Nostalgie-Degustation Wallis

Aus Weinbruderschaft

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50 Jahre Weinbruderschaft St. Martin zu Zofingen 1959-2009 / Jubiläums-Jahresprogramm 2009


"Uf 30. Mai 1959 kamen im *Sternen * zusammen zu einer ersten Probe Stubenräte, Stifter und folgende Gesellschafter:.... - die meisten mit ihren Ehewirtinnen - sowie die Ehrengäste: Walter Leber, der Stadtammann, der Zentralpräsident und die Zentralsekretärin der Schweiz. Vereinigung der Weinfreunde Hans und Lotti Hunkeler von Luzern. Dr. Alex. Cachin, ein gar gelehrter Mann aus dem Wallis, führte uns in die Geheimnisse des Weines ein. Es wurden gar köstliche Tropfen geboten und es herrschte viel Freude - nur der Säckelmeister ward etwas betrübt ob der leeren Kasse. Dies war die erste Weinprobe der neuen Gesellschaft."


Liebe Weinfreundinnen und Weinfreunde

So steht in unserer Chronik zu lesen über die erste Degustation der noch jungen Weinbruderschaft St. Martin zu Zofingen. Sie war den Weinen aus dem Wallis gewidmet, und deshalb wollen wir uns 50 Jahre später wieder mit den Weinen beschäftigen, die an den Hängen entlag der noch jungen Rhône wachsen.

Im Wallis finden wir die grösste Vielfalt an geologischen Strukturen, welche die Grundlagen für die Entfaltung der einheimischen Rebsorten schaffen und mit den klimatischen Bedingungen beste Voraussetzung für das Entstehen aussergewöhnlicher Weine bieten. Das Wallis besitzt ein trockenes Klima mit intensiver Sonneneinstrahlung, d.h. ideale Bedingungen für die Reifung der Trauben. Der Herbst mit seinen Föhntagen bringt häufig starke Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht. Er gewährleistet die unabdingbare Gleichmässigkeit des Reifungsprozesses und sorgt für ein gesundes Traubengut. Die Walliser Rebberge erstrecken sich zwischen 400 und 800 m ü.M., die Rebflächen in Visperterminen im Oberwallis klettern noch höher hinauf: 1'150 m ü.M. liegen sie und gehören zu den höchstgelegenen in Europa. Unter diesen hervorragenden Bedingungen wachsen in den Walliser Weingärten 59 verschiedene Rebsorten (26 rote und 33 weisse) eine solche Vielfalt ist einzigartig.

An der ersten Degustation 1959 wurden "7 Weine serviert: je einen Fendant, Johannisberg, Ermitage, Malvoisie, Schaumwein sowie 2 Rotweine." Die Auswahl der Weine für die Degustation 2009 hat sich zeitgemäss dem heutigen Angebot angepasst: Chasselas, Johannisberg, Heida, Petit Arvine, Pinot Noir, Humagne Rouge, Syrah, 2 Cornalin sowie zum Schluss eine Überraschung, sollen Sie erwartungsfroh ermuntern, recht zahlreich an diesem interessanten Anlass teilzunehmen.

Mit weinfreundlichen Grüssen

Ihr

Willi Spürgin

Stubenmeister



Rückblick

Es war im Mai vor 50 Jahren, die eben gegründete Weinbruderschaft St. Martin zu Zofingen lud zu ihrer aller ersten Degustation ein. "Walliser Reben - Walliser Wein" lautete das Thema. Und nun, genau 50 Jahre später, ebenfalls im Mai, war das Wallis erneut Thema einer Weinprobe.-


Willi Spürgin berichtet: Der Anlass war nur bedingt zu vergleichen mit der Verkostung vor fünf Jahrzehnten, vieles hat sich geändert in dieser langen Zeit. Anstelle der ehemaligen OPAV konnten die Zofinger Weinfreunde diesmal auf die grosszügige Unterstützung der Nachfolgeorganisation "Interprofession de la Vigne et du Vin du Valais" zählen, welche nicht nur das Weinsortiment zusammen stellte, sondern auch den Referenten Daniel Cortellini aufgeboten hatte, welcher es verstand mit seinem grossen Wissen und seiner offenen spontanen Art das Publikum zu begeistern und so zum Mitmachen animieren konnte.

Gegen 60 Teilnehmer hatten sich zu dieser Neuauflage der Wallis-Degustation im Hotel Zofingen eingefunden. Geboten wurde ihnen eine Weinverkostung der besonderen Art, bei der Auge, Nase und Gaumen ganz speziell gefordert wurden, denn die Weine wurden z.T. blind oder halbverdeckt eingeschenkt. Waren es vor 50 Jahren noch sieben, so standen diesmal zehn Weine aus der riesigen Palette der Walliser Weinsorten (z.Zt. umfasst der Rebsortenspiegel des Kantons Wallis 33 weisse und 26 rote Traubensorten) zur Verkostung bereit.

Daniel Cortellini stellte zu Beginn in kurzen Worten den Weinkanton Wallis mit all seinen Merkmalen und Besonderheiten vor. Und dann ging's zur Sache. Als erstes wurden zwei Weissweine eingeschenkt, blind, d.h. man kannte weder Traubensorte noch Herkunft. Im ersten Glas ein frischer, feingliedriger Wein mit mineralischer Note und perlendem CO2 im Auftakt, im Gaumen eine feine Herbe. Im zweiten Glas ein vielfruchtiges Bukett, Ananas und ein Hauch von Mandeln, vollmundig mit präsenter Säure, Bitternote im Final. Wie es schien, war die Aufgabe nicht all zu schwer und mehrheitlich wurden die Rebsorten erkannt: Der erste Wein ein Chasselas 2007 Clos de Mangold - Vieille Vignes von der Domaine Cornulus, S. Reynard und D. Varone in Saviese, und der zweite ein Johannisberg 2007 Cave Ardévaz, Michel Boven in Chamoson. Es folgte die zweite Serie Weissweine, diesmal halbverdeckt, d.h. man sah die Flaschen mit den Rebsorten, musste diesen aber das richtige Glas zuordnen. Obwohl diese Aufgabe leicht schwerer schien, wurde auch sie von vielen Teilnehmern gelöst. Im Glas eins der Heida 2007 von der St. Jodern Kellerei in Visperterminen, strohgelbe Farbe, ausserordentlich feines, delikates Bukett mit Aromen von Lindenblüten, Honig und exotischen Früchten. Im Gaumen körperreich mit einer leichten Süsse und einem lang anhaltenden Abgang. Im Glas zwei ein Petite Arvine 2007, Cave de l'Etat du Valais, Leytron. Tiefgelbe Farbe, in der Nase fruchtig, Aprikose, Mango, Veilchen, im Gaumen kräftig und ausgewogen, mit Finesse und Komplexität, im Abgang deutlich spürbar die sortentypische leicht salzige Note. Runde drei: diesmal zwei Rotweine, die wiederum blind zu verkosten waren, und auch diesmal wieder mit gutem Ergebnis. Der erste Wein: mittleres jugendliches Rubinrot, das Bukett fruchtig, Aromen von roten Beeren, Himbeeren und Erdbeeren, gut strukturierter Körper, feine Tannine, langer Abgang mit leichtem Bittermandelton, unverkennbar ein gut gelungener Pinot Noir, Jahrgang 2007 Caves Ardévaz, Michel Boven aus Chamoson. Im zweiten Glas, schwerer zu erkennen, ein Humagne Rouge 2007 von der Domaine Cornulus in Saviese. Schönes Purpurrot, in der Nase Zwetschgenaromen und Gewürznoten, samtfruchtig im Gaumen, fein strukturierte Tannine, ausgewogen, harmonisch im Abgang. Ein schöner sortentypischer Wein. Die vierte Runde wurde wieder halbverdeckt eingeschenkt. Es galt diesmal herauszufinden in welchem Glas der Syrah neben zwei Cornalins zu finden war. Wieder war es fast die Hälfte der Anwesenden, die richtig tippte. Es war das Glas eins: Syrah "Les Cigalines" 2007 von der Cave la Sisseranche, M. U. X. Giroud aus Chomoson. Tiefe, ins violett spielende Farbe, feines Bukett mit Aromen von schwarzen Kirschen, schwarzem Pfeffer, leichte rauchig-röstige Note, vollmundig, harmonisch strukturiert, feine Tannine, mit langem aromatischem Abgang. Im Glas zwei ein Cornalin 2007 aus der Cave des Bernunes von Nicolas Zufferey in Sierre. Schwarzbeeren-Bukett sowie Heidelbeeren, Brombeeren und Sauerkirschen, trotz spürbarer Holzaromen samtig und weich im Abgang. Und im dritten Glas schliesslich ein Cornalin 2006 aus der Cave de l'Etat du Valais in Leytron. Reiches vielschichtiges Bukett, Sauerkirschen, Anis, dunkle Konfitüre und Schokolade, fruchtig, im Gaumen ausgeglichen und elegant, lang im Abgang. Und dann zum Schluss: "ConfidenCiel". Ein Wein der anlässlich des 10. Jahrestages der Charta Grain Noble, aus Trauben des Jahrgang 2005 hergestellt wurde. Jeder der 20 Erzeuger hat dazu 20 Liter aus seiner besten Barrique beigesteuert. So wurden aus den Rebsorten Arvine, Amigne, Malvoisie und Johannisberg 500 Flaschen eines edelsüssen Weins erzeugt, der durch ein sehr intensives Bukett mit Aromen von kandierten Zitrusfrüchten, eine einzigartige Balance zwischen Süsse und Säure sowie durch eine unübertreffliche Eleganz besticht.

Ein grossartiger Höhe- und zugleich Schlusspunkt eines gelungenen und interessanten Anlasses, würdig zum 50-jährigen Jubiläum unserer Gesellschaft.

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