Tempranillo

Aus Weinbruderschaft

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Liebe Weinfreundinnen und Weinfreunde

Ich freue mich sehr, dass wir für diese Degustation einen so hochkarätigen Referenten verpflichten konnten. Martin Wiederkehr hat nach einer Winzerlehre die Fachhochschule Wädenswil besucht und als Ingenieur FH, Fachrichtung Oenologie/ Getränke abgeschlossen. Während mehreren Jahren wirkte er als Kellermeister Sektion Weinbau an der Eidgenössischen Forschungs-anstalt für Obst.- und Weinbau, Wädenswil, wo er als Leiter der Versuchskellerei sich mit der Entwicklung und Prüfung neuer Kelterverfahren und Weintechnologien (Ganztraubenpresse, Maischebearbeitung, Hefeprüfung, Sortenprüfung, Flaschenmaterial (Glas, Pet), Lagerfähigkeit beschäftigte.

Heute ist Martin Wiederkehr in der Privatwirtschaft tätig. Als Mitglied der Geschäftsleitung ist er bei der Howeg Prodega AG u.a. für den Bereich Cave & Marketing verantwortlich. Unser Referent ist also ein ausgewiesener Fachmann der alles um das Thema Wein, von der Rebe, über den Rebberg, den Keller und Ausbau bis hin zur Vermarktung, aus dem Effeff beherrscht. Daneben ist Martin Wiederkehr auch Mitglied der ANAV. Als Vorstandsmitglied und Weinmagister der Sektion Ufnau, ist er n.a. für die Degustationen zuständig.

Gründe genug schon jetzt gespannt dem 26. April entgegenzusehen, um dann mit vielen von Ihnen eine interessante, vielversprechende Degustation zu erleben.

Mit herzlichen Grüssen

Ihr

Willi Spürgin






Inhaltsverzeichnis

Tempranillo - Die Edle und unbekannte Schöne!

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Liebe WeinfreundInnen

Ich darf Ihnen eine Traubensorte vorstellen, welche ich persönlich als eine der interessantesten und sicherlich vielfältigsten halte und welche Sie in ihrer Eigenart sicherlich schon einmal in einem "Rioja" oder einem "Ribera del Duero" kredenzt haben! Es handelt sich hierbei um die ursprünglich nur in Spanien beheimatete Traubensorte Tempranillo. Ampelographisch ist nur schon die Vielfalt der Synonyme eine Geschichte für sich selbst, wird doch die Rebsorte in jedem Landesteil in Spanien wieder anders benamst.

Von "Ull de Llebre" im Katalonischen über "Cencibel" bis hin zum portugiesischen "Tinta Roriz" findet man diese Rebsorte in vielen Variationen in den Weinen wieder. Der Tempranillo gilt als eine der Ursorten in Spanien und hat viele Ähnlichkeiten mit der in Weinbau und Weinbereitung fragilen Sorte Pinot Noir.

Der Gesprächsstoff ist somit vorprogrammiert und umso interessanter werden sicherlich die Diskussionen werden, welche wir über dieses Thema miteinander führen dürfen. Ich freue mich schon vorab auf ein zahlreich erscheinendes Publikum und garantiere dafür, dass die Degustation (evtl. mit einer kleinen Überraschung!) Ihnen noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Martin Wiederkehr


Rückblick

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Martin Wiederkehr, der sympathische Referent, ein hochkarätiger Oenologe und Weinfachmann - er leitete selber mehrere Jahre einen Weinbaubetrieb in Spanien - ist auch ein begeisterter Verehrer der "unbekannten Schönen". Tempranillo ist seiner Meinung nach die Antwort auf Cabernet Sauvignon und eine höchst delikate, "schwierige" Rebsorte, die in ihrer Art sehr gut mit dem Pinot Noir vergleichbar ist. Deshalb auch die grosse Faszination. Tempranillo ist das Markenzeichen schlechthin für Rioja-Weine und das ganze Renommé der hochkarätigsten spanischen Weine ruht auf ihr.


Geschichte / Geografie

Die Herkunft der Rebsorte ist ungewiss, doch dürften auf dem Jakobsweg die Pilger (Mönche aus dem Burgund?) die Rebe eingeführt haben. Der Name kommt vom spanischen temprano, was "früh" bedeutet. Die Tempranillo-Beeren sind ungefähr zwei Wochen früher reif als Garnacha oder Cabernet Sauvignon in gleichen Lagen. Die Hauptanbaugebiete dieser alten Rebsorte sind Spanien und Portugal. Tempranillo hat viele Namen wie: Tinta del País, Tinto Fino, Aragonés, Tinta Roriz, Tinta de Toro, Ojo de Liebre, Valdepeñas und Tempranilla. Sie ist die Hauptsorte des Rioja, wo sie mit Garnacha und Mazuelo vermählt wird, aber auch reinsortig als Crianza, Reserva oder Gran Reserva (alle im Holzfass (barriques) gelagert) wie auch als Bestandteil des Porto anzutreffen ist. Da es sich um eine "schwierige Rebsorte" handelt, ist die Verbreitung der Sorte weltweit an sich eher moderat.


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Vorbereitung, Auswahl der Reihenfolge und Vorkosten ... oder nach getaner Vorbereitungs-Arbeit auch ein Gläsli Wasser mit einem Lächeln...


Weinbau / Weinausbau

Tempranillo hat dickschalige Beeren, ist wenig fäulnisanfällig, liebt kalkhaltige Böden und erzeugt dunkle, duftig-fruchtbetonte Weine mit kräftigem Rückgrat und relativ tiefem Alkoholgehalt. Elegante Weichheit und süsse Tannine durch den Ausbau im Holzfass, lassen die Jungweine schon früh gefallen. Ein grosses Reifepotenzial ist dennoch vorhanden. Als Klima bevorzugt sie die nördlichen Gegenden Spaniens. Die Selektionen der teils 80-100 jährigen Weinstöcke waren alles andere als "modern" - ein Rebbauer gab sie dem andern weiter - und so entstanden selbst innerhalb der einzelnen Rebparzellen sehr grosse Unterschiede. Die Stöcke werden im Busch- oder Drahtbau gezogen. Die Trauben können walzenförmig rund und gedrungen wie auch lang und relativ locker sein, was aber nicht ausschlaggebend für die Qualität ist, denn vielmehr sind es Lage (10 bis 1000 m ü.M), Bodenbeschaffenheit, Klima und Ausbau. Da Wasser vielerorts Mangelware ist und die Rebstöcke ihre Nahrung durch bis zu 9m tiefe Wurzeln beschaffen, ist meist auch der Ertrag pro Quadratmeter eher bescheiden, die Reichhaltigkeit und Fülle der Aromen jedoch umso höher. Die Beeren sind äusserst anfällig auf Ueberreife, was Verlust der Fruchtigkeit, Säure und Komplexität der Aromen bedeutet. Das Zeitfenster für die optimale Lese ist klein!

[[Image:2007_TempranilloDiskussion.jpg ... und die angeregte Diskussion in vollem Gange


Weintypen

Seit rund fünfzehn Jahren erfährt die Qualität der spanischen Weine allgemein eine enorme Steigerung. Diese ist auf die Intervention der EU zurückzuführen, die mit Subventionsgeldern in Form von Oenologiebeiträgen den Rebbauern schmackhaft macht, die Weine auf dem Weingut zu pflegen und in Flaschen, statt en vrac, zu vermarkten. Mit der Steigerung der Qualität geht auch eine teils massive Steigerung der Preise einher, was den Verdienst der Rebbauern direkt beeinflusst und Spaniens Weinwirtschaft sehr erträglich zugute kommt. Alle Qualitätsweine werden in Barriques ausgebaut und eingeteilt in: "Crianza" 12 Monate im Fass und 12 Monate in Flaschen, "Reserva" 18-24 Monate im Fass und 12-18 Monate in Flaschen und "Gran Reserva" 36 Monate im Fass und 12-24 Monate in Flaschen gelagert, bevor sie auf den Markt kommen. In jeder Region wacht der Consejo Regulador über die Einhaltung der Weingesetze in den heute 68 Denominación de Origen-Gebieten.

Geheimnis

Die höchst anspruchsvolle und professionell geführte Weinprobe liess unzählige facettenreiche Eindrücke und Empfindungen aufkommen. Weine, die sich in ziegelroter bis tiefdunkler Robe zeigten, in der Nase meist fruchtig-angenehm, im Gaumen rund, elegant, aromatisch und füllig daher kamen und im Abgang geschmeidig wie auch lang anhaltend. Sehr beeindruckend war, dass alle eine gemeinsame Identität hatten - und hierin liegt das grosse Geheimnis. Der preisgünstige wie der teure Wein - alle haben sie dieselbe edle Tempranillo als Basis - und jeder erkennt ihn als "Spanier" schlechthin! Ein echtes Phänomen.

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Dank

An dieser Stelle möchte der Stubenrat wie auch alle Teilnehmer des Anlasses Herrn Martin Wiederkehr nochmals ganz herzlich für die Exkursionen mit "seiner" Tempranillo danken. Seine Ausführungen waren ein echtes Erlebnis für alle und das Herzblut seiner Begeisterung für die edle Schöne war sehr deutlich zu spüren. Wir meinen, dass dadurch die Tempranillo ab sofort noch viele neue Verehrer/innen haben wird. Ganz herzlichen Dank für den tollen Abend!

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