Entdeckungen in Spanien

Aus Weinbruderschaft

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So beschaulich wie zu Goyas Zeiten geht es im spanischen Weinbau heute nicht mehr zu. Leider?

Lange Zeit schliefen die bis anhin in Belangen des Weines eher konservativ und selbstzufrieden eingestellten Spanier den Schlaf der Gerechten. Doch aufgerüttelt durch den Erfolg des mediterranen Nachbarn Italien, welcher in den letzten Jahrzehnten eine wahre Weinrevolution erlebte, sind die Iberer aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und haben sich von einer frischen Weinleidenschaft beseelen lassen. Heute haucht eine junge innovative Winzergeneration, insbesondere in kleinen bislang eher unbekannten Regionen, dem Weinbau neue Ideale ein: Qualität, reife Frucht, Geschmeidigkeit und Terroir. Ganz nach dem Vorbild aktueller Weine aus Europa und Übersee.

Diese Efforts tragen bereits Früchte. Wirtschaftlich schwach entwickelte Regionen profitieren von der Dynamik und Reisende in Sachen Wein beleben auch das Gastgewerbe. Die innerspanische Konkurrenz aus Sonomontano, Ribero del Duero, Rueda, Rias Baixas usw. haben der bislang bedeutendsten, klassischen Weinregion Rioja tüchtig eingeheizt. Spanien hat mit 1,2 Mio. ha die grösste Rebfläche der Welt, steht aber mit 30 Mio. hl in der Weltproduktion trotzdem nur an dritter Stelle. Das sehr trockene Klima lässt keine höheren Erträge zu, im Durchschnitt sind es 27 hl/ha.

In Spanien wurde die Rebe schon 3000 v. Chr. kultiviert und heute praktisch im ganzen Land Rebbau betrieben. Es wird auf einheimische Rebsorten wie Tempranillo und Garnacha gesetzt und ein Grossteil der Weine in Holzfässern aus amerikanischer Eiche ausgebaut. Das erwähnte Rioja war das erste Qualitätsweinbaugebiet des Landes mit internationalem Renommee, obwohl es nur gerade 4% der spanischen Wein-Produktion ausmacht. Spanien ist - aus den dargelegten Gründen - heute wohl das interessanteste Land Europas für Neuentdeckungen von qualitativ hochstehenden Weinen zu moderaten Preisen.

Entdecken Sie unter der Leitung eines ausgewiesenen Kenners dieses Gebietes, vielleicht für Sie bisher unbekannte Kostbarkeiten. Der Stubenrat lädt Sie herzliche ein zum Vortrag mit Degustation «Weine aus Spanien».


Inhaltsverzeichnis

Rückblick

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Spanien neu entdecken?

Das Land mit der grössten Rebbaufläche der Welt rangiert in der Weinproduktion mengenmässig dennoch nur an dritter Stelle. Bedingt durch die klimatischen Gegebenheiten, die bis vor wenigen Jahren eher konservativen Einstellungen und die «Macht der Gewohnheiten» veränderte sich während Jahrzehnten sehr wenig. Erst mit dem EU-Beitritt, den neuen Vorschriften und dem Zustrom von EU-Geldern hat sich in eine stille Revolution in Gang gesetzt. Heute ist Spanien für Neuentdeckungen von qualitativ hochstehenden Weinen zu moderaten Preisen wohl das interessanteste Land Europas.

Urs Fischer, Oenologe und Weinfachmann mit langjähriger Erfahrung, vor allem auch in Spanischen Weinen, verstand es hervorragend die eindrückliche Entwicklung, die sichtbaren Veränderungen, die verbesserten Traditionen und den aktuellsten Stand aufzuzeigen. Dabei möchte er die heutigen Fakten als Momentaufnahme wissen. Er ist überzeugt, dass auch in den nächsten Jahren noch für einige positive Überraschungen gesorgt sein wird.

In seinem Vortrag mit Degustation konzentrierte er sich auf Gewächse aus den nördlichen Regionen, welche im Gegensatz zum Süden dank gemässigtem Klima auch höher qualifizierte Weine hervorbringen. In der Schweiz sind natürlich seit jeher Rioja-Weine ein Begriff, eine Provenienz mit langjähriger Export-Erfahrung, die erstaunlicherweise nur gerade 7 % des spanischen Weinvolumens ausmacht. Im Norden finden sich denn auch die interessantesten und fulminantesten Entwicklungen. Traditionell setzt Spanien auf die zahlreichen einheimischen Rebsorten. Die Weissen sind meistens Arién, Albariño, Palomino, Viura, Verdejo, Macabeo, Moscatel, aber auch Chardonnay und Sauvignon. Bei den Roten ist Tempranillo die wichtigste und Garnacha die häufigste Sorte. Daneben gibt es aber auch noch Monastrell, Mazuela, Mencía, Graciano wie auch Cabernet Sauvignon, Merlot und unzählige mehr. Die meisten Weine werden im Holzfass ausgebaut, teils in amerikanischer, teils in französischer Eiche.


Klassierungen

Die 1.2 Mio. ha Rebflächen sind über das ganze Land verteilt und es wird unterschieden zwischen Gebieten, welche Weine mit «DO», «DOCa» oder Tischweinen produzieren. Vor 1972 gab es noch keine Klassifizierung der Weingebiete. Denominación de Origen (DO) kam als erste überhaupt im Rioja vor (Export lässt grüssen) und die Denominación de Origen Calificada (DOCa) gibt es im Rioja seit 1991. Diese Region wird unterteilt in die am höchsten gelegene Rioja Alta, die Rioja Alavesa und die Rioja Baja. Die Weine werden nach Marken benannt und kennen somit keine Lagenbezeichnung. So kennen wir z.B. Bordón, Conde de Valdemar oder Marques de Cacerès. Innerhalb der DO und DOCa unterscheidet die Klassifizierung zwischen den Qualitäten «Crianza» (2 Jahre gelagert, davon 6 Monate im Eichenfass (bei Rioja gar 12 Mte)), «Reserva» (3 Jahre, davon 12 Monate im Eichenfass) und «Gran Reserva» (5 Jahre und mindestens 24 Monate im Eichenfass). Bei der Gran Reserva werden nur aussergewöhnliche Jahrgänge oder beste Lagen in Frage kommen, um dabei ein wirklich befriedigendes Resultat zu erzielen. Die Gefahr der Oxydation ist erhöht. Die Rioja-Weine haben in der Schweiz einen hohen Stellenwert. Neuste Entdeckungen sind jedoch Weine aus den Regionen Penedès, Rueda, Cariñena, Somontano, Bajo Aragón, Valduero und Pla de Bages. Ganz wichtig, und für viele ungewohnt, war zu erfahren, dass die Weine in Spanien unter einer «Marke» verkauft werden und nicht wie in anderen Weinbauregionen nach der «Lage» bzw. Ortschaft benennt werden.


Palette der Entdeckungen

Die besprochenen Weine reichten vom spritzig, rassig eleganten Schaumwein «Cava Torreblanca Extra Brut Reserva Vintage, 1999», über den goldgelben, nach Passionsfrucht erinnernden, sehr eleganten «Rueda Verdejo DO Señorio de Garci Grande, 2002» und den herrlichen Weissen, nach Zitrusdüften riechenden, rassigen, sehr schön strukturierten «Rias Baixas DO Pazo de Villarei, 2001». Den Reigen der Roten eröffnete der nach Vanille, Gewürznelken und Kirschen duftende «Cariñena DO Monasterio de las Viñas Reserva, 1998», gefolgt vom dunklen, an Cassis erinnernden «Somontano Cabernet Sauvignon DO San Marcos, 2000» und dem in der Nase nach reifen Früchten riechenden, in französischer Eiche ausgebautem «Venta d’Aubert tinto Vino de la Tierra, 1998», welcher nebst Garnacha auch Cabernet Sauvignon, Merlot und etwas Syrah beinhaltet. Der «Rioja DOCa Rincon de Navas Crianza, 1998» aus 100 % Tempranillo bestehend, begeistert den Rioja-Liebhaber erneut. «Pla de Bages DO Abadal Reserva „3.9“, 1999» ist in seiner Art ein eher untraditioneller, moderner spanischer Wein mit 85 % Cabernet Sauvignon und 15 % Syrah Anteil. Den Abschluss bildeten «Ribera del Duero DO Valduero Reserva, 1996» ein sehr bekömmlicher, eleganter Wein mit sehr schöner Struktur, weich und saftig mit viel Kraft und Extrakt und der «Toro DO Gran Muruve Reserva, 1996» mit einer süsslichen Nase, an dunkle Schokolade erinnernde Duftnote, breit gefächert und reich, im Abgang lang anhaltend.

Alle Anwesenden kamen in den Genuss eines lebhaft vorgetragenen, spannenden Referates, welches durch die sehr informative und abwechslungsreiche Präsentation untermalt wurde. Urs Fischer begeisterte die Teilnehmer mit seiner kompetenten und sehr sympathischen Art. Er übermittelte nicht nur höchst interessantes Fachwissen, sondern auch seine ehrliche Begeisterung für die Neu-Entdeckungen in Spanien! Im Namen des Stubenrates ganz herzlichen Dank für den Super-Anlass!

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