Wein- und Kulturreise in die Franche-Comté, Burgund und Jura

Aus Weinbruderschaft

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Inhaltsverzeichnis

20.- 23. Mai 2004

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LA FRANCHE-COMTE

Im Osten Frankreichs, zwischen Burgund und der Schweiz gibt es eine Region zu entdecken, die mit ihrer landschaftlichen Vielfalt und den Sehenswürdigkeiten ebenso zu beeindrucken vermag, wie mit einem klugen Gleichgewicht zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Bewahrung der natürlichen Umwelt: die Franche-Comté (Freie Grafschaft). Die Einheimischen haben es indessen immer verstanden, still und anonym die Reichtümer dieser Erde, die Metalle, Hölzer, Kräuter, die Wolle, die Milch zu nutzen. Etwas Wein gibt es auch in die Franche-Comté: Das Weinfest von Champlitte etwa fällt schon seit der Regierung des minderjährigen Ludwig XV. im 18. Jahrhundert stets auf den St.Vinzenz-Tag (22. Januar). Sollten Sie einmal in Champlitte sein, dann fahren Sie 20 km weiter nördlich nach Dommarien. Vielleicht sind Paintendre's in ihrem Ferienhaus anzutreffen!

LA BOURGOGNE

Der Name allein schärft die Sinne und weckt den Wunsch, hier auf Entdeckungsreise zu gehen. Und zu entdecken gibt es wahrlich eine Menge in diesem Land der alten Handelsstrassen! Die charakteristischen Dächer mit ihren bunten Dachziegeln weisen wie Leuchtfeuer den Weg der Route des Grand Crus von Dijon nach La Rochepot. Sie schützen hier ein Schloss, dort ein mächtiges Herrenhaus, und die bekanntesten sind wohl die am Hôtel-Dieu de Beaune. "Les Hospices", eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten im Burgund, entstanden im 15. Jahrhundert, als Stiftung von Nicolas Rolin und seiner Gattin Guigone de Salins, die damit den Armen ein Dach über dem Kopf schenken wollten. Heute ist das Gebäude ein Museum. Den Geist der Mitmenschlichkeit haben sich die Hospices de Beaune allerdings bewahrt. Dank grosszügiger Spenden konnten diesem eindrucksvollen Weingut mehrere grosse Weinberge in Beaune, Aloxe-Corton und Meursault angegliedert werden. Seit 1859 wird nach jeder Weinlese am 3. Sonntag im November eine Auktion zu gemeinnützigen Zwecken veranstaltet.

LE JURA

Der Jura ist eine der individuellsten traditionellen Weinregionen Frankreichs. Seine Weine haben sich nicht wie die, vieler anderer Regionen dem Zeitgeist angepasst. Jura-Wein braucht Zeit, und Zeit brauchen vielleicht auch Weintrinker, die diese Besonderheit nicht gewohnt sind. Hat man ihn sich dann aber einmal erschlossen, lässt er einen nicht mehr los. Insbesondere gilt das für die dort heimische faszinierende Weissweintraube Savagnin, die wohl eine Verwandte des elsässischen Gewürztraminers ist und die langlebigsten Weine des Jura ergibt. Langlebig heisst im Jura 50-100 Jahre und vielleicht mehr.





REISEPROGRAMM

Donnerstag, 20.05.04

Freitag, 21.05.04

Samstag, 22.05.04

Sonntag, 23.05.04




Rückblick

Text und Bilder von Alex Beck, Sarmenstorf


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Kapelle Notre Dame du Haut, Ronchamps, von Le Corbusier


Vier erlebnisreiche Tage liegen hinter uns. Unser Reiseleiter, Roland Paintendre, hat mit seiner tadellosen Organisation, seiner umfangreichen, gut dotierten Dokumentation dafür gesorgt, dass wir zu keinem Zeitpunkt im Ungewissen waren. Ein gutes, nicht überladenes Programm mit einer Degustation, einem kulturellen und einem kulinarischen Höhepunkt pro Tag bildeten einen wohltuenden Rahmen für diese Reise.


1. Tag: Unser langjähriger, routinierter Chauffeur Hardy Lerch führte uns via Autobahn über Belfort nach Ronchamps. Der Besuch der Kapelle von Notre Dame du Haut in Ronchamps wurde im Car mit einem Video optimal vorbereitet. Wir konnten uns den enthusiastischen Worte des verstorbenen Pfarrers, der die Entstehung dieser Kirche erlebte, nicht entziehen. Die spezielle Führung vor Ort machte uns mit dem gesamtheitlichen Denken und Wirken von Le Corbusier bekannt. Mit einem wunderbaren Geläute der Kappelle wurden wir verabschiedet. Die Stimmung im Car war nach diesem Besuch still und friedlich, ein sakrales Gefühl begleitete uns bis Gray. Ein ehrwürdiger, stilvoller Landsitz erwartete uns in Gray zum Mittagessen in der „Salle des gardes“. Ein perfekt eingespieltes Team servierte uns ein, an feinen Köstlichkeiten der französischen Küche kaum zu überbietendes Essen. In heiterer, fast ausgelassenen Stimmung verliessen wir dieses Chàteau de Rigny in Richtung Burgund. In Fixin erwartete uns Philippe Bernard in seinem Clos St. Louis. Ein kurzer Spaziergang in die Reben zeigte uns die typische Kultur mit gesundem, kräftigem Blatt. In der anschliessenden Degustation von Bourgogne blanc, Chardonnay, Pinot rosé, Gevrey-Chambertin und Fixin 1er Cru vermittelte er uns die gute Qualität eines soliden Gewerbes. Das Preis/Leistungsverhältnis liess diesen oder jenen BesucherIn beim Kauf ab Keller zögern. Der Tag klang in Beaune im „Cellier de l’Abbaye de Mazières“ bei leichtem Gewitterregen aus.


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2. Tag: Ein schöner sonniger Morgen begleitete uns ins „Hotel de Dieu“ dem Bijou von Beaune. Hier wurden wir in einer professionellen Führung mit den Schönheiten dieses Ortes bekannt gemacht, oder auch alte Erinnerungen aufgefrischt. Manch innerer Ausruf des Erstaunens ging über die Lippen, ob all’ der erstaunlichen Vorsorge für die Armen im 15. Jahrhundert. Die ausgestellten Instrumente für die Operation, oder die Apparate für die Destillate zur Betäubung des Patienten, liessen es damals wie heute ratsam erscheinen, möglichst gesund mit einem täglichen Schluck des kräftigenden Beaunes zu leben. Nach ein paar Schritten waren wir bereits beim „Marché du Vin“ angelangt und degustierten in einem Keller-Rundgang an verschiedenen Stationen die Weine des „Hospice de Dijon“. Diese Bezeichnung verleitete zu Vergleichen zum wohlklingenden „Hospice de Beaune“ . Leider vermittelten die uns übergebenen Trinkgefässe, die „tastevins“ mit ihrer Schnittkante, mehr Eisenionen als uns lieb war und irritierten so unseren Geruchssinn. In der „Auberge le soleil d’or“ in Verdun s/l Doubs erhielten wir eine Feuertaufe mit der servierten „Pochouse“. Roland’s Captain’s Dinner-Runde erhielt Besuch vom „Grand Maître de la Confrerie des Chevaliers de la Pochouse“, Mr. Claude Bertrand. Dieser Eintopf mit Hecht und Egli (magerer Fisch) und Aal und Schleie (fetter Fisch) mit weissem Burgunder, Knoblauch, Thymian und Pfeffer gewürzt und mit Marc flambiert, ergibt eine währschafte Speise. Ob der zitierte Siegeszug der Pochouse rund um die Welt Tatsache wird, mag bezweifelt werden. Müde erreichten wir das Etap-Hotel in Lons le Saunier. Viele machten vom freien Abend durch Nichtstun und wenig Essen Gebrauch und sinnierten über die klugen Einfälle des Hotel-Architekten nach.


3. Tag: An diesem kühlen, windigen Morgen, ausgerüstet mit Pullover und Jacke fuhren wir direkt zum Winzer, Mr. Baud in Le Vernois. Dieser machte mit uns einen Abstecher nach Château Chalon. Die Aus- und Einsichten in diesem Kleinod von mittelalterlichem Städtchen hoch über den Rebbergen war einfach überwältigend. Die Rebberge von Chàteau Chalon gehören zu einem der 4 kontrollierten Ursprungsbezeichnungen des Juras. Diese famose Gegend gilt als Wiege des „Vin jaune“. Zurück, beim kleinen Rundgang durch den Keller von Mr. Baud konnten wir uns von der soliden Arbeit des Winzers überzeugen. In der anschliessenden Degustation wurden uns die sortentypischen Weine des Juras, wie, Poulsard und Trousseau, sowie Chardonnay und Savagnin kredenzt. Anschliessend wurden wir mit dem „Vin jaune“ und dem „Vin de paille“ bekannt gemacht. Den Abschluss bildeten der Macvin und der Marc. Es würde zu weit führen, diese sehr schönen Weine zu kommentieren (sie wurden unlängst im „Ami de Vin“ 1/04, im Reisebericht der Weinfreunde Emmental-Aaretal kompetent behandelt). Viele ergriffen die Gelegenheit einen „Vin jaune“ oder einen „Vin de paille“ zu erstehen, um bei späterer Gelegenheit seine Freunde zu hause mit einer Exklusivität des Juras zu überraschen. Der Keller und der Degustationsraum waren mit vielen Exponaten über das Thema „Stein“ in Photografie, Skulptur, Malerei, Fresken, vertreten. Diese Ausstellung wurde von KünstlerInnen der Region angeregt. Dieses Chàteau Chalon ist ein idealer Treffpunkt für Künstler! Erwartungsfroh dislozierten wir zum nächsten kulinarischen Höhepunkt im „Le Revermont“ in Passenens. Wir genossen diese Mussestunden an dieser 1. Adresse der Region, um dann frisch gestärkt nach Arc et Senans aufzubrechen. Hier erwartete uns die königliche Saline, ein Weltkulturerbe der Unesco. Dieses einmalige, ideale Stadt repräsentiert die Geschichte einer Industriekultur. Der Abend wurde im „Caveau d’Arbois“ beschlossen.

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Juralandschaft


4. Tag: Nach dem Frühstück in den beiden Hotels in Poligny und Arbois, erwartete uns eine strahlende Sonne mit einem steifen Wind. In Arbois, der Kapitale der jurassischen Weinberge wurden wir vom Vertreter der „Fruitière vinicole d’Arbois“ empfangen Wir besichtigten den gut ausgebauten Keller der „Bethanie“. Der Keller verfügt über ein imposantes Fassungsvermögen von 35000 hl, sowie einem Lager von 3000 Fässern à 228 l. 135 Genossenschafter liefern hier ihr Traubengut ab. „Fruitière vinicole“ ist der grösste Produzent von Savagnin und von Trousseau-Weinen. In der anschliessenden Degustation im gemütlichen Kellerlokal konnten wir die Vorzüge der vorgestellten Weine an komfortablen Tischen geniessen. Wir prüften den Chardonnay 2001, die Cuvéé Bethanie bei den Weissweinen, sowie den Poulsard beim Rotwein, um anschliessend zum „Coeur du terroir “, zum „Vin jaune 1996, 0,62 l“ zu wechseln. Den Abschluss bildete der Macvin, eine Mischung von Marc und Vin jaune. Die Weine mundeten vorzüglich, dementsprechend gut verlief der Verkauf. Ein zusätzlicher Anstoss war die Bemerkung, dass für das „Poulet de Bresse au vin jaune et morilles“ eine Flasche vin jaune für den Sud gebraucht wird und eine 2. Flasche für das Essen geöffnet wird. Diese 100%-ige Umsatzsteigerung kann dem Winzer nur lieb sein. Nach dieser letzten eindrücklichen Degustation lehnten sich alle etwas zurück, genossen die Fahrt durch eine blühende Jura-Alpenlandschaft oder freuten sich heimlich auf den kulinarischen Höhepunkt der Reise in Morteau in der Nähe der Schweizer Grenze. Diese „Auberge de la Roche“ könnte man glatt verpassen, so unscheinbar ist sie von aussen zu betrachten. Innen wussten jedoch die Gastgeber, Philippe und Sylvie Feuvrier in allen Belangen zu überzeugen. Ein „Crémant de Jura“ eröffnete das Essen. Ein besonderer Leckerbissen, um nur einen zu benennen, war der „Le Jesu de Morteau en Brioche auf Fumet de Jura“. Das exquisite Essen ergänzten 2 vorzügliche Weine aus dem Bordeaux. Überaus beglückt, erfüllt von vielen einmaligen Eindrücken, traten wir die Rückreise mit viel Applaus für den Reiseleiter und den Carchauffeur über Neuenburg an.

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