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Jahrgangsvergleichdegustation Bündner Herrschaft – Weinbruderschaft

Jahrgangsvergleichdegustation Bündner Herrschaft

Aus Weinbruderschaft

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mit Gian-Battista von Tscharner

Mit Vergnügen erinnern wir uns an die denkwürdige Degustation im März vor zwei Jahren, als uns Gian-Battista von Tscharner auf seine unnachahmliche, originelle Art Weine aus der Bündner Herrschaft vorstellte. Es war ein echter Genuss den kompetenten und sehr pointierten Ausführungen des sprachgewaltigen Bündners zu folgen. Das Publikum war begeistert und so stand auch bald einmal fest, dass dieser Abend eine Fortsetzung haben soll - und das ist nun soweit.Konnten wir damals diverse Weine von verschiedenen Produzenten aus der Bündner Herrschaft verkosten, so erwartet uns diesmal etwas Neues: Eine Degustation von Weinen aus ein und demselben Weingut, aber mit Gewächsen aus verschiedenen Terroirs. Und ein Quervergleich verschiedener Jahrgänge dieser Weine wird diesen Anlass besonders spannend machen.

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„Liebe und Leidenschaft brauchen Zeit und verlangen Geduld“. Diese Worte stammen von unserem Referenten Gian-Battista von Tscharner. Er ist ein vielseitiger Mensch, der die Kontraste liebt und bei dem alles was er macht aus Freude und Leidenschaft geschieht, so auch die Bewirtschaftung seiner rund fünf Hektaren Reben in Maienfeld, Jenins, Chur und Felsberg. Er keltert die ganze Palette der im Bündnerland angebauten Sorten und liebt es Spezialitäten in kleinen Mengen zu erzeugen, was finanziell wohl nicht so attraktiv ist, aber um so mehr Freude bereitet. Seine Blauburgunder sind farbintensive Rotweine von einzigartigem Extrakt- und Tanninreichtum. Von Tscharner bereitet sie in offener Maischegärung. Alle ein bis zwei Stunden fährt er dann mit einem langen Holzstock in die Gärtanks und taucht den Tresterhut unter: Das Ergebnis lohnt die Mühe, tiefstrote Weine, die er oft erst nach zwei bis drei Jahren in Flaschen abfüllt. „Man darf den Wein nicht zu früh ins Glas zwingen“ lautet seine Philosophie. Dass er damit richtig liegt erwies sich 1990 an einer internationalen Burgunderdegustation, wo sich sein Jeninser Blauburgunder des Jahrgangs 1988 unter fünfmal so teuren Abfüllungen in der Spitzengruppe einordnete, eine Sensation, die Gian-Battista nicht nur Freunde schaffte. In einem Interview nach seinem Lieblingswein gefragt, antwortet er: Einen Lieblingswein habe er nicht. „Ich liebe sie alle. Je nach Lust, je nachdem wie man sich fühlt und abgestimmt auf das Essen, gibt es immer wieder neue Lieblingsweine“. Das sei durchaus mit den eigenen Kindern vergleichbar. Eine Antwort darauf, wer das Lieblingskind sei, könne es nicht geben. „Aber dafür gibt es echte Hightimes. Für mich gehören dazu: ein reifer französischer Vacherin und ein wunderbarer Pinot Gris, oder ein alter Bündner Rotwein...“.Soviel zu unserem Referenten, wenn Sie noch mehr erfahren wollen, kommen Sie an die Degustation. Sie können versichert sein, diesen Abend werden Sie nicht so schnell vergessen. Es erwartet Sie ein voller Genuss für Nase, Gaumen, Augen und Ohren.Ich freue mich auf Ihr Erscheinen


Rückblick

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Letzter Wintertag im Jahr 2003 im malerischen Städtchen Zofingen: Die Weinbruderschaft St. Martin hält «Hof» im Stucksaal des Hotel Zofingen und zwar mit keinem geringeren als dem berühmten Schlossherrn vom Schloss Reichenau, Gian-Battista von Tscharner und seiner Gattin.


Volle Konzentration in der Vorbereitung der Weine, die teilweise noch dekantiert werden wollen, aber auch volle Konzentration auf die Gedanken und Worte, die bald klangvoll Gestalt annehmen werden. Während an die hundert Mitglieder der Weinbruderschaft St. Martin zu Zofingen die Tischreihen füllen, sich fröhlich unterhalten, plaudern und scherzen, bereiten die Stubenräte ihren Teil vor. Und Gian-Battista blättert im Gedichtband bis Stubenmeister Willi Spürgin die Veranstaltung mit der Begrüssung eröffnet.

Philosophisch und mit sonorer Stimme beginnt der Schlossherr seine Ausführungen. Er erzählt zuerst eine spannende Geschichte über das Alter und wie wir meist mit ihm umzugehen pflegen. Seine vor 20 Jahren erlebte Geschichte mit der 91-jährigen Frau im Engadiner Altersheim stimmt nachdenklich. Aeltere Menschen brauchen oft Geduld. Zuhören und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, eröffnet neue ungeahnte Welten. Aehnlich halten wir es mit dem Wein. Älterer Wein braucht ebenfalls Geduld. Auch ihm muss «Zeit» gegeben werden, damit er sich uns eröffnen kann. «Was glauben Sie, wie Sie aussehen würden, hätten Sie die letzten 10 oder 15 Jahre in der Flasche gehöcklet?»


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Aus von Tscharners Schlosskeller stehen Blauburgunder der Bündner Herrschaft aus seinen Jeninser und Churer Lagen bereit. Die Jahrgangsdegustation beginnt mit den Blauburgundern 1988, 1997, 1998, 1999, 2000 und 2001 aus Jenins in aufsteigender Reihe und mit den Churern 2002, 2000, 1999, 1998, 1996 und 1993 in absteigender Folge.

Gian-Battista ist Weinbauer mit Leib und Seele und er erzählt von seinen Weinen wie von seinen Kindern. Er will keine analytische Ausführungen machen, mit Oechslegraden, Alkoholgehalt und Säuregrammen um sich schlagen – nein wir wollen diese Weine ganz einfach betrachten, insbesondere die Sekundäraromen, welche durch die Gärung vom Traubengut in den Wein gelangen. Alle seine Weine wurden nicht in Barriques, jedoch im grossen Holzfass ausgebaut bevor sie nach Befinden des Meisters auf die Flasche gezogen wurden. Auch hier muss dem Wein Zeit gegeben werden und es kann bis zu drei Jahre dauern ehe er in die Flasche kommt. In der Flasche gelagert und nun im Glase funkelnd, entfalten diese Farbtöne von sattem Rubin bis dunklem Ziegelrot und zeigen in der Nase Düfte von Cassis, Kirschen, Brombeeren und Erdbeeren. Im Gaumen finden wir saftige, beerige und elegante Komponenten mit filigraner bis kräftiger Struktur, weichen Tanninen und unterschiedlich langem Abgang. So nuanciert wie sich die Jahrgänge präsentieren, so unterschiedlich sind auch die Empfindungen der einzelnen Teilnehmer. Die Jahrgangstypizität kommt stark nach dem Wetter und den Witterungseinflüssen. So wird der 1998er in der Bündner Herrschaft als einfacher, aber interessanter Jahrgang, der 2000er als einer, der eine rasante Reife-Entwicklung durchgemacht hat und der 2001er als einer mit grossem Potenzial spezifiziert. 1993er und 1988er entwickeln ihre Vorteile erst nach einiger Zeit im Glas, zeigen sich dann aber von der schönsten Seite! Fazit: es ist sehr schade, wenn hervorragende Bündner Herrschafts-Weine zu jung getrunken werden!

«Die schönste Reife im Wein ist dann erreicht, wenn alles abgeklärt ist und Gelassenheit einkehrt! Also sind nicht die aufgedruckten technischen Daten für Jahrgang, Alkohol- und Säuregehalt hauptsächlich massgebend, sondern der degustative Reifegrad eines Gewächses. Wäre beim Menschen der IQ auf der Stirne gedruckt, würde das wohl kaum allein für seine Qualitäten der Menschlichkeit sprechen!» sagt Gian-Battista von Tscharner, der Mann dessen Reben Teil seines Lebens sind und der bekannt ist als «der mit dem Weine spricht...»!

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