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Die Weltreise der Merlot-Traube – Weinbruderschaft

Die Weltreise der Merlot-Traube

Aus Weinbruderschaft

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Die Merlot-Traube (ampelographisch korrekt: Merlot noir) wird erstmals Ende des 18. Jahrhunderts im Bordeaux erwähnt, ist jedoch bestimmt deutlich älter. Die Bezeichnung Merlot kommt aus der Mundart des Bordelais von merle, kleine Amsel, und soll auf die Vorliebe der Amseln für diese frühreifende Sorte hinweisen. Die engere Heimat des Merlot ist das St-Emilion und das Pomerol mit angrenzenden Gebieten. Seit 1880 wird der Merlot in Italien und ab 1900 im Tessin angebaut, wo er seit 1949 eine Monopolstellung inne hat. In den letzten Jahren trat er seinen Siegeszug in ganz Europa und in Übersee an. 1990 standen weltweit bereits über 100 000 ha Merlot-Reben unter Ertrag.

Die zylindrischen, mittelgrossen, lockerbeerigen und dünnschaligen Trauben haben eine schwarzblaue Farbe. Die Rebe liebt leichte, trockene Böden und ist frostempfindlich. Merlot reift früh und gibt hohe Erträge bei mittlerem Säure- und Alkoholgehalt. Am besten gedeiht er in gemässigten Klimazonen. Bis vor wenigen Jahren gab es kaum Spitzenweine aus reinem Merlot. Auch heute gibt es keine Garantie auf Reinsortigkeit. Die Weine des berühmten Château Pétrus z.B. haben einen Merlot-Anteil von 95%. Je nach Gesetz dürfen bis zu 20% Fremdsortenanteile beigemischt werden.

Der Erfolg der Merlot-Weine fusst auf rigoroser Ertragsbeschränkung, früherer Lesung und längerer Maischung. Generell sind die Weine geschmeidig und körperreich, haben einen mittleren Tannin- und Säuregehalt, eine rubin- bis granatrote Farbe und vielfältige Fruchtaromen.

Fiona Becket sagt treffend: „Cabernet mag überall bewundert werden; Merlot aber wird geliebt. Mit seiner üppigen und samtigen Frucht ist er einer der angenehmsten Rotweine der Welt.“

Das zu prüfen und gegebenenfalls kritisch zu hinterfragen werden Sie bald Gelegenheit haben, wenn uns Urs Aeberhard von den Weinfreunden Sektion Emmental-Aaretal, Merlot aus aller Welt vorstellt und kommentiert.

Freuen wir uns auf eine spannende, vergnügliche und ergiebige Weinexkursion in das Reich des Merlot


Inhaltsverzeichnis

Rückblick

2003spuerginAeberhard.jpg Stubenmeister Willi Spürgin begrüsst den Referenten Urs Aeberhard


Merlots als Haupt- oder Nebensorte hoch- und höchstklassierter Bordeaux sind bekannt. Reinsortige Merlots assoziiert man gegebenenfalls noch mit dem Tessin. Und vielleicht mit Billigweinen aus südlichen Ländern. Tatsächlich werden aber aus dieser Sorte Weine rund um den Globus produziert. Urs Aeberhard von den Weinfreunden Emmental/Aaretal präsentierte am 24. April 2003 im Landgasthof Lerchenhof in Mehlsecken 10 verschiedene Merlot.

Kennen Sie dieses Mund-Gefühl kurz nach dem Zähneputzen? Diesen ekligen, chemischen Geschmack künstlicher Pfefferminze oder Lakritze? Ueblicherweise für einen Weinsnob wie mich kein Problem: ich gurgle und spüle dann meinen Mund mit etwas Château Petrus oder Château Cheval Blanc (beide aus dem Bordeaux und hauptsächlich aus Merlot, Flaschenpreise massiv über Fr. 100.--). Allerdings hat das wirtschaftlich zunehmend widrige Umfeld auch für mich harte Konsequenzen. Es fällt mir etwas schwer, zuzugeben, dass ich für meine "Gurgelorgie" vor einiger Zeit auf eine etwas tiefere Preisklasse umsteigen musste: die Spitzenprodukte von Stucky, Zündel & Co (Winzer im Tessin) müssen jetzt notgedrungen genügen (auch Merlot, Flaschenpreise so zwischen 35 und 60 Franken). Der geneigte Leser mag daraus folgern: Merlot ist für mich (auch) ein Thema.

Internationale Auswahl

Start der Degustation mit einem weissen Merlot aus dem Tessin. Es entspricht wahrscheinlich unserem Zeitgeist und dem heutigen Hang, für jede noch so exotische Marktnische etwas bereit zu halten. Nicht mein Wein. Wenn ein Weisswein, dann tatsächlich aus weissen Sorten. (Es sei denn, es handle sich um Champagner. Aber das wäre eine andere Veranstaltung....) Dann die Rotweine. Im ersten Teil wirklich eine internationale Auswahl: Südafrika, Chile, Australien, Kalifornien. Die Eindrücke bestätigen, was viele Konsumenten bereits wissen, aber trotzdem nicht so richtig wahr haben wollen: diese Weine sind in den allermeisten Fällen keine "handwerklich" bereiteten Produkte. In Weinfabriken werden sie nach genau festgelegten, marktorientierten Plänen entwickelt, industriell produziert und weltweit millionenfach unter das Volk gebracht. Und so schmecken sie dann eben auch: einem möglichst breiten (Cola-geschädigten?) Publikum andienend. Mehr oder weniger zu den heute ebenfalls weltweit austauschbaren Fast Food und Convenience-"Super Menüs" passend. Meine Eindrücke: sauer, dünn, gewöhnlich, sorten-untypisch, plump. Mit anderen Worten: mein persönliches Leidensbedürfnis wurde vollumfänglich befriedigt. Drei der Weine wären wenigstens (relativ) preisgünstig zu haben (15.-- bis 18.-- Fr). Es gibt Verkaufsgenies: offensichtlich gelingt es, einen "M. Trinchero" aus Kalifornien für sagenhafte Fr. 27.-- zu verkaufen!

"Highlights"

Ein Nachtrag: "Vigna Catena Lilliano 99" aus der Toskana wurde zwischen "Chile" und "Australien" präsentiert. Vielleicht nicht ein "typischer" Merlot. Aber ein toller, gut gemachter Wein: vollmundig, mit geradezu überbordendem Bouquet, der einen etwas stolzen Preis hat (Fr. 37.--). Auch ein Spanier verdient lobende Erwähnung: der Merlot 97 der Bodegas Ochoa/Navarra hat wirklich einen "Spanischen Touch": Hoher Genuss-Faktor für LiebhaberInnen harmonisch-angenehmer Reifetöne (Fr. 25.--)!

Der "Sonderfall" Tessin

Für viele SchweizerInnen ist "Merlot" gleichbedeutend mit "Tessin". Zu Recht: die Traube ist dort Hauptsorte. Echt Furore haben die Weine aber erst gemacht, seit ein paar Winzer vor etwa 20 Jahren einen Aufbruch gewagt und die etablierten Erzeuger das Fürchten gelernt haben. Namen wie Stucky, Kaufmann, Zündel und Huber deuten darauf hin, dass auch Nicht-Tessiner massgeblich an dieser Revolution beteiligt gewesen sind. Zwei dieser wirklich handwerklich erzeugten Weine waren an der Verkostung zu geniessen: "Pio del Sabato 99" (Fr. 34.--) von Kaufmann und "Orizzonte 98" (Fr. 43.--) von Zündel. Beide ein Erlebnis, wenn auch meine persönliche Präferenz eindeutig dem "Pio del Sabato" galt. Aber das ist Geschmackssache. Bei aller Unterschiedlichkeit zeichnen sich beide Weine durch Eleganz, Vielschichtigkeit und Harmonie aus. Und beide hinterlassen einen bemerkenswert intensiven, langen Nachgeschmack. Hochgenuss pur. Anzufügen ist, dass bei beiden Weinen ein Fremdsortenanteil von etwa 10% zur Harmonie beiträgt. Ein Methode, die von traditionellen Erzeugern im St. Emilion und Pomerol ("Merlot-Hochburgen" im Bordeaux) übernommen worden ist.

"Messlatte" St. Emilion und Pomerol

Auch Snobs (oder gerade diese) zweifeln nicht daran, dass die weltbesten Merlot (immer noch) im Bordeaux erzeugt werden, wo die Sorte ja schliesslich auch ihre Heimat hat. Wie oben erwähnt, überfordert der gnadenlose Prestige- (und damit Spekulations-) Kampf der Spitzen-Château mitunter auch Snobs hoffnungslos: wer kann sich schon öfters Weine leisten, von denen für jede einzelne Flasche bestimmter Jahrgänge mehrere hundert Franken hinzublättern sind? Zum Glück gibt es aber noch eine ganze Anzahl anderer, wirklich hervorragender Erzeuger. Diese wären (auch preislich!) von höchstem Interesse! Leider fehlte an dieser Verkostung ein entsprechendes Muster. Der zum Schluss präsentierte Château "Vieux St. André" aus der einfachen Appellation Montagne St. Emilion konnte bestenfalls ganz bescheidene Erwartungen erfüllen. Mir als Weinsnob bleiben also für das Zahnputzproblem vorerst lediglich die eingangs erwähnten zwei Optionen. Weitere habe ich an dieser Degustation nicht finden können. Leider!

Nachtrag

Liebe Leserin, lieber Leser Vergessen Sie alles, was Sie gelesen haben: es war eine Super-Degustation mit super Weinen! Der Artikel ist lediglich ein penetranter Versuch eines Weinsnobs, die Aufmerksamkeit auf sich zu richten und sich ein weiteres Mal unbeliebt zu machen. Danke für Ihre Nachsicht. Ueli, der Weinsnob (richtiger Name der Redaktion bekannt).

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