Vertikaldegustation Los Vascos

Aus Weinbruderschaft

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__NOTOC__ Dieser Anlass ist den Magistern & Gesellen der Weinbruderschaft St. Martin vorbehalten (wäre vielleicht ein Ansporn für alle «Noch-nicht-Gesellen»!!!) und verspricht ein ganz besonderer Leckerbissen zu werden.

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Vor etwa 400 Jahren brachten Missionare Reben nach Chile. Mitte des letzten Jahrhunderts begannen einige Landbesitzer den Rebbau nach den im Bordelais gebräuchlichen Methoden zu betreiben. So auch die 1755 in Chile eingewanderte Familie Eyzaguirre. Ihre Weinberge liegen westlich von San Fernando auf einer südlichen Breite von 34,5 Grad, in der geschützten Senke des Colchagua Valley. Hier im trockenen, warmen Klima, das stets durch eine Brise vom Pazifik aufgefrischt wird, können die Trauben optimal ausreifen und reiche Aromen entwickeln. In Erinnerung an ihre baskische Herkunft nannten die Besitzer ihr Weingut "Los Vascos" (=die Basken).

1988 begann für Los Vascos eine neue Ära. Eric de Rothschild (Chateau Lafite) entschloss sich zu einer Zusammenarbeit mit Eyzaguirre. Dies in der festen Überzeugung, dass die für den Weinbau klimatisch günstigen Voraussetzungen in Chile, vereint mit dem Fachwissen von Lafite zu einem Spitzenresultat, zu einem Wein höchster Güte führen muss. Es wurde kräftig investiert, die Keller grosszügig erneuert und ausgebaut. Im Frühjahr 1989 wurde dann die erste Ernte unter der Aufsicht der Equipe Lafite eingebracht. Das Resultat erfüllte die hochgesetzten Erwartungen voll und ganz. Heute befindet sich der Betrieb im Besitz von Lafite Rothschild und Santa Rita. Die rund 200 Hektaren Rebland sind zur Hauptsache mit Cabernet Sauvignon (ca. 90 %), der Rest mit Sauvignon Blanc und Chardonnay bestockt.

Wir verdanken es Evelyne und Max Gloor, welche diesen Wein von Anfang an geschätzt und gesammelt haben, dass wir Ihnen am 17. Januar 2003 die Weine von Los Vascos lückenlos vom erstem Jahrgang 1989 bis 2000 präsentieren können.Vertikaldegustationen gehören in Weinkreisen zu den aufschlussreichsten Veranstaltungen. Dabei werden verschiedene Jahrgänge des gleichen Gewächses miteinander verglichen. Solche Verkostungen geben einerseits Auskunft über den Werdegang des Winzers und zeigen andererseits auf, wie sich ein Wein im Laufe der Zeit entwickelt hat.





Rückblick

Los Vascos 1989 - 2000

Notizen, Bemerkungen von Dieter Mittler

Zwölf Jahrgänge Los Vascos. «Kannst Du die bitte kommentieren», bat mich mein Kollege Andy Steiner und löste mit diesem Wunsch keineswegs eitel Freude aus. Sechsmal braune Sauce und vielleicht viermal ein anständiger Wein, dachte ich mir. Und dennoch reizte mich die Degustation: Noch nie hatte ich zwölf Jahrgänge eines chilenischen Weinguts in Serie degustiert. Chilenische Weine trinkt man schliesslich jung. Wenns gut geht, kann ja mal ein Super Premiumwein aus Chile wie etwa der «Almaviva» älter als sechs werden, und immer noch Trinkfreude bereiten.

Nun, ich habe den «verlorenen» Abend mit zwölf Jahrgängen Los Vascos weder als unschönes Erlebnis abgeschrieben, noch irgendwie bereut. Im Gegenteil!

Aufgefallen ist mir an jenem Abend insbesondere, dass keiner der zwölf Jahrgänge sich als braune Sauce präsentierte: Selbst der älteste Jahrgang, der 89er präsentiert sich noch mit schönem Rot, auch wenn erste Alterstöne sichtbar wurden (eher übrigens beim 90er als beim 89er). Insgesamt zeigte sich auch, dass Chile Unterschiede bei den Jahrgängen kennt – und diese sich in den Weinen auch offenbaren. Was meiner Meinung nach gut ist – ich mag schliesslich keinen Einheitsbrei à la australische Konfitüre.

So präsentierte sich beispielsweise der Jahrgang 1990 noch mit schöner Fülle und Harmonie, zeigte auch einen recht langen Abgang. Ein mehr als korrekter Wein – auch wenn viele Degustatoren des Abends anfänglich vom «Pferdestall-Geruch» im Bouquet etwas irritiert waren. Bereits verabschiedet hatte sich dagegen der 93er – Säure und kurzer Abgang prägten diesen Jahrgang. Elegant und mit schöner Fülle präsentierte sich dagegen der 95er, während der 96er bereits im Bouquet eine gewisse Herbe verriet. Eine neue Ära läutete der 99er ein: jung, fruchtbetont, harmonisch und dazu eine tiefe Farbe. Gefolgt vom 2000er, der bereits in der Nase eine herrliche Frucht verriet, im Gaumen dann mit Tiefe, Eleganz, aber auch frischen Beerenaromen aufwartete. Diese beiden Weine begeisterten nicht nur, weil sie (noch) jung waren. Sie zeigten auch die Handschrift eines absoluten Könners: Seit dem Jahr 2000 zeichnet der ehemalige Regisseur von Château Latour, Christian Le Sommer, für alle Weine der Domaines de Rothschild verantwortlich. Und dass dieser Mann sein Business bewies er zuvor mit manchen Latour-Jahrgang. So auch mit dem grandiosen 90er.


Und das Fazit dieses Abends? Auch wenn keiner der alten Jahrgänge von Los Vascos total enttäuschte, oder gar zum Ausschütten war: Chiles Weine der Mittelklasse sind nicht für die Ewigkeit gekeltert. Im Alter von fünf, sechs Jahren sollten sie getrunken sein – am meisten (Trink-)Freude bereiten sie zwei bis vier Jahre nach der Ernte.

Und: Es lohnt sich, die kommenden Jahrgänge zu beobachten. Ab dem Jahrgang 2000 lässt Christian Le Sommer jedes Jahr etwas mehr grüssen. Vorausgesetzt der chilenische Wettergott macht ihm bei der weiteren Qualitätsentwicklung nicht hin und wieder einen Strich durch die Rechnung.

PS: Beim Jahrgang 2001 war dies jedenfalls nicht der Fall. Ab Fass präsentierte er sich noch besser als der an diesem Abend von mir mit 88 von 100 Punkten am höchsten benotete 2000er.


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Stubenmeister Willi Spürgin führt die Tafelmeisterin Romy Holenstein in die Geheimnisse des Flaschenöffnens ein, derweil Referent Dieter Mittler die Jahrgänge sortiert und in die Reihe stellt...


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Evelyne und Max Gloor haben über Jahre einige Flaschen Los Vascos in ihrem Keller gehütet und ermöglichten die Jahrgangsdegustation Los Vascos 1989-2000. Andreas Steiner, Rotkreuz, ist die offizielle Schweizer Vertretung der Domaines Barons de Rothschild und ermöglichte in Zusammenarbeit mit Evelyne und Max Gloor sowie dem Referenten Dieter Mittler einen interessanten Quervergleich über 11 Jahrgänge.

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