Halbtagesausflug ins Baselbiet

Aus Weinbruderschaft

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Rückblick

Zofinger Gesellen und Magister vini im Baselbiet

Mit «Tüü-taa-too» Oldtimer Postauto ins Baselbiet zu „Syydebändel“ Produzenten. Herkunft der Syydebändel Weine. Verkostung von speziellen Weissweinen „Bacchus“ und „Ortega“.

Am Samstag, 17. August 2019 reisten Zofinger Gesellen und Magister vini mit dem «Tüü-taa-too» Postauto Oldtimer, Typ Saurer 1963, ins Baselbiet. Mit einer maximalen Geschwindigkeit von 65 km/h wurde klar, dass die Autobahn ein no go war mit dieser Geschwindigkeit. Von Zofingen führte uns die Landstrassen Route über den Hauenstein, Bergwärts mit 35 km/h, zu unserem ersten Ziel, dem Weinbau Zelglihof in Sissach. Einen Apéro zur rechten Zeit in den Reben ist schon ein wunderbares Ereignis. Der Apéro begann mit einem wunderbaren frischen und fruchtigen „Riesling-Sylvaner“. Gefolgt von einem beinahe lieblichen aber kräftig runden und nussartigen „Kerner“. Diese Rebsorte wurde in der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau, Weinsberg im Jahre 1929 aus der Roten Traubensorte Trollinger und der weissen Traubensorte Riesling durch den Rebzüchter August Herold gekreuzt. Zum Abschluss des Apéros im Rebberg servierte uns Dani Wiedmer seine Kreation von „Chardonnay“, welcher durch seine feine, lebendige Frucht und Fülle begeisterte. Zwischen den Weinen folgten die Weinfreunde gespannt den Informationen von Dani Wiedmer über die Geschichte des Zelglihofes. Getreu der Zelglihof Ziele erfolgt nach wie vor die Kelterung bei einem externen Kelterer im Baselbiet. Erstmals auf den Baselbieter Weingeschmack gekommen und die Philosophie des Zelglihofes verstanden, wechselten wir zum Imbiss in die wunderbare Gartenwirtschaft. Bei einer Wildsaubratwurst mit Garnitur verkosteten wir die Rotweine. Begonnen mit einem klassischen „Blauburgunder“. So richtig leicht und süffisant mit feiner Aromatik passte der Wein gut zum Imbiss. Etwas kräftiger präsentierte sich der servierte „Regent“ mit seinen typischen Kirsch- und Brombeernoten mit samtigen Tanninen. Mit dem darauf folgenden „Malbec Nicola“ holte der Zelglihof die Zofinger Weinfreunde völlig ab. Mit dem fast lilaschwarzen Malbec mit würziger Aromatik und fruchtigem Auftakt nach Pflaumen- und Tabak bestätigte der Gaumen diesen feinen Tropfen. Zum Abschluss dann das Paradepferd ein „Pinot Noir Sélection Syydebändel“ mit fruchtigen Beerenaromen gepaart mit einem weichen lieblichen und harmonischem Abgang. Die Hintergründe zum „Syydebändel“ erklärte uns Dani Wiedmer, Präsident des Syydebändel Vereins wie folgt: Zwölf Nordwestschweizer Winzer hatten die Idee im 2000 einen Regionalen Wein aus dem Baselbiet zu produzieren mit der bestmöglichen Qualität der Weine und eine bessere Bekanntheit der Weinregion in der Weinszene zu erlangen. Heute pflegen noch acht Weinbauern an bester Lage Reben nach strengen Vorgaben des Vereins – z.B. werden die Trauben zur Hälfte kupiert, um eine möglichst hohe Konzentration der Trauben zu erreichen. Martini gilt als Stichtag für die Ernte, der Syydebändel ist eine echte Spätlese. Gekeltert wird das hochwertige Traubengut bei der Siebe Dupf Kellerei, Liestal. Wie entstand der Name Syydebändel. Ein geflügeltes Wort im Baselbiet hiess: „Mer posimente, dass mer vermööge z’buure, und mer buure, dass mer vermööge z’posimente“. Beinahe in jeder Bauernstube stand in den 1930-er Jahren ein Webstuhl. Die Seidenbandweberei „Posimenti“ trug einiges zur Verbesserung des spärlichen Einkommens der Landbevölkerung bei. Wer keinen Webstuhl zu Hause hatte, suchte Arbeit in den Bandfabriken im Baselbiet. Zu ehren dieser dazumal wichtigen Einnahmenquelle bezeichneten die aktiven Rebbauern diese Weine „Syydebändel“. Zum Abschluss unseres Besuches auf dem Zelglihof servierten Ramona und Dani Wiedmer ein Stück Linzer Torte mit einem leckeren kühlen weissen Süsswein, mit dem traumatischen Namen „Zelgli Träumli“.

So gemütlich unter Weinfreunde, vergisst man gerne die Zeit! Unser Fahrplan war bereits etwas in Verzug. Mit dem Oldtimer die verstrichene Zeit aufzuholen war keine Option, trotzdem versuchten wir es möglichst schnell zum Weinbau und der Rebschule Löw in Buus. Zu unserer Entschuldigung meinte Fredy Löw, jetzt muss ich halt noch schneller sprechen! Einmal auf dem Vorplatz draussen Platz genommen, überraschten uns ein paar Regentropfen und verdünnten uns den ersten Weisswein ein „Buuser Riesling-Sylvaner“. Ein frischer spritziger Weisswein mit leichtem Muskat-Bouquet und erfrischenden Zitrusfrucht - Aromen. Mit markigen Worten erklärte Fredy Löw die Geschichte zum Weingut Löw. Ursprünglich in Biel-Benken beheimatet entstand dort die grosse Liebe zu den Reben. Nach dem Umzug im 1977 nach Buus ins Rebanbaugebiet ‚Berg’ bewirtschaftet Weinbau Löw 3 ½ ha Reben. Mit den Rebbergen in der Heimatgemeinde Biel-Benken bewirtschaftet das Weingut insgesamt 4.8 ha. Davon sind ca. 60% der Anbaufläche mit Rotweintrauben wie Blauburgunder, Zweigelt, Regent usw. bepflanzt und auf der restlichen Anbaufläche gedeihen Weisse Rebsorten wie Riesling-Sylvaner, Gutedel, Bacchus, Ortega, Nobling etc.. Über 50 Jahre sind es her, seit der Gründer Ernst Löw den Weinbau Löw, die ersten Setzlinge veredelte und in der ganzen Schweiz vermarktete. Auch heute Garantiert die Rebschule Löw Rebensetzlinge in höchster Qualität zu produzieren. Das Rebensortiment umfasst die bekannten Keltersorten und Spezialitäten, sowie diverse Neuzüchtungen wie interspezifische Traubensorten und Tafeltrauben, auf sieben unterschiedlichen amerikanischen Unterlagsreben, welche aus dem Ausland zugekauft werden. Hingegen wachsen die aufgepfropften Edelreben alle bei Weinbau Löw im Rebgarten und garantieren den Ursprung und die Echtheit der Rebsorte. Auf Bestellung veredelt Fredy Löw sogar ihre eigene Edeltraube auf die gewünschte Unterlagsrebe.

Genug Geschichte, Fredy Löw serviert uns einen weiteren Weisswein. „Bacchus“! Schon einmal probiert? Ein sehr fruchtiger Wein mit vielschichtigem, an Äpfel, Birnen und Ananas erinnernden Bouquet mit angenehmem Muskatton. Sein gehaltsvoller Abgang macht ihn zu einem schönen vollen Weisswein. Wie kommt denn diese Rebsorte, mit einem Gott als Paten, ins Obere Baselbiet? Fredy Löw, Winzer aus Leidenschaft, gab dieser weissen Traube, aus einer Kreuzung von Sylvaner x Riesling und Müller-Thurgau eine Chance, da sie eine frühreifende Rebsorte ist, die sehr hohe Reifegrade erreicht und in Lagen angebaut werden kann, die für den Riesling weitgehend ungeeignet sind. Im Jahre 1933 entstand diese Rebenzüchtung im Geilweilerhof, Deutschland. Ihre Zulassung in erfolgte im Jahr 1961 mit dem Eintrag in die Sortenliste. Die Rebsorte wird vor allem in Deutschland und in England angebaut. In der Schweiz sind ca. 2,3 ha angebaut im Aargau, Baselland, St. Gallen, Thurgau, Wallis und Zürich.

Ein weiterer Weisswein mit dem Namen „Ortega“ stellt uns Fredy Löw vor. Ein voller runder Wein mit feiner Aromatik mit einer angenehmen milden Säure und einem ausgeprägten Körper. Die Weissweinsorte Ortega wurde 1948 an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim aus Müller-Thurgau x Siegerrebe (Siegerrebe = Madelaine angevine x Gewürztraminer) gekreuzt. Die Sorte Ortega wurde dem Philosophen José Ortega y Gasset gewidmet. Der Eintrag in die Sortenliste erfolgte im Jahr 1971. Die Traubensorte Ortega ist vor allem in Deutschland zuhause. Durch ihre frühe Reife ist sie auch im südlichen Grossbritannien anzutreffen.

Wir wechseln zu den Rotweinen. Als erstes wie kann es anders sein, ein Blauburgunder. Ein typisches Pinot Noir Rot mit leichten Blau - Reflexen sprechen für die Jugendlichkeit dieses Rotweins. Das Bouquet erinnert an Himbeeren und rote Kirschen. Die Säure ist gut eingebettet und steht in schöner Harmonie mit den sanften Gerbstoffen, mit einem mittleren bis langem Abgang.

Es folgt eine Rarität von Frey Löw, Zweigelt. Der Wein präsentiert sich mit violett-rötlicher Farbe, mit viel Frucht nach Weichselkirsche, getragen von einer attraktiven Säure und begleitet von weichen Tanninen. Ein feiner Tropfen aus dieser Gegend. Leider gibt es nur wenige Flaschen!

Und zum Schluss einen Syydebändel Pinot Noir Barrique! Die Farbe im Glas Kirschrot, in der Nase zeigt sich eine dezente Lieblichkeit nach reifen Früchten, leichter Vanillenote, im Gaumen weich mit gut eingebundenen Tanninen und Säure. Ein toller Wein präsentiert die Arbeit der Weinbauern und Repräsentant des Baselbietes!

Kurz nach der Berichterstellung erreichte uns die folgende Nachricht:

Grossartige Resultate an den Decanter World Wine Awards 2019 Der Syydebändel Pinot Noir Barrique 2016, eine Gemeinschaftsproduktion von acht regionalen Winzern des Vereins Syydebändel (www.syydebaendel.ch), welcher in der Siebe Dupf Kellerei in Liestal gekeltert wird, wurde mit sagenhaften 95/100 Punkten bewertet und mit Gold ausgezeichnet.

Mit vielen neuen Eindrücken und tollen erstmaligen verkosteten Weinen sowie grossem neuen Fachwissen reisten wir, leider mit Verspätung aber grosser Zufriedenheit, gemütlich aber einmalig mit dem «Tüü-taa-too» über den Hauenstein zurück nach Zofingen.


Postauto 1a 20190817.jpgRebbergPostauto 01a 20190817.jpgWeinberg 1a 20190817.jpg
   Essen 1a 20190817.jpg     Saurer 02a 20190817.jpg    Trauben 01a 20190817.jpg    Vik 01a 20190817.jpg
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