Tessiner Weine

Aus Weinbruderschaft

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__NOTOC__ Mit einer Rebfläche von 1037 ha (2007) ist das Tessin die viertgrösste Rebbauzone der Schweiz. Die Weinberge reichen von Giornico bis Chiasso und erstrecken sich auf einer Distanz von 65 km Länge und bis zu 40 km Breite. 96 % der Reben sind europäische Edelsorten und 4% sind Vitis americana.

Die Rebbauzone Tessin teilt sich in zwei geologische Gebiete auf:

Im Sopraceneri (nördlich des Ceneri) finden wir alpine Böden mit Gneis und Paragneis. Die Böden sind sandig, sauer und mager. Die Rotweine haben eine gute Struktur und sind charaktervoll, die Weissweine sind sehr aromatisch.

Im Sottoceneri (südlich des Ceneri) finden wir präalpine Böden, mit Gletscher-Schiebegestein, stellenweise Lehm, Kalk sowie einigen eruptiven Sedimenten. Diese etwas schwereren Böden sind alkaliner, aber ebenfalls mager. Die Rotweine sind voluminös und zeigen Schmelz, die feinen Weissweine haben einen guten Nerv.

Klimatisch bietet das Tessin eine äusserst variierte Gegend. Einerseits können sehr ergiebige Niederschläge (gar Hagel) bis zu 2000 mm/m2 und pro Jahr fallen, andererseits ist die Sonnenscheindauer mit fast 2'300 Stunden/Jahr sehr hoch und macht das Tessin zur Sonnenstube der Schweiz. Sie beschert dem Gebiet eine hohe Durchschnittstemperatur von 12° C. Der früh reifende Merlot ist die Hauptrebsorte (85 %) und ist für diese Zone am besten geeignet.




Rückblick

Stubenmeister Alex Haller konnte zum dritten Highlight der Veranstaltungs-Saison den berühmten "Weinpapst" aus Ascona Urs Mäder begrüssen

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Das Tessin ist allen hinlänglich bekannt. Wer Tessin denkt, denkt an Ferien, Wärme, Sonnenschein, sympathische Leute, malerische Landschaften, gutes Essen, feine Weine und natürlich Stau am Gotthard! Schon mehrere Male haben sich die Weinfreunde Zofingen mit den Tessiner Weinen näher auseinandergesetzt, sei es auf äusserst interessant geführten Reisen, sei es an diversen Kongressen und Anlässen. Doch gilt es immer wieder Neues zu entdecken.

Urs Mäder, ein quirliger Deutschschweizer, der seit 1993 in Ascona seine Philosophie lebt, hatte seinen angestammten Beruf als Spezialist für Finanzielle Kommunikation aufgegeben, um sich mit Leib und Seele dem Tessiner Wein zu verschreiben. Er ist einerseits selbständiger Weinhändler und andererseits Verantwortlicher der Tessiner Weinbaufachstelle. Es war und ist ihm sehr sehr wichtig, dass auch kleinere Weinbauern mit vorzüglichen Weinen ebenfalls Marketing-mässig in ein vorteilhafteres Licht gerückt werden können. Denn meist widmen sich diese engagierten Winzer in erster Linie ihren Weinen und vernachlässigen dabei oft das ebenso wichtige Marketing um ihre Produkte. Ohne Marketing kein Verkauf!

So hat sich Urs Mäder als "Trudy Gerster des Tessins", wie er sich selbst bezeichnete, unter anderem auch auf die Socken gemacht und tourt nun von ANAV-Sektion zu ANAV-Sektion, um Tessiner Weine vorzustellen oder zu promoten, wie dies auf Neudeutsch heisst. Oder viel einfacher, uns alle an seiner Feuer und Flamme Begeisterung teilhaben zu lassen!

Die Auswahl ist gross - die Erwartungen ebenfalls!

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... doch die Palette kann sich sehen lassen!

Weinbaukanton Tessin

Mit viel Hintergrundwissen stellt er den Weinbaukanton und die mitgebrachten Weine vor. Mit 1'040ha Rebfläche ist der Kanton Tessin schweizweit der viertgrösste Weinbaukanton. Die Hauptrebsorte ist mit 86% eindeutig Merlot, die restlichen 14% sind diverse Rot- und Weisswein-Sorten , wie Pinot Noir, Gamaret, Cabernet Sauvignon, Syrah, Cabernet Franc, Chardonnay, Chasselas, Sauvignon, Sémillon sowie die heimischen Bondola, Americana (Chatzeseikeler) und weitere. Im Tessin gibt es ungefähr 30 hauptberufliche und 3'500 nebenberufliche Winzer, die letzteren haben durch das Römische Erbrecht von Generation zu Generation ein Stück des Familien-Rebberges geerbt. Diese Zerstückelung bringt auch grosse Nachteile, denn mit ein paar Quadratmetern Rebfläche lässt sich kaum ein eigener Wein bereiten. Dazu kommt, dass die Kellerei-Einrichtungen eine kostspielige Angelegenheit ist, so dass die meisten nebenberuflichen Winzer ihre Trauben einem hauptberuflichen verkaufen.thumb


Die Merlot-Traube hat eine ganz besondere Geschichte im Tessin. Wie aus Handelsdokumenten in Venedig ersichtlich ist, kannten die Weine aus dem Tessin bereits 1750-1800 Weltruf. Aber als im Jahr 1876 die Reblaus die Reben zerstörte, lag der Weinbau völlig danieder. 1901 beschloss dann der Grosse Rat des Kantons Tessin, dass im Weinbau mehr Forschung betrieben und neue Rebsorten angepflanzt werden sollen. Ein Dottore Alderige Fantuzzi hatte in Mezzana diese Forschungsarbeiten zu leiten, um die besten Rebsorten zu evaluieren. Fantuzzi und seine Leute hatten festgestellt, dass Merlot "eindeutig und signifikant die geeignetste Rebsorte sei" und 1912 hatte der Staatsrat beschlossen, dass diese Rebsorte im Tessin angepflanzt werden soll. Ein wahrlich weiser Entscheid! Seither spielt Merlot die erste Geige im Kanton.


Weine und ihre "netten" Geheimnisse

Merlot war bis anfangs 1980 meist ein "netter Landwein", der nostalgisch-touristisch in Boccalini(!) ausgeschenkt wurde. Nach alten Traditionen produzierten einige Winzer, auch solche die aus Norditalien kamen, an sich gute Weine. Das milde mediterrane Klima, die fetten Böden, die "Nettigkeit" der Natur und die südliche Mentalität standen Pate. Doch wäre Merlot wahrscheinlich ein einfacher Landwein geblieben, hätten sich nicht Reformen rund um den Weinbau angekündigt. Reformen kommen meist aus dem Norden, da kühleres Klima, magere Böden und kapriziöse Launen der Natur die Winzer stärker herausfordern und von ihnen mehr abverlangt. Einige Deutschschweizer Oenologen sind denn auch in den 80er Jahren ins Tessin gezogen und haben, wie die Stuckis, Hubers, Kaufmanns, Zündels und weitere, die guten Bedingungen genutzt um noch gehaltvollere, noch elegantere Weine zu produzieren, was bei den Einheimischen nicht nur helle Begeisterung auslöste und verschiedene Querelen vorprogrammiert waren. Doch heute gibt ihnen der grosse Erfolg recht und vorzügliche Weine werden im stilvollen Kristallglas serviert. Tessiner Weine sind wieder Weltklasse! Etwas über zwanzig Jahre ist es her, als findige Köpfe den "Bianco di Merlot" erfunden haben, welcher nicht mit dem Merlot Bianco (Rebsorte) zu verwechseln ist. Die Trauben von jungen Reben (bis 7 jährige), die an sich "dünne" Weine geben, sowie eine Frühlese an alten Rebstöcken bewirkt, dass in der letzten Phase der Traubenreife die Rebstöcke einerseits entlastet und die Rotweine andererseits dann gehaltvoller werden lässt. Die so gewonnenen blauen Trauben werden wie Weissweine gekeltert. Es entsteht der Bianco di Merlot, ein filigraner süffiger trockener Weisswein, der inzwischen viele Liebhaber im In- und Ausland gefunden hat. Eine geniale Erfindung mit zwei Fliegen auf einen Klatsch!


Urs Mäder ist buchstäblich Feuer und Flamme für die Tessiner Weine und kennt natürlich auch die Produzenten persönlich. So zeichnete er nebst den Weinen auch immer ein erklärendes Bild der Winzer, deren Hintergrund und Werdegang. Die sorgfältig ausgesuchten Weine waren, ausser dem Süsswein, alles DOC Ticino Weine. Die Degustation eröffnete er mit zwei Bianco di Merlot "Terre Alte" von Gialdi Vini und "Corteglia" von Mauro Ortelli. Dann folgten die Merlot del Ticino DOC "Tre Terre" von Chiodi Vini und "Beatrice" von Cormano Vini, die im Stahltank ausgebaut wurden und sehr klassisch wirkten. "Poggio del Cinghiale"von Francesco Franchini, "Muscino" von Domingo Rubio, "Terrenobili Riserva" von Tamborini Vini und "Rubro" von Valsangiacomo Vini, sind alles Merlots, welche in Barriques ausgebaut wurden und zu den Merlot superiori zählen. Diese sind allesamt sehr positiv angekommen und begeisterten echt. Gefällig auch das Cuvée "Riserva Tiziano" von Vini Delea ebenfalls in Barriques ausgebaut. Als Dessertwein wurde "Afrodite" der Aziende La Costa kredenzt, der eher einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterliess. Es war eine hochkarätige Bereicherung ein paar Trouvaillen aus der grossen Palette der Tessiner Weine im Glas vorzufinden und verkosten zu können. Entscheidend und etwas sehr Wichtiges gilt es zu vermerken: Diese Schweizer Weine sind aus hochstehendem Handwerk entstanden und die Kaufpreise relativ hoch. Doch die Qualität darf sich sehen lassen und braucht selbst internationale Vergleiche keineswegs zu scheuen.

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Merlot ist ja auch eine der Haupt-Rebsorten des Bordeaux und weltberühmte Merlot-Weine aus dem St-Emilion haben Spitzenpreise von (unverschämter) Höhe erreicht, wie Figura z.B. bei Château Pétrus und vielen andern zeigt - Qualität und Nachfrage haben ihren Preis! Doch letztendlich ist es jedem Weinfreund selbst überlassen, seine Lieblingsweine für sich zu entdecken, sei es übers Portemonnaie oder aber noch viel besser über Nase und Gaumen!

Urs Mäder hat mit seiner sympathischen Art, seinem fundierten Wissen und seinen begeisterten Ausführungen den Funken überspringen lassen. Das Tessin ist uns noch viel näher gekommen und noch viel viel sympathischer geworden! Ganz herzlichen Dank Urs Mäder - es war ein toller Anlass! Der lang anhaltende Applaus sprach für sich...

... der Feedback der Teilnehmer: "Tja - wir werden mal wieder so hervorragenden Merlot del Ticino geniessen! Es lohnt sich wirklich, denn es ist ein echtes Highlight!

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