Wanderdegustation Bündner Herrschaft

Aus Weinbruderschaft

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Liebe Weinfreunde


Ein wunderbarer Sommer geht langsam zu Ende und leitet über in einen hoffentlich schönen Herbst, der uns noch mit vielen Sonnentagen und einer guten Traubenernte verwöhnen wird.

Es deutet die fallende Blüte dem Gärtner,dass die liebliche Frucht schwellend im Herbste gedeiht.

Johann Wolfgang von Goethe


Begonnen hat das Rebjahr im Frühling mit einer Hiobsbotschaft. Vermutlich kamen durch den Einsatz eines Spritzmittels „Moon Privilege“ gegen Graufäule einige Reben zu Schäden. In Klingnau im unteren Aaretal spricht man von Ausfall durch verkümmerte Trauben an den Rebstöcken. Die Furcht vor der Kirschessigfliege ist zurzeit zwar durch die heissen Temperaturen zurückgebunden. Doch das warme Wetter brachte auch Negativs mit sich. Mancherorts haben Hagelzüge ganze Landstriche verwüstet. Rebbauern und Weinkonsumenten hoffen aber trotzdem auf eine ertragsreiche und qualitativ gute Ernte. Warten wir ab, was uns die Natur noch beschert bis zur Traubenlese.

Mit der Magisterarbeit von Urania und Laszlo Balatoni kamen wir Weinfreunde in den Genuss einmal ungarische Weine zu verkosten. Die Beiden berichteten uns viel Interessantes über Ungarn und stellten ein hervorragendes Weinsortiment vor. Einige aah‘s und ooh‘s kamen von den zahlreich anwesenden Weinfreunden, mit dem Nachsatz, das habe ich überhaupt nicht gewusst! Souverän leiteten die beiden Magister Vini diesen wunderbaren Abend. Herzlichen Dank!

Nun halten sie die Einladung zur ANAV Wanderdegustation «Bündner Herrschaft» in den Händen. Viele Weinfreunde geniessen immer wieder die viel gelobten Weine aus dieser Weinbaugegend der Schweiz.

Der Stubenrat freut sich, Ihnen am Donnerstag, 24 September 2015 wieder einen kleinen Querschnitt aus den vier Rebbaugemeinden Fläsch, Maienfeld, Jenins und Malans präsentieren zu können.


Weine aus der Bündner Herrschaft

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In den Weinbergen der Bündner Herrschaft gedeihen über 40 Rebsorten, aus denen die Winzer und Winzerinnen Jahr für Jahr verschiedene Weine keltern, die zur Schweizer Spitzenklasse gehören. Das Weinbau-Gebiet weist nur eine kleine Rebfläche von ca. 400 ha auf. Mit viel Gefühl im Umgang mit der Natur, hoher Traubenqualität aus klein gehaltenen Ernteerträgen, ergänzt durch eine sinnvolle Kombination von Hightech und traditioneller Kelterung, entstehen erstklassige Weine. Durch ihre Naturbelassenheit und der säurearmen Struktur sind die Weine äusserst bekömmlich. Die Produkte der Bündner Winzer sind sehr begehrt. Die Dichte an Kelterungsbetrieben in der Bündner Herrschaft ist einzigartig. Auf einer Distanz von wenigen Kilometern stehen über 60 Betriebe, in denen Trauben zu Wein verarbeitet wird. Das Klima ist von viel Sonnenschein, sowie vom durch Föhn der durch das Rheintal bläst geprägt. Dieser Wind wird als "Traubenkocher" bezeichnet, weil er die Zuckerbildung in den Trauben begünstigt. Dank diesem Klima entstehen kräftige und lagerfähige Weine, die in guten Jahren durchaus mit grossen Burgundern rivalisieren können. Wie im Tessin hat sich in der Herrschaft eine Elite von Winzern herangebildet, die mit ihrem Pinot Noir den internationalen Vergleich nicht zu scheuen brauchen. Zum überwiegenden Teil ca. 80 % werden Pinot Noir Weine produziert. Weitere rote Rebsorten sind Merlot, Cabernet Sauvignon, Shyraz, Zweigelt usw., welche in kleineren Mengen angebaut werden. Bei den Weissweinen sind Riesling-Silvaner und Chardonnay die meist angebauten Rebsorten. Daneben bauen innovative Winzerinnen und Winzer in kleinsten Mengen auch viele spezielle Sorten an, wie etwa Completer - eine der ältesten Rebsorten der Schweiz - Grauburgunder, Weissburgunder, Gewürztraminer etc. Die Weine aus der Bündner Herrschaft werden unter dem Namen der einzelnen Dörfer verkauft Fläsch, Maienfeld, Jenins und Malans.


Einladung zur Degustation Bündner Herrschaft am Donnerstag, 24. September 2015 um 19.30 Uhr im Landhaus Lerchenhof, Mehlsecken

Die Weine werden präsentiert und kommentiert von Hans Jakob Hunger, Jenins, Sektionspräsident Graubünden

Der Unkostenbeitrag beträgt für Mitglieder CHF 70.— und für Gäste CHF 80.— pro Person.

Die Weine, das Mineralwasser und der Imbiss am Schluss der Degustation ist im Preis eingeschlossen.

Anmeldung schriftlich bis spätestens Mittwoch, 17. September 2015 per E-Mail an: ahaller@swissonline.ch

Bitte bringen Sie Ihre Degustationsgläser mit! Für Gäste stehen Gläser zur Verfügung.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch und wünschen Ihnen einen spannenden und unterhaltsamen Abend.


Rückblick

Degustation Bündner Herrschaft mit Hans Jakob Hunger, Präsident der Bündner Weinfreunde, Jenins

Donnerstag, 24. September 2015, 19.30h Lerchenhof, Reiden/Mehlsecken

Bericht geschrieben von Theres Zimmermann


Unser Stubenmeister Alex Haller begrüsst die Anwesenden und ganz besonders den heutigen Referenten Hans Jakob Hunger aus der Bündner Herrschaft und übergibt ihm gleich das Wort.

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Hans Jakob Hunger stellt sich kurz vor und gemeinsam stossen wir an. In den Gläsern erwarten uns bereits 2 Schaumweine.

Beide Weine wurden nach traditioneller Methode in Flaschengärung hergestellt. Wobei zu betonen gilt, dass das Weingut Obrecht die Schaumweine selber produziert und nicht wie sonst üblich in der Schweiz, dem Spezialisten für Schaumweinproduktion, Paul Gasser übergibt. Beide munden.


Anschliessend gibt uns der Referent einen kurzen Überblick über die Bündner Herrschaft. Die klassische Bündner Herrschaft besteht aus den Dörfern Jenins, Malans, Maienfeld, Fläsch und verfügt über 410 Hektaren Reben. Pinot Noir dominiert mit 75%, Riesling Silvaner folg mit 10% und der Rest besteht aus einer Vielfalt von hauptsächlich weissen Sorten. Auf einer Karte, die er uns abgibt, erklärt er die Geologie der Rebberge der 4 Dörfer mit ihrer unterschiedlichen Ausprägungen von Ton, Sand und Kalk und deren Einfluss auf die Qualität des Weines. Der Wein profitiert von viel Sonnenschein und dem Föhn der durch das Rheintal bläst. Man spricht auch vom Traubenkocher, denn er fördert die Zuckerbildung in den Trauben. Dieses Klima bildet die Grundlage dafür, dass hier kräftige, lagerfähige Weine produziert werden können, die auch den internationalen Vergleich nicht fürchten müssen. So hat es Donatsch 2013 zum Weltmeister unter den Burgundern geschafft. Das warme Klima ist aber nicht nur Segen, denn viel Zucker produziert viel Alkohol und wenn gleichzeitig die physiologische Reife der Traube noch nicht eingetreten ist ergibt dies schwere, alkoholhaltige Weine mit wenig Frucht. Um das zu vermeiden braucht es Winzer die ihr Handwerk verstehen.


Es werden jetzt 3 Weissweine degustiert:

Der degustierte Lampert’s Riesling Silvaner, 2014 holte an der Grand Prix du Vin Suisse 2015 die Goldmedaille. Er gefällt auch den meisten Degustierenden sehr gut. Was bei allen drei Weissen auffällt, ist die lebendige Säure. Der Referent erklärt, dass bei all diesen Weinen kein biologischer Säureabbau (BSA), wie in der Schweiz sonst üblich, gemacht wurde. In den letzten Jahren galten die Maienfelder als Sorgenkind in der Bündner Herrschaft. Die Maienfelder haben die grösseren Betriebe und hatten es auch früh zu Rum gebracht. Lange haben sie sich dann aber nicht mehr weiterentwickelt und waren wenig innovativ. Den Anschluss haben sie aber zum Glück wieder geschafft. Das zeigen auch die vielen Auszeichnungen, die sie für ihre Weine erhalten.

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Es folgen 3 klassische Pinot Noir, Jahrgang 2014, ohne Barrique-Ausbau


Im Vergleich der 3 Dörfer kommt der Malanser bei den Meisten am besten an. Mit seinem ausgeprägten Burgunder-Stil kann er die Gaumen für sich gewinnen. Es folgen 2 Pinot Noir vom selben Winzer, einer mit Barrique-Ausbau der andere ohne

Beide Weine schneiden sehr gut ab. Der Direktvergleich zeigt sehr schön auf, wie ein guter Wein durch den Barrique-Ausbau noch veredelt werden kann. Durch das Holz baut er seine Kanten ab und wird dadurch geschmeidiger und eleganter.


Das Thema Wein und Preis macht die Runde. Der um 1 Jahr ältere Fläscher Barrique ist um Fr. 14.- teurer als der jüngere im Stahltank ausgebaute. Hans Jakob Hunger weist darauf hin, dass beim Barrique-Ausbau nicht nur zusätzliche Kosten für das Barrique entstehen, es gibt auch eine Mengenminderung durch Verdunstung und durch die längere Lagerung gelangt der Wein ein Jahr später in den Verkauf. Alles Faktoren die sich auf den Verkaufspreis auswirken.


Zum Abschluss folgen 3 Pinot Noir mit Barrique-Ausbau

Auch hier treffen wir wieder auf einen Schweizermeister, nämlich den Malanser von Wegelin. Aber beim Publikum kommt der Maienfelder auch sehr gut an. Mit seiner harmonischen Pflaumen- und Zwetschgennote und dem dezenten Barrique kann er viele überzeugen.


Das Fazit von Hans Jakob Hunger zum Schluss: Wir haben viele gute Weine degustiert, darunter auch Schweizermeister oder gar Weltmeister. Die beste Jury ist aber immer jeder für sich selbst. Schlussendlich ist der beste Wein immer der, den man nicht gerne mit anderen teilt!


Stubenmeister Alex Haller dankt dem Referenten Hans Jakob Hunger für die interessante Degustation und überreicht ihm einen Hölzler von René Wälchli aus Rothrist, gekeltert von Susi Wehrli in Küttigen. Dazu wünscht er ihm, dass er diesen mit niemandem teilen müsse. Mit grossem Applaus wird der Einsatz verdankt.

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