Vertikaldegustation Malescot-St-Exupéry

Aus Weinbruderschaft

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2009 Malescot Flasche.jpg

Anlass für Magister und Gesellen

Liebe Magister und Gesellen

Wir haben uns vor bald einem Jahr zum Ziel gesetzt, unsere Magisterarbeit mit einer Vertikaldegustation von Weinen des Château Malescot-Saint-Exupéry abzuschliessen und euch einige interessante Jahrgänge dieses Weingutes vorzustellen.

Château Malescot-Saint-Exupéry ist ein Weingut in der Appellation Margaux auf der Halbinsel Médoc. Das 23,5 Hektaren grosse Gut erhielt 1855 im Rahmen des Bordeauxwein-Klassifikation den Rang eines 3ème Grand Cru classé. 50% sind Cabernet-Sauvignon, 35% mit Merlot, 10% mit Cabernet-Franc und 5% mit Petit-Verdot bepflanzt. Die Weinberge des Schlosses sind auf kieshaltigen Böden, Schwemmland der Pyrenäen und auf tonerde- oder eisenerzhaltigen Unterböden angebaut. Während langer Zeit produzierte dieses Weingut angenehme Weine, allerdings lag das qualitative Niveau unter demjenigen der Klassifizierung von 1855. Heute kümmert sich Jean-Luc Zuger mit Leidenschaft um dieses Besitztum. Der Geschichte halber sei erwähnt, dass die Familie Zuger aus dem Kanton Zug stammt. In den letzten Jahren hat sich die Qualität regelmässig verbessert. Die Weine sind sehr fleischig, hedonistisch, und behalten dennoch diese für das Margaux typische Feinheit.

Diese interessante Degustation kann man als Nachfolge der ersten Vertikaldegustation Château Malescot-Saint-Exupéry vom Februar 1995 betrachten. Damals stellte uns Magister Ueli Aebi die Weine der Jahrgänge 1982 bis 1991 vor. Wem die Möglichkeit geboten ist, an beiden Anlässen teilzunehmen, hat die einmalige Gelegenheit zwanzig aufeinander folgende Jahrgänge der gleichen Provenienz innert eineinhalb Jahrzenten zu verkosten. Die Möglichkeit dazu, verdanken wir Ueli Aebi, welcher uns die Weine aus seinem Privatkeller zu äusserst grosszügigen Konditionen zur Verfügung stellt. Ohne diese Geste wäre eine solche Degustation zu diesem Preis nicht durchführbar.

Danken möchte ich auch bereits im Voraus den beiden Referenten für die grosse Arbeit im Rahmen ihrer Magisterarbeit

Mit weinfreundlichen Grüssen Willi Spürgin, Stubenmeister


Rückblick

Text: Ueli Aebi

Stubenmeister Willi Spürgin hat mich gebeten, "etwas" zu schreiben. "Nicht viel". Wahrscheinlich so im Stil "Lied von der Glocke: Loch in Erde, Bronze drinn, Glocke fertig, Bim, Bim, Bim". Das hat Willi natürlich nicht gesagt, aber vielleicht gedacht.

Packen wir's an!


Grosse Titel schliessen auf das ganz Besondere 2009 MuG02.jpg Schwerstarbeit beim Flaschenöffnen? 2009 MuG01.jpg


Facts: Zwei Magister haben vor, ihre "Diplomarbeit" zu präsentieren: Ruedi Baumann und Ruedi Schnelli (Selbstbenennung: Ruedi 1 und Ruedi 1.1). Gegenstand der Diplomarbeit: Weine des 3ième Grand Cru Classé Weingutes Château Malescot-Saint-Exupéry. (Sie haben Mühe mit dem Zungenbrecher? Ab zum Üben! Ich musste ja schliesslich auch!). Übrigens ein Nachbargut des weltberühmten Château Margaux im Medoc. Nach kurzer Einführung und einem weissen Apero die erste Dreiergruppe: Jahrgänge 2001, 2000 und 1999. (Für die Charakterisierung der Weine schlagen Sie am besten einen Aktions-Werbeprospekt eines Grossverteilers auf, den Sie möglicherweise kürzlich in Ihrem Briefkasten gefunden haben. Da steht wahrscheinlich bei einem beliebigen Cabernet etwas von "schwarzen Beeren, Tabak, gut eingebundenes Tannin bla bla bla….". Es wird sicher einigermassen passen). Danach erste Info zur Geographie etc. etc. etc. Zweite Gruppe mit den Jahrgängen 1998, 1997, 1996. Und so weiter. Im Wechsel mit weiteren Info und der Degustationsreihe der Jahrgänge 1995, 1994 und dem Wein ????. Abschluss mit den Jahrgängen 1993, 1992 und 1991. Es war sehr interessant und lehrreich.

Ach ja: jeder Teilnehmer musste die Weine bewerten. Und sonst? Interessant vorgetragen. Gute Power Point Präsentation. Gratulation an Ruedi 1 und Ruedi 1.1. Applaus. Dank. Geschenkübergabe. Applaus. Imbiss. Präsentation der Bewertungs-Auswertung. "Kommt gut nach Hause".

So weit mein "Etwas. Nicht viel". 2009 MuG04 HRMdekantiert.jpg Magisterarbeit - oder wie wird DEKANTIERT? 2009 MuG03 WSdekantiert.jpg

Sind Sie noch bei mir? Schön. In diesem Fall gestatte ich mir, noch ein paar ganz persönliche Anmerkungen nachzuschieben.

Natürlich gab es zum Teil gewaltige Jahrgangsunterschiede. Man darf aber Gesellen und Magistern zumuten, dass sie die (Reife-) Potenziale junger "Tanninkracher" richtig einzuordnen im Stande sind. Beeindruckend: die älteren Jahrgänge (1991/1992/1993) sind durchaus noch mit Genuss zu trinken, auch wenn sie ihren Zenith klar überschritten haben. Der Jahrgang 1994? Na ja. (Meine Notizen: "Gewöhnlich. Sollte fortgeputzt sein"). Keine Angst: ich langweile Sie nicht weiter mit Jahrgangsnotizen. Mit zwei Ausnahmen. Die erste betrifft den Jahrgang 1995: "Bouquet duftig-diskret, klassisch. Am Gaumen weich, "burgundisch", komplett, trinkreif. Langer Abgang. Ein hervorragender, klassischer Margaux. Subtil, elegant, nicht überbordend (lediglich 12% Alkohol!) Ein ganz toller Wein".

Die zweite Ausnahme betrifft den Wein "????" vulgo Jahrgang 2004, natürlich auch von Malescot-Saint-Exupéry. Diesen Wein haben die beiden Ruedis listigerweise zwischen den Jahrgängen 1993 und 1994 "blind" eingeschoben. Hier meine Notizen: "Saftig, vollmundig. Alkoholische Tanninbombe (oder tanninische Alkoholbombe?). Wo sind die subtilen Nuancen, die ihm dereinst zu Eleganz und Grösse verhelfen sollen? Atypisch. Zukunft? Alkoholgehalt: 13,5%." Brutaler habe ich selten einen Vergleich zwischen zwei Jahrgängen (hier 1995 und 2004) desselben Erzeugers empfunden: die "neue Welt" ist definitiv in Château Malescot-Saint-Exupéry (und natürlich auch in vielen anderen Bordeaux-Weingütern) angekommen. Das kann man bedauern. Aufhalten kann man diese Entwicklung nicht. Der (Welt-) Markt bestimmt die Regeln und die erfolgreichen Weinstile (Weinpapst Parker lässt grüssen).

Weinstile haben sich immer gewandelt und werden es weiterhin tun. Ist also der Stil der klassischen Bordeaux (und anderer elegant-subtiler Weine) ein Auslaufmodell? So wie ich als Liebhaber dieser Weine ein Auslaufmodell bin? Wahrscheinlich. Nein: sicher! Gott sei Dank haben sich an der Veranstaltung auch die Liebhaber der modernen "Neue-Welt-Linie" zu Wort gemeldet und "ihren" Stil vehement verteidigt. Sie werden auf Dauer Recht bekommen: meine Generation (und die klassischen Bordeaux-Weine) werden in absehbarer Zeit auf natürliche Weise abgelöst werden. Als positive Folge wird dies Chancen für charakterstarke Individualisten öffnen: Massenbewegungen bilden immer Nährböden für "Nischenplayer", die sich den grossen Trends widersetzen. Ich erwarte das auch im Bordeaux.

Ich habe selten eine solch lebhafte "Diskussions-Degustation" miterlebt. Ein totaler "Aufsteller"! Sozusagen "das i-Tüpfli" an dieser tollen Veranstaltung. Im wahrsten Sinne des Wortes ein Symposium! Sicher durch die nicht allzu hohe Zahl der Teilnehmer ermöglicht und begünstigt.

2009 MuG06 bestanden.jpg Ruedi 1 und Ruedi 1.1 : Bestanden!

Danke! Willi Spürgin: Nüüt für unguet! Es ist jetzt halt "Etwas mehr" geworden.

Auslaufmodell Ueli Aebi

PS.: Heureka! Ich habe noch ein paar Bordeaux in meinem Keller entdeckt! Klassische! Sogar Château Malescot-Saint-Exupéry Jahrgang 1995 hat's dabei!

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