Reise ins Markgräflerland und an den Kaiserstuhl

Aus Weinbruderschaft

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«Reise ins Markgräflerland und an den Kaiserstuhl»

Freuen Sie sich auf eine unvergessliche Reise am Freitag, 7. Juni und Samstag, 8 Juni 2013. Willi Spürgin und Hansruedi Moor haben für uns wieder ein vielversprechendes Reiseprogramm zusammengestellt. Die beiden routinierten „Reiseveranstalter“ sind bekannt für eine perfekte Reiseplanung und sehr interessante und abwechslungsreiche Programme. Die Plätze im Reisecar sind beschränkt. Wer sich zuerst anmeldet wird auch zuerst mitreisen können. Ihre Anmeldung muss unbedingt bis Samstag, 25. April 2013 bei Willi Spürgin eingetroffen sein.


Reiseprogramm

Freitag, 7. Juni 2013 07:45 Uhr Besammlung auf dem Parkplatz Nord der Müller Martini in Zofingen (Einfahrt zwischen MM und Bleiche, parkieren hinten an der Wigger). 08.00 Uhr Abfahrt. Der Reisecar führt uns via Basel Richtung Norden. Und schon bald nach dem Grenzübertritt tauchen wir ein in die liebliche Reblandschaft des Markgräflerlandes. In Schliengen werden wir um 09.45 Uhr von Roy Blankenhorn einer der Vorzeigewinzerinnen der deutschen und europäischen Weinszene zur ersten Weinprobe empfangen. Frau Blankenkorn führt das gleichnamige Weingut in fünfter Generation. Anschliessend fahren wir nach Bad Bellingen wo wir im Restaurant Markushof das Mittagessen einnehmen werden. Es ist Spargelzeit!! Um 14.30 Uhr werden wir in der Winzergenossenschaft Britzingen zur zweiten Weinprobe erwartet. Die Britzinger WG zählt zu den renommiertesten und erfolgreichsten Winzergenossenschaften Deutschlands. Um 16.45 Uhr fahren wir weiter. Nun wäre etwas Erholung angesagt. Im historischen „Faust“-Städtchen Staufen (der sagenumworbene Alchimist und Magier Johann Georg Faust soll hier vor knapp 500 Jahren gestorben sein.) kann nach Lust und Laune flaniert werden, oder man lässt sich bei einem Besuch der Confiserie/Café Decker bei einer riesigen Auswahl von Torten und Kuchen zu einer „süssen Sünde“ verführen. Um 18.15 Uhr endet unser Besuch in Staufen. Nach einer kurzen Überführungs-etappe treffen wir gegen 19.00 Uhr in Breisach ein, wo wir im „BEST WESTERN Hotel am Münster“ unsere Zimmer beziehen können. Der Abend steht zur freien Verfügung. Auf Wunsch kann im Hotel ein saisonales Abendessen für 17 € im rustikalen Münsterkeller eingenommen werden.

Samstag, 8. Juni 2013 Der zweite und zugleich letzte Tag unserer Reise ist angebrochen. Doch bevor wir uns um 09.00 Uhr auf den Weg machen sollten Sie sich unbedingt Zeit nehmen für einen kurzen Rundgang auf dem Münsterberg und einen Besuch des Stephanmünsters mit einem der schönsten holzgeschnitzten Hochaltare des Mittelalters und den Wandmalereien Martin Schongauers. Die Fahrt geht entlang des westlichen Ausläufers des Kaiserstuhles nach Oberrotweil. Hier werden wir im Weingut des Freiherrn von Gleichenstein um 10.00 Uhr zur letzten Weinprobe unserer Reise erwartet. Das renommierte Weingut ist seit 1634 in Familienbesitz und gehört heute mit seinen Burgunderweinen zur Phalanx der absoluten Spitze der deutschen Erzeuger. Abfahrt 11.45 Uhr. Gegen 12.00 Uhr treffen wir in Schelingen in „Köpfer’s Gasthaus zu Sonne“ ein. Hier wird uns ein Mittagessen aus der regionalen und saisonalen, traditionellen Kaiserstühler Küche mit den dazu passenden Weinen serviert. Um 14.30 Uhr fahren wir weiter nach Burkheim zum Besuch mit kurzer Führung des Kräuterhofs mit seinen eineinhalbtausend Kräuterprodukten und Tees .Wer möchte kann stattdessen auf eigene Faust das sehenswerte mittelalterliche Städtchens besichtigen. Ca. 16.45 Uhr machen wir uns auf zur Rückreise und werden gegen 19.00 Uhr in Zofingen eintreffen.


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Eine knapp einstündige Carfahrt bringt uns in ein für viele noch völlig unbekanntes Weinanbaugebiet: Zwischen Basel und Freiburg, Elsass und dem südlichen Schwarzwald liegt das Markgräflerland. „Mein irdisches Paradiesgärtlein“ nannte Johann Peter Hebel diesen südländisch anmutenden Landstrich. Von der Rheinebene, wo man im Frühsommer den Spargel sticht, über ein sanftes Hügelland mit ausgedehntem Rebenanbau und stattlichen Obstgärten steigt das Ländchen gemütlich an zu den mit Mischwäldern bestandenen Vorläufern des Schwarzwaldes. Eine liebliche, geschichtsträchtige Landschaft, in der in südlicher Wärme Oleander, Hibiskus und Zitronen blühen. Hervorragende Weine, die mit einer exquisiten Küche harmonieren und zu feinen Weinproben einladen. Kein Wunder, dass das Markgräflerland mit seinem so zauberhaften Eindruck seit jeher Poeten und selbst prosaische Gemüter ins Schwärmen geraten lässt: „Glückliches Land, wo der Wein vor den Kulissen des Schwarzwaldes reift..“ Dieses Lob des Wein, Weib und Poesie liebenden Goethe geht den Markgräflern runter wie der mundende Gutedel. Mit über 40% dominiert diese Rebsorte (sie ist identisch mit unserem Chasselas) den Rebsortenspiegel. Der Gutedel darf übrigens ausschliesslich im Markgräflerland und sonst in keinem anderen der 13 deutschen Weingebiete angebaut werden.

Nicht viel weiter nordwestlich führt unsere Fahrt in den Kaiserstuhl. Als vulkanisch entstandener Gebirgsstock bietet der Kaiserstuhl ideale klimatische und geologische Verhältnisse für den Weinbau. Der Kaiserstuhl ist das wärmste und sonnenreichste Gebiet, nicht nur in Baden, sondern in ganz Deutschland. Dieses besondere Klima ist der Insellage in der Oberrheinebene und dem Regenschatteneffekt der Vogesen zu verdanken. Die fruchtbaren Böden (Löss- und Vulkanverwitterungsgestein) bieten nicht nur den bekannten Burgunderweinen hervorragende Bedingungen, Äpfel-, Zwetschgen- und vor allem Kirschbäume verwandeln im Frühjahr die Täler in ein Blütenmeer. 33 Orchideenarten wurden bisher bestimmt, Küchenschelle und viele andere mediterranen Pflanzen und Tiere (wie Gottesanbeterin, Smaragdeidechse, Bienenfresser) machen den Kaiserstuhl zu einem wahren Kleinod. Der Weinbau wurde schon von der Römern am Kaiserstuhl kultiviert und hat heute eine ökonomisch und ökologisch herausragende Bedeutung. Die Burgundersorten (Grauburgunder, Spätburgunder und Weissburgunder) dominieren im Anbau mit einem Anteil von über 50%. Der Kaiserstühler Wein hat, nicht zuletzt auch dank seinen innovativen Winzern eine Spitzenstellung in Deutschland erreicht. Der Volksweisheit folgend „Rebland ist immer auch Lebland“ lässt es sich am Kaiserstuhl besonders gut leben. Nicht Einfalt, sondern kulinarische Vielfalt herrscht in diesem Land, zu dem jemand eine passende Rezeptur fand: „Man nehme eine reichliche Portion Elsass, würze es mit einer Prise Schweiz, runde mit einem Spritzer Donaumonarchie ab, lasse von einem Alemannen alles gut kneten und anrichten – Voila: Fertig ist die badische Küche“. „Eine herrliche Gegend, noch im September und Oktober alles grün. Ein willkommener Atem geht durchs ganze Land, Trauben mit jedem Schritt und Tag besser. Himmelsluft weich, warm, freundlich; man wird auch wie die Traube reif und süss in der Seele..“, so Goethe anlässlich eines Besuches des Kaiserstuhles 1799.




Rückblick

Nach wochenlangen, tristen Tagen scheint die Sonne an diesem Freitag in voller Pracht. Der Tag beginnt mit viel Freude und Erwartungen. Die Teilnehmer sind alle pünktlich und der Bus startet punkt 8:00 Uhr von Zofingen in Richtung Norden. Nach einem kleinen Zwischenhalt in Eptingen, wo wir unsere baselbieter Teilnehmer aufnehmen, geht die Reise weiter. Wir überqueren den Rhein bei Rheinfelden und halten kurz beim deutschen Zoll um die Formalitäten zu erledigen. Der Weg führt an Lörrach vorbei, wo die schöne Burg Rötteln oberhalb des Lörracher Stadtteils Haagen liegt. Die Festung war eine der mächtigsten im Südwesten und ist heute die drittgrößte Burgruine Badens. Unweit von Lörrach entfernt begeben wir uns auf die Bundestrasse B3. Sie verläuft entlang sehr alter, schon im Mittelalter bedeutender Handelswege. In den 1950er Jahren galt die Bundesstraße 3 als eine der gefährlichsten und unfallträchtigsten Fernstraßen in der damaligen Bundesrepublik. Hierzu trug nicht nur der stetig steigende Verkehr auf dieser Strecke bei, sondern auch das Fehlen jeglicher Ortsumgehungen und ganz besonders der sehr unzureichende Straßenzustand. Seit dem Zollübergang übrigens befinden wir uns bereits im sogenannten Markgräfler Land. Dieses erstreckt sich bis nach Freiburg. Das Markgräflerland ist eine besonders bevorzugte Region. Milde Temperaturen, viele Sonnenscheinstunden und ein angenehmes Klima, charakterisieren diese Region. Es entstand am 8. September 1444 durch den Zusammenschluss der Herrschaften Rötteln und Badenweiler sowie der Landgrafschaft Sausenburg. Im heutigen Sprachgebrauch wird mit dem Begriff Markgräflerland vor allem das Oberrheingebiet mit seinen Weinbergen südlich von Freiburg im Breisgau bis Basel bezeichnet. Also eine hervorragende Wahl um mit Weinliebhabern ein paar Tage zu verbringen. Bevor wir den ersten Degustationshalt in Schliengen erreichen fahren wir westlich am Isteiner Klotz vorbei. Dieser markante Bergrücken ist eine etwa 170 Quadratkilometer große Zone mit jurassischen Ablagerungen, die zwischen dem Rheingraben und dem südlichen Schwarzwald eingekeilt ist. Der Isteiner Klotz versperrte ursprünglich dem Rhein den Weg Richtung Norden, so dass dieser zuerst übers Rhonetal ins Mittelmeer floss. Die Weissjura-Felsformation wurde vor allem durch den Bau der Bahnlinie, den Festungsbau und etliche kriegsbedingte Sprengungen massiv verändert. Trotz aller Eingriffe weist der Felsen noch heute eine solch artenreiche Fauna und Flora aus, dass er im Jahre 1986 mit einer Fläche von etwa 25 Hektar als 500. Naturschutzgebiet von Baden-Würtemberg ausgewiesen wurde. Seit 2006 zählt der Isteiner Klotz auch zu den 77 bedeutensten Nationalen Geotopen (erdgeschichtliche Gebilde der unbelebten Natur).


Weingut Blankenhorn

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Schliengen, Weingut Blankenhorn , unser erster Degustationshalt. Roy Blankenhorn ist eine der Vorzeigewinzerinnen in Deutschland. Seit vielen Jahren macht sich die Badenerin für die Weinfrauen stark. Leider ist Frau Blankenhorn in ihren wohlverdienten Urlaub gereist, nichtsdestotrotz führt Frau Holzreiter die Degustation mit viel Freude und Charme und verwöhnt uns mit hervorragenden Weinen.

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Frau Holzreiter


Ein kleiner Exkurs: Roy Blankenhorn aus Schliengen heisst eigentlich Rosemarie. Humor hat sie, ihre herzerfrischende Offenheit verletzt nie. Sie übernahm den Betrieb der Eltern 1993, nachdem sie eine Winzerlehre im Kaiserstuhl und diverse Ausbildungen genoss. Das Weingut wurde 1624 in der ehemaligen Thurn-und Taxischen Poststation (ein in den Hochadel aufgestiegenes Adelsgeschlecht), untergebracht. 1857 wurde das Weingut vom Ururgrossvater gekauft. Das Gebäude steht unter Denkmalsschutz und beherbergt einen gemütlichen Gutsausschank. Wenn es nach ihr geht, wird daraus bald eine kulinarische Topadresse für ambitionierte Feinschmecker. Zu den 21 Hektar Rebland im Eigenbesitz kommen vier hinzugepachtete Hektar. Die Blankenhorns sind eine uralte Familie, die aus dem württembergischen Zabergäu stammt. Ein Verwandter, Adolf Blankenhorn, Professor in Karlsruhe, war nicht nur der Begründer des Deutschen Weinbauvereins und dessen erster Präsident, sondern erforschte in seinem zur Versuchsstation umfunktionierten Weingut am Kaiserstuhl den Nutzen der reblausresistenten amerikanischen Reben, die seitdem bekanntlich überall als Unterlagen verwendet werden müssen. Weinfreunde haben der Familie also viel zu danken ! Roy Blankenhorn sieht ihre Rolle im Betrieb mehr als Mutter denn als Chefin. Seit November 2007 ist sie Weinakademikerin der namhaften Akademie Rust. Sie ist eine aktive Vinissima-Frau (Winzerinnnen-Vereinigung) und Vorsitzende der 1991 gegründeten Vereinigung. 2003 hat sie das internationale Netzwerk „WEST“ (Wine & Spirit Education Trust) in London mit aus der Taufe gehoben. Am liebsten kümmert sich Roy Blankenhorn um ihre Weine. Im Jubiläumsjahr, 2007, freute sich die Winzerin über einen besonders gesunden Jahrgang, der die längste Reifephase in der Geschichte des Gutes brachte und mit einem Bilderbuch glänzte.


Die degustierten Weine

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Mittagessen im Restaurant und Kurhotel Markushof

Und weiter geht die Reise nach Bad Bellingen, wo uns ein hervorragendes Mittagessen erwartet. Bad Bellingen liegt in der Oberrheinischen Tiefebene, direkt am Rhein und damit an der Grenze zu Frankreich und im Markgräflerland am Rande des südlichen Schwarzwaldes. Die nächstgelegenen Städte sind Müllheim etwa 10 km nördlich und Lörrach etwa 15 km südlich. Das in Frankreich gelegene Mülhausen liegt etwa 18 km westlich von Bad Bellingen. Angekommen lassen wir uns zwei Stunden Zeit um mit lustigen Gesprächen am Tisch das wohlwollenden Menu zu geniessen. René Lustenberger unterhält uns immer wieder mit seinen selbstgedichteten Versen und Sprüchen und sorgt dabei auch für einen kräftigen Beifall.


Das Menu

hausgemachte Kratzete und Bratkartoffeln

Sauce Hollandaise und Mayonnaise


Winzergenossenschaft Britzingen

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Britzingen ist das nächste Ziel unserer zweiten Weindegustation. Das Winzerdorf gehört zur Stadt Müllheim, dem Zentrum der Markgrafschaft zwischen Freiburg und Basel. Wir besuchen die Winzergenossenschaft Britzingen zu der rund 200 Winzer gehören und die bereits seit 50 Jahren existiert. Diese Winzer bearbeiten rund 200 Hektar Reben. Britzinger Weine basieren auf einer ganzheitlichen, umweltschonenden Erzeuger-Philosophie. Die Britzinger Kellerwirtschaft verbindet das Bewahren guter, bodenständiger Tradition mit der Aufgeschlossenheit für die Erfahrungen anderer Weinbautraditionen und innovativer Erkenntnisse. Durch gemeinschaftliche Finanzierung und solidarische Organisationsformen haben die Winzer optimale Verarbeitungskapazitäten geschaffen und kompetente Fachleute für Ausbau und Lagerung der Weine verpflichtet. Unsere Weinprobe, die im Anschluss aufgelistet wird bedarf folgender Beschreibung. In dieser schwarzwälder Vorbergzone, sind die Einzellagen Sonnhole, Rosenberg und Badenweiler Römerberg als 100%ige Hanglagen vorwiegend nach Süden und Südwesten gerichtet. An der geologischen Bruchkante des Rheingrabens ragen die Kalksteinskelette des Braunjuras hervor; davon profitieren vor allem die Burgundersorten (Chardonnay, Grau,- Weiss,- und Spätburgunder). Bereits im 16. Jahrhundert standen hier Burgunderreben, die ihren feinen Charakter diesem Terroir verdanken. Auf dem nährstoffreichen Löss gedeihen der Gutedel und der Müller-Thurgau ausgesprochen gut.

Sektempfang:

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Weinprobe:


Staufen

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Um 17 Uhr treffen wir in Staufen ein. Wir haben hier eine gute Stunde zur freien Verfügung. Uns fällt auf, dass an vielen Häusern ein Klebeband an den Fassaden aufgeklebt ist mit den Worten: „Staufen darf nicht zerbrechen“. Was ist hier nur geschehen? Um das Rathaus der Stadt Staufen mit umweltfreundlicher Erdwärme zu heizen, wurden Bohrungen bis zu 140 Meter Tiefe durchgeführt. Das Ergebnis: Im Herbst 2007 traten an den Gebäuden der Staufener Altstadt Risse auf. Grundwasser war mit starkem Druck in die darüberliegende Gipskeuper Schicht eingedrungen und hatte eine fatale chemische Reaktion ausgelöst. Es entstand eine unterirdische Quellung, die in Hebungsrissen offen zu Tage tritt. Das Unglück schreitet fort. Die Risse klaffen immer weiter und werden zahlreicher. Inzwischen sind 260 Häuser betroffen.

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Wir steigen für den heutigen Tag ein letztes Mal in den Bus. Es geht nach Breisach zum Hotel Best Western, wo wir für die Nacht einquartieren. Ein wunderschöner Tag neigt sich dem Ende zu. Der Abend ist für das individuelle Ausklingen reserviert.

Samstag, den 8. Juni 2013 So wie der Tag geendet hatte, so beginnt auch wieder der neue Tag. Herrlicher Sonnenschein beglückt uns alle und wir freuen uns auf ein gutes, reichhaltiges Frühstück. Tröpfchenweise finden sich die Teilnehmer im Speisesaal ein und begrüssen sich gegenseitig. Alle sind schon wieder gespannt und voller Freude, was wohl der heutige Tag so alles an Überraschungen birgt. Wir müssen pünktlich abfahren, damit wir zur abgemachten Zeit in Oberrotweil zur 1. Degustation erscheinen können. Ein besonderer Winzer mit einer traditionsreicher Geschichte erwartet uns.


Weingut Freiherr von Gleichenstein

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Baron von Gleichenstein


Freiherr von Gleichenstein ist die Winzerfamilie sondergleichen. Das Weingut blickt auf eine fast 400-jährige Geschichte zurück. Es handelt sich um die 11.Generation, die sich um das Weingut kümmert. Bereits im Jahre 1634 erwarben die Vorfahren Hof und Ländereinen des ehemaligen Benediktinerklosters St. Blasien. Seither ist das Gut in Familienbesitz. Das traditionsreiche Anwesen liegt in einer der schönsten und wärmsten Regionen Deutschlands, inmitten zahlloser Weinberge und umgeben von einer reizvollen, ursprünglichen Natur. Auf den 30 Hektar Rebfläche des Weingutes wachsen überwiegend die klassischen Burgundersorten Spät-, Grau- und Weissburgunder, sowie Muskateller und Müller Thurgau. Durch die Lage mitten im Anbaugebiet gelangen die frisch gelesenen Trauben auf dem schnellsten Weg zur schonenden Weiterverarbeitung. Im Sommer lädt der Park zur Weinprobe, Hochzeiten, Taufen oder Festen jeglicher Art ein. Qualität ist für die Familie oberstes Gebot. Tradition soll ein Sprungbrett sein, aber kein Ruhekissen !


Degustation unter einer riesigen, wunderschönen Blutbuche

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Nachdem sich einige Teilnehmer mit guten Weinen eingedeckt haben geht die Reise weiter.

Hier ein Exkurs von Willi Spürgin, der uns sein Wissen über die Entstehung des Oberrheingrabens und des Kaiserstuhls erzählt:

Der Oberrheingraben zählt neben dem Ostafrikanischen Grabensystem und dem Jordangraben zu den weltweit markantesten Grabensystemen. Er erscheint oberflächlich als eine 300 km lange und 30 bis 40 km breite Tiefebene, die Oberrheinebene. Die Geschichte des Kaiserstuhls beginnt schon im Tertiär, also ca. 50 Millionen Jahren: Damals begann sich der Oberrheingraben zunächst sehr langsam, dann immer schneller abzusenken. Durch diese Absenkung wurden die Ränder beträchtlich angehoben. Diese Ränder sind heute als Schwarzwald und Vogesen verbliebene Zeugen dieser gewaltigen Naturereignisse. Es handelt sich bei dieser Struktur um eine grabenartige Einsenkung der Erdkruste. Die Erdkruste wurde hier gedehnt, gespaltet und schliesslich etwa 5 bis 7 km auseinander gezerrt. Der bei der Auseinander-Zerrung freiwerdende Platz wurde sofort durch Nachrutschen benachbarter Gesteinsschollen aufgefüllt. Die Ursachen der Grabenbildung liegen im Inneren der Erde. Der Graben hat sich stellenweise bis zu 3.5 km tief eingesenkt, jedoch wurde diese Absenkung weitgehend durch die Auffüllung mit Sedimenten ausgeglichen. Die östlichen und westlichen Randgebiete wurden entgegengesetzt zum Graben bis zu 2.5 km angehoben, jedoch hat starke Abtragung der Gebirge diesen Aufstieg oberflächlich verringert. Die Einsenkung begann vor etwa 45 Millionen Jahren in der Mittel-Eozän-Zeit und dauert bis heute an. Die absinkende Oberrheinebene zerbrach dabei in mehrere unterschiedliche grosse Schollen. Am Gebirgsrand bilden abgekippte, verhängte Schollen die Vorgebirgszone; andere Schollen hingegen, weiter draussen in der Ebene, sind nicht ganz abgesunken und überragen noch heute als Hügel und Berge das Niveau der Ebene. Die markantesten davon sind der Tuniberg, der Nimberg, das Lehener Bergle u.a. Die Grabensohle war so tief abgesunken, dass eine wechselvolle Überflutung, bald mit Süsswasser, bald mit Brackwasser oder Meerwasser erfolgen konnte. Zeitweise befand sich hier ein richtiger Meeresarm, der dann wieder zu einem Binnensee mit Korallen und Lagunen wurde. Der Graben wurde dadurch allmählich von tonig-sandigen, konglomeratischen, salzführenden oder kalihaltigen Sedimenten an seinen tiefsten Stellen wieder aufgefüllt. Die Absenkung des Grabens und die damit verbundene Anhebung der Ränder hatte zur Folge, dass sich in den letzten 45 Millionen Jahren cirka 19000 Kubikkilometer an Gesteinsmaterial in Form von Geröll, Kies und Sand, von den Schmelzwässern der Alpen, des Schwarzwaldes und der Vogesen herangeführt, im Oberrheingraben abgelagert hat. Durch diese Aufschotterung wurde der Graben um 3500m hoch aufgefüllt und hat schliesslich das heutige Niveau der Ebene erreicht. Der grösste und höchste der vorgenannten Schollenberge aber ist der östliche Teil des Kaiserstuhls. Diese riesige Scholle ist an ihrer Westseite, im Gebiet des heutigen Oberbergen, endgültig in die Grabentiefe eingesunken. In der Folge muss hier ein Netzt von Spalten und Klüften entstanden sein, durch die glutflüssiges Magma aus dem Erdinneren aufsteigen konnte; es kam zu gewaltigen Eruptionen und vulkanischen Ausbrüchen, die abwechselnd Lava und Tuffgestein an die Obefläche förderten. So begann im mittleren Miozän vor rund 15 Millionen Jahren, der Kaiserstuhlvulkan im südlichen Oberrheingraben zu wachsen. Über einen Zeitraum von mehreren Millionen Jahren vulkanischer Aktivität entstand ein Vulkanberg, der den wesentlichen Teil des Kaiserstuhls bildete und die damalige Oberrheinebene um wohl mehr als tausend Meter überragt haben dürfte. Zu Beginn der Eiszeit, vor rund 2 Mio. Jahren, war auf Grund jahrmillionen dauernder Erosion der Stumpf des Kaiserstuhls etwa in seinen heutigen Ausmassen vorhanden. Seine erdgeschichtliche Doppelnatur aus Scholle und Vulkan war geboren. Um diesem Zeit fand eine Einsenkung des Schwarzwald-Südfusses statt und der Aplen-Rhein, der ursprünglich nordöstlich von Bregenz floss und sich in der Gegend von Ulm mit der Donau vereinigte, nahm allmählich der Interglazialzeiten seinen Lauf durch die südliche Oberrheinebene und verband sich mit dem Ur-Rhein, welcher nördlich des Kaiserstuhls entsprang, zum Rhein in seinem heutigen Verlauf. Das eiszeitliche Klima verhinderte das Aufkommen von Vegetationen auf den Kies- und Sandhalden. Lediglich am Kaiserstuhl und in den Vorbergen wuchs wahrscheinlich eine spärliche Vegetation, die der heutigen Tundra im Norden entspricht. In dieser Landschaft brachen, vorherrschend aus dem Süden, orkanartige Stürme ein. Sie hatten sich von den Alpen (vielleicht sogar von Afrika) herkommend mit Staub gesättigt. Dieser Gesteinsstaub lagerte sich nun über der Ebene und den spärlich bewachsenen Hügeln und Vorbergen ab. In der Ebene wurde er wieder weggeschwemmt, auf der Höhe aber blieb er liegen. Der gesamte Kaiserstuhl ist vom Löss geprägt, einem feinkörnigen gelben bis gelbbraunen, porösen und weichem Lockersediment. Löss ist die hochdeutsche Schreibweise für das schweizerisch-elsässisch-schwäbische Wort „lösch“, was so viel wie „locker“ bedeutet. Der Löss ist ein äolisches Sediment, welches während der vegetationsarmen Eiszeit als Staub aus den jahreszeitlich trockengefallenen Überschwemmungsflächen der Schmelzwasserflüsse ausgehweht wurde. Der Löss de Kaiserstuhls besteht zum grössten Teil aus zerriebenem alpinen Gesteinsmaterial, welches vorwiegend durch Südwestwinde herantransportiert wurde und sich verstärkt auf der Leeseite der Vulkanfelsen des Kaiserstuhls ablagerte. Entsprechend den vier Eiszeiten wurde am Kaiserstuhl auch der Löss in vier Phasen abgelagert. Die Leedünen verlaufen kilometerweit in der Windrichtung und prägen der Landschaft ein neues, paralleles Talnetz auf, das sich zwischen den Dünen entwickelte. Heute sind mehr als drei Viertel des Kaiserstuhlgebirges vom Löss bedeckt. Die Mächtigkeit der Lössdecke bewegt sich hierbei in den tiefen Lagen meist zwischen 5 und 30 m, wie sonst nirgends in Europa. In höheren Lagen wird sie geringer und hört im Allgemeinen bei 400m ganz auf. So haben wir heute den Kaiserstuhl in seiner Einzigartigkeit vor uns, in seiner komplizierten Substanz, welche durch eine abgesunkene Scholle und durch die damit zusammenhängende vulkanische Tätigkeit gebildet und danach als ganze Struktur durch den Staubsegen aus der Luft vollendet wurde. Die Absenkung des Oberrheingrabens ist übrigens keine Aktivität die nur vor Millionen con Jahren stattfand: auch heute senkt sich der Rheingraben um jährlich bis zu einem Millimeter. Aus diesem Grund gibt es in der Kaiserstuhlregion immer mal wieder Erdbeben. Das letzte ernsthafte Erdbeben legte 1356 die Stadt Basel in Schutt und Asche.


Wir treffen um 12 Uhr in Schelingen ein. Schelingen ist ein Winzerdorf mit etwa 350 Einwohnern. Das landwirtschaftlich geprägte Dorf lebt hauptsächlich vom Weinbau. Die Rebfläche beträgt etwa 61 ha. Bereits im 17. Jahrhundert wurde das Gasthaus zur Sonne, damals noch als Gemeindestube, in der nur zu bestimmten Zeiten und Anlässen ausgeschenkt wurde, im Heimatbuch der Gemeinde Schelingen erwähnt. Im Januar 2008 hat nun die dritte Generation der Familie Köpfer den Betrieb übernommen. Stephan Köpfer ist nach seiner Ausbildung zum Konditor, Koch und dem Küchenmeister sowie zahlreichen Erfahrungen in sehr guten Häusern in Deutschland und Österreich in die Fußstapfen seines Vaters getreten. Gemeinsam mit seiner Frau Christina liegt die Führung des Gasthauses zur Sonne nun in den Händen der jungen Generation. Mit tatkräftiger Unterstützung der Eltern und des gesamten Teams möchten sie traditionsbewusst mit einem wohlsortierten Angebot aus Küche und Keller auch für die Zukunft im Herzen des Kaiserstuhls Wohlbehagen den Gästen vermitteln.

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Wir freuen uns auf das Mittagessen im Köpfer’s Gasthaus zur Sonne. Es erwartet uns ein ganz besonderer Gaumenschmaus mit dazu abgerundeten, bestens passenden Weinen zu jedem Gang. Ein Sommelier und Winzermeister , Herr Thomas Knab, führt uns zu jedem Gang einen hervorragenden Wein vor und erzählt mit viel Witz das wesentliche zum guten Wein.

Hier nun das Menu mit den passenden Weinen:

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Es ist halb vier. Vom feinen Essen wohlgeformt, raffen sich die Teilnehmer zum letzten Ausflugsziel auf, bevor die Reise wieder an ihren Ursprung , nämlich nach Zofingen zurück geht. In Burkheim angekommen erwartet uns nicht etwa wieder eine Degustation, sondern etwas ganz Spezielles. Der Burkheimer Kräuterhof. Hier werden alle Sinne angesprochen. Im Erdgeschoß findet man auf über 600 qm schmackhafte Kräuter, edle Gewürze, feinste Tees, anspruchsvolle Naturkosmetik, duftende und farbenprächtige Potpourris, beste ätherische Öle und vieles andere mehr. An einer Führung erfahren wir vieles über das Arbeiten und die Angebote im Kräuterhof. Leider drängt uns die Zeit und wir machen uns endgültig auf den nach Hause weg. Viele Teilnehmer schlafen im Bus ein. So viele Erlebnisse, wunderschöne Orte, bestes Essen und hervorragende Weine haben manchen so richtig müde gemacht. Eine wundervolle Reise geht nun zu Ende. Es ist 20 Uhr wir halten in Zofingen an und es verabschieden sich alle Teilnehmer voneinander und nehmen ihre wunderschönen Eindrücke mit. Es geht nicht lange und der Bus steht alleine da. Schön war es, zwei Tage im Markgräfler Weinland zu verbringen. Ein grosses Dankeschön an die Organisatoren Willi und Gisela Spürgin sowie Hansruedi und Vreni Moor !

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