Schweizer Barriques-Weine

Aus Weinbruderschaft

Wechseln zu: Navigation, Suche

__NOTOC__


2002barrique2.jpg

Wohl kaum ein Thema hat in den letzten Jahren die önologische Diskussion so angefacht wie der Einsatz von Barriques, beziehungsweise die Einflüsse auf den Wein, die durch den Barrique-Ausbau verursacht werden.

Angefacht wurde die Diskussion, als vor rund 20 Jahren auf breiter Ebene ein eigentlicher Boom ausgelöst wurde, Weine in kleinen Eichenholzfässern auszubauen, so wie es im Bordelais und im Burgund seit langem üblich war. Gefördert wurde diese Entwicklung unter anderem sicher durch die Bereitschaft des Konsumenten, alles was auf dem Markt rar und selten ist zu suchen und was "in" ist zu honorieren und entsprechende Preise zu bezahlen. Und das war bei den Weinen mit dem neuen Geschmackstypus, basierend auf einer spürbaren Holznote, durchaus der Fall.

Dabei ist es gerade einmal ein halbes Jahrhundert her, seit der bis dahin überall gebräuchliche Ausbau im Holzfass durch den Einsatz neuer Werkstoffe abgelöst wurde. Das traditionelle Holzfass wurde durch Behälter und Tanks aus Stahl, Chromstahl und Kunststoff ersetzt. Es fand eine gewaltige Veränderung in der Weinbereitung statt, in deren Verlauf dann auch die gewohnte, typische Holznote in der geschmacklichen Vielfalt des Weines allmählich verschwand. Aber wie alles, ist auch die Weinszene einem steten Wandel unterworfen. Experimentierfreude, Trends und Modeerscheinungen stehen Tradition und Erfahrung gegenüber. Und so gesehen war es nur eine Frage der Zeit bis ein Umkehrdenken einsetzte und der Markt wieder nach solchen Weinen verlangte.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Längst nicht alle Weine bringen die nötigen Voraussetzungen für einen Barrique-Ausbau mit, und so kamen und kommen immer wieder Weine auf den Markt, die statt einer feinen, dezenten Holznote aufdringlich vorherrschende Holztöne aufweisen, die alle anderen Aromen überdecken. Die Arbeit mit Barriques ist subtil und will verstanden sein, wenn das Ergebnis den Verbraucher überzeugen soll.

Frau Meier-Dittus wird uns aber alles noch viel besser und fundierter sagen können, im Speziellen auf die schweizerischen Verhältnisse bezogen. Sie hat aufgrund Ihrer grossen Kenntnisse und Erfahrung die Weine ausgewählt und wird diese kommentieren. Kommen Sie an diesen sicher sehr interessanten und lehrreichen Anlass, und geniessen Sie im vertrauten Kreise der Zofinger Weinfreunde eine schöne, angenehme Degustation.


Inhaltsverzeichnis

Rückblick

Referentin: Barbara Meier-Dittus 2002barriqueMeier.jpg

Im stilvollen Stucksaal des Hotel Zofingen lud die Weinbruderschaft St. Martin zu Zofingen zu einem äusserst lehrreichen Vortrag mit Degustation über Schweizer Barrique-Weine mit der bekannten Önologin und Weinjournalistin Barbara Meier-Dittus ein.

Was Ende der Siebzigerjahre für Pioniere im Schweizer Weinbau als ausserordentlich gewagt galt, Weine in Barriques auszubauen, war seit Generationen in den renommierten Gebieten wie Burgund und Bordeaux, aber auch in Italien und Spanien üblich. Also gar nichts Neues? Der Prestige der Burgunder- und Bordeauxweine gab Anlaß, die Methoden im Schweizer Weinbau zu überdenken. In den Kellern gab es zwar grosse traditionelle Holzfässer und Tanks, doch Barriques haben sich erst in den letzten 20 Jahren zum festen Bestandteil der modernen Kellereieinrichtung gemausert. Was sind Barriques?

Im Bordeaux nennt man die Eichenholzfässer mit 225 Liter Fassungsvermögen "barriques", im Burgund werden sie eher "pièces" genannt. Sie werden aus Hölzern verschiedenster Provenienzen hergestellt. In Frankreich sind Allier, Limousin, Nevers, Tronçais, Vosges und Bourgogne die bekanntesten. Es gibt aber auch welche aus Portugal, Slowenien, Ungarn, Russland und Deutschland sowie aus USA und Canada. In Europa sind vorwiegend Sommer- und Steineichen, in Nordarmerika Weisseichen die bevorzugten Holzlieferanten. Die Qualitäten sind abhängig von Gattung, Herkunft, Standort, Alter, Dichte der Jahrringe und Stammhöhe der Entnahme. Interessant war auch zu hören, dass aus einer Holzrondelle immer 16 Dauben exakt entlang der Maserung gespalten (niemals gesägt) werden. Aus einer ungefähr 200-jährigen Eiche können nur gerade zwei Fässer hergestellt werden! In subtiler Handarbeit werden die einzelnen Dauben aneinander gereiht und mit Reifen zusammengebunden. Eine Barrique kennt keinen Nagel, keine Schraube und auch keinen Leim und kostet ungefähr CHF 800-1000. Was die Barriques von den traditionellen Fässern unterscheidet, ist das Rösten (toast). Bei der Faßherstellung wird im Innern des Daubenringes ein Feuer gezielt dafür eingesetzt. Ein Vorgang der zu einer Art Karamelisierung der stärkehaltigen Holzbestandteile führt. Dem später darin aufbewahrten Wein werden feine Aromen wie Vanille, Kakao, Kokos, Karamel oder/Tabak abgegeben.


Was geschieht dem Wein beim Barrique-Ausbau?

Bei der Lagerung des Weines in neuer Eiche laufen die folgenden Prozesse ab · - Anreicherung mit holzspezifischen Aromastoffen · - Anreicherung mit holzeigenen Tanninen/Phenolen · - Sauerstoffzufuhr, moderate Oxydation · - Verdunstung bis zu 15% Flüssigkeitsverlust pro Faß und Jahr

Bei Weissweinen ist es üblich, eine Vergärung des Mostes meist in neuen Barriques durchzuführen und die Weine bis zur Reife auf der Hefe (sur lie) liegen zu lassen. Da das Geruchs- und Geschmacksbild eines Weines erst während der alkoholischen Gärung endgültig entsteht, werden die Tannine unmittelbar in die Aromenstruktur eingebaut und wirken dadurch weniger aufgesetzt. Sie werden butterig, weich und rund. Weißweine erhalten mehr Vollmundigkeit und Körper, müssen bei einer Lagerung von 3, 6 oder 12 Monaten mit regelmäßiger Bâtonnage aufgerührt werden.

Rotweine verfeinern ihre Struktur und Tannine und erhöhen das aromatische Potenzial, das heißt gute Weine werden vielschichtiger. Ein sehr wichtiger Faktor ist dabei die Wirkung des Sauerstoffes auf die Aromamoleküle, welche intensiviert und komplexer werden. Der Sauerstoff läßt Tannine mürbe und feiner werden und reduziert die adstringierenden Eigenschaften. Die aus dem Holz extrahierten oxidierten Ellagtannine fördern iherseits den Effekt der übrigen Oxidationsvorgänge. Beim Rotwein ist auch eine positive Wirkung auf die Farbpigmente zu verzeichnen. Der Rebbauer oder Kellermeister entscheidet individuell wie er Barriques einsetzt. Viele bauen die Weine zu 1/3 in neuen, zu 1/3 in einmal gebrauchten und zu 1/3 in zweimal gebrauchten Fässern aus, um diese anschließen zusammenzuführen (assemblage). Die übliche Einsatzdauer der Barriques ist nach drei Jahren insofern erschöpft, als das Holz als "verbraucht" gilt, d.h. sich keine unmittelbaren Einflüsse aus der Röstung mehr ergeben.


Die begleitete Degustation - eine Palette von Reichtum an Eindrücken

Barbara Meier-Dittus führte gekonnt durch eine Kostprobe von außergewöhnlichen Schweizer-Weinen, die allesamt in Barriques ausgebaut wurden. Es gilt jedoch zu bemerken, daß nach wie vor die meisten Weine in der Schweiz traditionell ausgebaut werden, was keineswegs einer Wertung gleichkommt. Nicht jede Rebsorte und jede Qualität läßt sich im Barrique gleichermaßen verfeinern. Ein klassisches Mode-Beispiel ist der Chardonnay, der neu entdeckt, fast überall in der Welt angebaut, heute oft zu einem Globalwein mit Holznote verkommen ist. Natürlich gibt es auch außergewöhnlich gute Chardonnays - aber eben auch sehr viele Massenweine, die mit teils umstrittenen Methoden (Holzschnitzelanreicherung etc.) den Konsumenten an der Nase herumführen. Den anwesenden Weinfreunden zeigte sich ein reiches Spektrum an Rebsorten, welche vom RxS und Ermitage über Zweigelt, Lemberger, Malbec, Pinot Noir, Syrah, Merlot und Cuvées mit Merlot, Blauburgunder, GamayxReichensteiner sowie Gamaret, Cabernet Sauvignon, reichten. Eine Vielfalt ausgesuchter Spezialitäten, die Auge, Nase und Gaumen mit wunderschönen Eindrücken beglückten und von Barbara Meier-Dittus professionell kommentiert und beschrieben wurden.


Weine im Barrique-Ausbau - ein Garantieschein für Qualität?

Bedenkt man den großen Aufwand für Barriques, wird schnell mal klar, daß nur Weine mit ausgesprochen hoher Qualität darin ausgebaut werden und die dazu nötige Sorgfalt erfahren sollten. Nicht jede Rebsorte, jeder Wein eignet sich gleichermaßen gut für einen Barrique-Ausbau und garantiert eine wirklich gute Qualität. Barrique ist folglich kein Qualitätsmerkmal und alle Weine in Barrique auszubauen wäre verfehlt. Zwar wurde in den letzten Jahren oft etwas übertrieben und die "Barriquomanie" hat sehr wohl gezeigt, daß nicht alles Gold ist was "barriquet"! Uebrigens, haben Sie auf einer Burgunder oder Bordeaux-Etikette schon den Vermerk "barrique" gelesen?

Ein degustativer Vergleich lohnt sich für die Auswahl jedenfalls. Nur so lassen sich holzbetonte harte Weine von fein ausgebauten qualitativ hochstehenden unterscheiden. Was zählt, liebe Weingenießerin, lieber Weingenießer, ist letztendlich doch die Bekömmlichkeit! Da möge sich jede und jeder selber ein Urteil bilden, was besser gefällt. Viel Spaß mit hevorragenden Schweizer Barrique-Weinen, die manchem Exoten die Stirne bieten!

Persönliche Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Werkzeuge