. Der Taurasi zeigte eine komplexe Nase, Lakritze und Tabaknoten, schöne Reife mit süssbitteren Noten, dunkle Schokolade, Biss und langem Abgang.

Zum Dessert gab's den Passito di Pantelleria Nes DOC 2003, Duca di Castelmonte, Pantelleria/Sicilia. Dieser Dessertwein hat eine feine Muskattöne, Honig und kandierte Früchte im Gaumen, ist reich an Duftkomponenten im Abgang mit guter Frische-/Säurebalance. Ein herrliches Dessert!

2006 sueditalTeiln.jpg Angeregte Diskussionen unter den interessierten Zuhörern!

Süditalien wir warten auf dich! Ein bunter Reigen von präzisen, klar formulierten Informationen, eine Palette von sehr schönen Weinen mit herrlichen Ausführungen, dokumentiert und bebildert - ein wahres Erlebnis dieser Anlass. Barbara Meier-Dittus hat mehr geboten, als nur einen Abstecher nach Süditalien. Klar und deutlich in ihren Ausführungen, sympathisch ihr Vortragsstil - eigentlich ging die Zeit viel zu rasch vorbei - man hätte gerne noch einige Zeit zugehört. Es war super - ein ganz ganz herzliches Dankeschön für diesen tollen Anlass!

Einmal mehr hatten die Abwesenden viel verpasst! Von Süditalien jedoch werden alle noch zu hören bekommen, denn die Zukunft hat ja erst begonnen! In diesem Sinne kann getrost nach vorne geblickt werden!

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