Ungarische Weine

Aus Weinbruderschaft

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Liebe Weinfreunde

Der Sommer lässt grüssen mit einem neuen Temperatur-Rekord! Für uns Menschen laufen bei dieser Hitze die Klimaanlagen auf Hochtouren und die Rebbauern müssen die Trauben regelmässig beobachten und pflegen. Bewässern hilft jedoch wenig, wenn die Reben mit einem scheinbar unreinen Spritzmittel behandelt werden und Missbildungen der Gescheine daraus resultieren. Die Schadensermittlung ist im vollen Gange und es wird sich erst bei der Traubenlese im Herbst zeigen, wie gross der Ausfall tatsächlich ist. Aber lassen wir uns nicht entmutigen, es wird sicher wieder einige gute Tropfen Wein zum Geniessen im nächsten Jahr geben.

Anfangs Juni reisten Gesellen und Magister in einem bis zum letzten Platz gefüllten Bus ins Kloster Einsiedeln und ins Weinbaumuseum Au. Unter der kundigen Führung von Reini Bachmann war dies ein sehr erfolgreicher und nachhaltiger Anlass. Einen Rückblick auf diesen gelungenen Ausflug finden Sie auf unserer Website: [1]

Nur eine Woche später reiste unser „Räuschling-Team“ nach Bern zum Coupe ANAV Finale. Das Dreierteam beantwortete wiederum Fragen und beanspruchte ihre Sinnesorgane bei der Wein Verkostung. Unser Zofinger Team schlug sich hervorragnend und belegte am Schluss den 5. Platz. BRAVO! Der Stubenrat gratuliert dem erfolgreichen Team recht herzlich.

Ende Juni trafen sich - leider nur eine kleine Schar - Weinfreunde und Gäste im Waldhaus Schönenwerd zum Sommerfest. Die Sonne brannte auf unser Haupt und die Bachfisch-Örgeler lockten aus ihren Schwyzerörgeli wunderbare lüpfige Melodien. Bei geselliger Grillade und schönen Weinen verging die Zeit wie im Fluge. Beinahe hätten wir das Dessert-Buffet des Stubenrates verpasst.

Nun halten sie die Einladung zur Magisterarbeit von Urania und Laszlo Balatoni in den Händen. Die beiden Magister führen uns durch einen sicher sehr spannenden Abend. Lassen sie sich entführen in die wenig bekannten Rebbaugebiete Ungarns.


Ungarische Weine

Ungarn hat eine sehr alte Weinbau-Kultur. Die Weine aus Sopron und Eger waren schon im 13. Jahrhundert ein Begriff. Die Griechen führten den Weinbau in Ungarn von Südosten her der Donau aufwärts und die Römer von Westen her über die pannonische Ebene bis zum Plattensee ein. Entscheidend mit der Wein-Geschichte Ungarns verbunden ist der berühmte Tokajer. König Béla IV. (1235-1270) holte Italiener ins Land, die den Furmint mitbrachten. Nach der Reblaus-Katastrophe und den beiden Weltkriegen wurde die Weinproduktion auf Massenweine ausgelegt! Seit den politischen Umwälzungen des Jahres 1989 und der Neugründung des Weinbauverbandes geht es mit dem Weinbau aber wieder aufwärts. Vor allem mit den zahlreichen westlichen Unternehmen, die kräftig investieren. Sektkellereien, Weinhändler, Bordelaiser Chateaux und Top-Winzer halten heute die renommiertesten Betriebe. Heute wachsen - verteilt über ganz Ungarn - auf 22 anerkannten Rebbaugebieten ca. 80‘000 ha Reben. Dies entspricht ca. 1 % der weltweiten Rebbaufläche. Ungarn ist ein typisches Weissweinland. Ca. 40 weisse Traubensorten gedeihen auf drei Viertel der Rebfäche. Der Olaszriesling (Welschriesling) ist die meistangebaute weisse Sorte. Der säuerliche Furmint, der duftige Hárslevelü, der kräftige Kéknyelü (Blaustiel), der würzige Sargamuskotaly (Gelber Muskateller) und der Szürkebarát (Pinot Gris) sind weitere bekannte weisse Rebsorten. Auf einem Viertel der Rebfläche werden ca. 50 rote Traubensorten angebaut. Die wichtigste rote Sorte ist Kékfrankos (Blaufränkisch). Weitere sind Kadarka, Kékoporto (Blauer Portugieser), Nagyburgundi (Pinot Noir), Médoc Noir (Merlot) und Cabernet Sauvignon. Dies und noch viele weitere interessante Informationen und vor allem vielversprechende Weine werden uns Urania und Laszlo Balatoni in ihrer Magisterarbeit präsentieren. Regelmässig reisen sie nach Ungarn und suchen nach neuen Wein Trouvaillen, welche sie uns vorstellen möchten.

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Einladung zur Degustation Ungarn am Mittwoch, 26. August 2015 um 19.30 Uhr im Hotel Zofingen, Zofingen

Die Weine werden präsentiert und kommentiert im Rahmen der Magisterarbeit zum Magister Vini von Urania und Laszlo Balatoni, Brittnau

Der Unkostenbeitrag beträgt für Mitglieder CHF 60.— und für Gäste CHF 70.— pro Person.

Die Weine, das Mineralwasser und der Imbiss am Schluss der Degustation sind im Preis eingeschlossen.

Anmeldung schriftlich bis spätestens Mittwoch, 19. August 2015 per E-Mail an: ahaller@swissonline.ch

Bitte bringen Sie Ihre Degustationsgläser mit! Für Gäste stehen Gläser zur Verfügung.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch und wünschen Ihnen einen spannenden und unterhaltsamen Abend.


Rückblick

Magisterarbeit Urania & Laszlo Balatoni, Brittnau

Mittwoch, 26. August 2015, 19.30h Hotel Zofingen, Zofingen

Bericht geschrieben von Theres Zimmermann

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Unser Stubenmeiser Alex Haller begrüsst alle Anwesenden, ganz besonders den ANAV Präsidenten Claude Hofstetter, die beiden Referenten Urania & Laszlo Balatoni und jene Gäste die zum ersten Mal an einer Veranstaltung der Weinfreunde dabei sind. Nach einer kurzen Einführung ins Thema Weinland Ungarn, welches ca. 20% mehr Einwohner als die Schweiz aber rund 6 x so viel Rebenfläche besitzt, übergibt er das Wort den beiden angehenden Magister Vini damit sie uns in den nächsten 2 Stunden das Weinland Ungarn näher bringen können. Urania Balatoni begrüsst die Anwesenden und bekundet ihre Freude über die vielen interessierten Gäste. Sie erläutert kurz den Ablauf. Laszlo Balatoni führt uns durch die einzelnen Theorieblöcke und Urania Balatoni lockert diese mit Degustationsserien auf.

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Geschichte

In Ungarn wird Wein bereits seit der Antike angebaut. Der älteste archäologische Funde, der auf Weintrauben hinweist stammt aus dem Jahr 1300 v. Chr.. Die griechische Weinkultur wurde in der Antike über die Donau verbreitet und auch die Römer kelterten auf dem heutigen Gebiet Ungarns in Pannonien Wein. Im Mittelalter war der Wein aus Sopron (Ödenburg) und Eger (Erlau) in Europa sehr beliebt. Im Jahr 1000 wurde das Königreich Ungarn gegründet. Mit der Herrschaft Stephans I. begann die Christianisierung des Landes wobei der Bedarf der Kirche an Messwein den Weinbau stark belebte. Im 13. Jahrhundert, nach der Verwüstung grosser Gebiete durch die Mongolen wurden deutsche, wallonische und Italienische Siedler nach Ungarn geholt und mit ihnen kamen auch neue Rebsorten wie etwa, die heute noch wichtigste einheimische Sorte Furmint. Den Höhepunkt erreichte die ungarische Weinkultur im 15. Jahrhundert unter König Matthias. Ungarn gehörte damals zu den bedeutendsten Weinherstellern Europas. Unter der 150-jährigen Türkenherrschaft wurde die Weinproduktion als Einnahmequelle noch geschätzt aber die Entwicklung blieb stehen. Im 19. Jahrhundert ruinierte dann die Reblaus 75% der gesamten Weinbauflächen. Erst nach den beiden Weltkriegen im letzten Jahrhundert unter dem Kommunismus wurde wieder vermehrt Wein angebaut. Allerdings wurde dabei mehr Wert auf Quantität als auf Qualität gelegt. Erst mit der Neugründung des ungarischen Weinverbandes 1989 wurde ein Richtungswechsel eingeläutet. Seither sind qualitativ hochstehende Weine wieder stark im Vormarsch.

Klima

Das vom Gebirge abgeschirmte Karpatenbecken bietet ein trockenes Kontinentalklima mit kalten Wintern und warmen Sommern. Im Frühsommer sind die ergiebigsten Niederschläge zu verzeichnen. Die Niederschlagsmenge nimmt generell von Westen nach Osten ab. Der Herbst fällt in der Region wärmer aus als in vielen Teilen Kontinentaleuropas, und bietet so gute Voraussetzungen zum Anbau aromatischer weisser Rebsorten. Aber auch die Roten profitieren von diesem Klima, so können Rebsorten wie Cabernet Franc, Merlot und Cabernet Sauvignon noch vollständig ausreifen.

Flüsse und Seen

Die Donau, als längster Fluss in Ungarn verläuft zunächst als Grenzfluss zwischen Ungarn und der Slowakei und erreicht das Donauknie bei Visegràd. Sie fliesst dann von Norden nach Süden durch Budapest und verlässt Ungarn Richtung Serbien. Ihre Spritztour durch Ungarn berührt sieben Weinbaugebiete, die sie alle positiv beeinflusst. Der zweite Hauptfluss ist die Theiss, die das Land im Nordosten aus der Ukraine kommend erreicht und im weiteren Verlauf östlich parallel zur Donau nach Süden fliesst, um schliesslich in Serbien in die Donau zu münden. Sie berührt zuerst das Tokaj-Gebiet und weiter im Süden Kunsàg. Der Plattensee (Balaton) im hügeligen Westungarn ist nicht nur der grösste See Ungarns sondern auch Mitteleuropas. Neben der Hauptstadt Budapest ist er das grösste Tourismusmagnet des Landes, vor allem wegen seiner Strände und Thermalquellen. Um den Plattensee herum befinden sich drei, nicht sehr grosse aber wichtige Weinanbaugebiete die vor allem der Weissweinherstellung dienen.

Weinanbaugebiete und Anbauflächen

Auf einer Gesamtfläche von 80’200 ha werden 60’054 ha Weisswein und 20’146 ha Rotwein angebaut. Ungarn ist somit ein klassisches Weissweinland, doch auch die Roten haben es schon längst zur absoluten Spitze geschafft. Die Gebiete werden in 22 anerkannte Regionen mit 90 Weiss- und 28 Rotweinsorten unterteilt. Kaum ein Land weist eine so vielgliedrige Anbaustruktur vor. Kunsàg, als grösstes Gebiet mit 25’935 ha befindet sich in der grossen Tiefebene zwischen Donau und Theiss mit sandigen Böden. Hier entsteht ein Alltagstropfen, der aber durchaus Potential haben kann, wie bekannte Produzenten (z.B. Frittmann) schon bewiesen haben. Zu den prominentesten Gebieten gehören heute das UNESCO geschützte Tokaj, Eger (Erlau), die südlichste Weinregion Villány und die 3 Regionen am Plattensee (Badacsony, Balatonfüred-Csopak, Balatonboglàr) die hier kurz erläutert werden.

Die wichtigsten Traubensorten

Weisse Traubensorten:

Rote Traubensorten:

Tokaj

Tokaji ist das ungarische Wort für die Stadt Tokaj und das Anbaugebiet des berühmten gleichnamigen Weines im Zemplengebirge. Der Legende nach soll der üppige Tokaji Aszù zufällig aus edelfaulen Trauben entstand sein. Mittlerweile ist aber bewiesen, dass er im Jahr 1650 durch den Kaplan Szepsy der Familie Ràkoszi methodisch in deren Weinberg Oremus entstanden ist. Es war der erste Wein, der bewusst aus edelfaulen Trauben bereitet wurde. Die Voraussetzungen für Edelfäule sind in Tokaj gegeben. Die Edelfäule entsteht wenn sich der Schimmelpilz Botrytis cinerea auf den reifen Beeren der Weintraube niederlässt. Dies wird durch die geographische Lage und das Klima begünstigt. Die Flüsse Bodrog und Tisza (Theiss) fliessen an der Südspitze der Zemplengebirgskette zusammen. Die warmen Winde aus der Ebene werden von den Bergen aufgehalten und die beiden Flüsse sorgen für Nebel - Verhältnisse die das Entstehen des Botrytis-Pilzes begünstigen.

Puttonyos (Butten)

Der Süssegrad des Tokajers wird traditionell mit Puttonyos angezeigt. 1 Puttonyos entspricht einem Mass von 20 Kg Aszù (mit Botrytis cinerea befallene Trauben). Wenn diese Menge einem 137-Liter-Fass Grundwein zugegeben wird, ergäbe es einen Tokajer mit 1 Puttonyos. Bei 3 Puttonyos werden 3x20 Kg Aszu den 137 Liter Grundwein beigegeben. Neuerdings setzt sich aber auch die Angabe in Gramm Restzucker pro Liter durch.

Kulinarisches

Die Ungaren lieben gute deftige Gerichte wie, gegrilltes Fleisch mit viel Zwiebeln, gebackene Ente, scharfe Gulaschsuppe, Wildschwein und Fasan, Paprikasaucen und Fischspezialitäten aus dem Plattensee. Es versteht sich von selbst, dass dazu ein feiner Tropfen aus der Region nicht fehlen darf.

Degustation / Weingüter

Bock , Villàny

József Bocks bereitete seinen ersten selbständigen Wein im Jahre 1981 und entschied sich künftig den Weinbau als Hauptbeschäftigung auszuüben. Sein Wein ist in Ungarn populär und sein Name in der ungarischen Weinkultur ein Begriff. Das Gut umfasst 75 Hektar und wurde von seinem Vater gegründet welcher 1958 die der Familie entwendeten Gebiete zurückkaufte. Seit 9 Generationen ist die Familie mit Weinbau beschäftigt.

Weingut Garamvàri, Vinarium

Das Garamvàri Wein-Anwesen ist ein Familienunternehmen mit Erfahrung aus mehreren Jahrzenten. Vinarium wurde 1990 gegründet und brachte es innert kurzer Zeit zu Spitzenweinen. 1993 wurde das Weingut mit dem Zukauf verschiedener Parzellen im Gebiet Balatonlelle enorm vergrössert. 1996 erweiterte die Familie ihr Angebot mit traditionell hergestellten Schaumweinen nach „Champagner-Methode“ die in einem dazugekauften Keller in Budafok produziert werden.

Varsányi , Eger

Die Varsànyi Kellerei wurde im Jahre 1990 von einer Weinbauernvereinigung gegründet. In einen modernen Betrieb werden gute Qualitätstrauben mit neuester Technologie vinifiziert. Drei Weine wurden zu Ehren der drei Töchter, die als Grazien auf den Ettiketten abgebildet sind, geschaffen. Für Gabriella ein Chardonnay, für Judit ein Merlot und für Katalin den Egri Bikavèr.

Konyàri, Balatonlelle

Das Konyàri Weingut am Südufer des Balatons und ist eines der bekanntesten Ungarns. Die Trauben reifen auf 40 ha an bester Lage (Kishegy, Öreghegy, Szárhegy, Bánomhegy, Jánoshegy, Sinai-hegy). Im Jahr werden rund 220’000 Flaschen abgefüllt. Das Traubengut wird mit der „Gravitationstechnologie” verarbeitet. D.h. Die Trauben werden nicht gepresst, sondern durchlaufen den gesamten Gärungsprozess mit ihrem Eigengewicht. Es werden keine Pumpen und keine mechanischen Kräfte verwendet. Auf diese Weise werden Farbe, Aroma und Tannine in weichen Noten weiter gegeben. Diese Methode ist nicht neu. Sie wird bereits seit 1888 im australischen Barossa Valley, also seit über 100 Jahren praktiziert.

Degustierte Weine

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Zum Apéro

Weissweine

Rotweine

Süsswein


Alex Haller bedankt sich bei Urania und Laszlo Balatoni und das Publikum bestätigt mit einem kräftigen Applaus den erfolgreichen Magisterabschluss. Alex Haller überreicht den beiden als Anerkennung für ihre Leistung das obligate Zinntellerli.

Im Anschluss können wir die bereits degustierten Tropfen zusammen mit einem feinen „ungarischen Gulasch“ geniessen. Dabei erleben wir den Wein nochmals mit anderen Facetten.

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