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Château Villars – Weinbruderschaft

Château Villars

Aus Weinbruderschaft

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Vertikaldegustation Château Villars

Der Stubenmeister schreibt:

Liebe Weinfreundinnen und Weinfreunde

Vertikaldegustationen gehören in Weinkreisen zu den aufschlussreichsten Veranstaltungen. Dabei werden verschiedene Jahrgänge des gleichen Gewächses miteinander verglichen. Solche Verkostungen geben einerseits Auskunft über die Fortschritte des Winzers im önologischen Bereich und zeigen andererseits auf, wie sich ein Wein im Laufe der Zeit entwickelt hat. Dabei kann es sehr aufschlussreich sein den Einfluss, die - neben den klimatischen Gegebenheiten bei Wachstum und Reife der Trauben - die diversen Komponenten, welche die Struktur und den Charakter des Weines bilden, in ihrer jahrgangs-abhängigen Zusammensetzung aufzuspüren und nachzuvollziehen. Unterschiede wie sie durch die verschieden hohen Anteile der Traubensorten entstehen, wenn z.B. der Merlot-Anteil 61 oder 84% beträgt, beim CF 11 oder 37 % und beim CS zwischen 0 und 11 % schwankt. Welcher Einfluss ergibt sich aus der Dauer der Maischegärung von 23 oder 30 Tagen? Wie wirkt sich unterschiedliche Dauer des Ausbaus im Barrique aus? Auf diese und weitere Fragen können Sie bei dieser Vergleichsdegustation Antwort finden.

Ich wünsche Ihnen dazu viel Vergnügen Willi Spürgin, Stubenmeister

Hier noch einige interessante Informationen zum Château Villars, dessen Weine wir am 12.09.2008 geniessen dürfen:

Château Villars

Die Weine der Region Pomerol sind hervorragend - und sehr, sehr teuer! Viele Güter dort profitieren von der hohen Reputation des Flaggschiffes Château Pétrus, ohne aber den hohen Ansprüchen gerecht zu werden. Die Nachbar-Appellationen von Pomerol - Fronsac und Canon-Fronsac - weisen ähnliche Böden wie Pomerol auf. Hier gedeiht die Merlottraube aufs Beste, und die Winzer arbeiten genauso gewissenhaft wie ihre berühmten Nachbarn. Wahre Aschenputtel mit einem großartigen Preis-/ Leistungsverhältnis findet man unter den führenden Erzeugern Fronsacs, wie z.B. Château Villars, seit 6 Generationen im Besitz der Familie Gaudrie. Thierry Gaudrie, gelernter Önologe, hat von seinem Vater die Alleinverantwortung für die 29 ha Rebfläche des Musterguts übernommen. Alle Rebflächen (70 % Merlot, 20 % Cabernet Franc, 10 % Cabernet Sauvignon) haben Südwestausrichtung, die Rebstöcke sind im Schnitt 35 Jahre alt, die ältesten sogar 75. Um den Ertrag niedrig zu halten, wird im Juli die Hälfte der Trauben abgeschnitten. Jede Rebsorte und jede Parzelle werden getrennt gelesen, vollständig entrappt, separat vinifiziert und ausgebaut. Die Gärung findet bei 30°C in Betontanks statt und dauert 3-4 Wochen, dann reift der Wein 12 Monate lang in Barriques (davon 30 % neue, 30 % einjährige). Er wird mit Hühnereiweiss geklärt, aber nicht filtriert. Dies erklärt die tiefdunkle Farbe, seinen hohen Extraktgehalt und die fleischige Fülle der Weine. (Text: VIF Weinhandel-Zentrale).

Vertikaldegustationen mit einer so grossen Anzahl Weinen derselben Provenienz sind äusserst selten, denn bei wem ausser dem Produzenten oder privaten Sammlern lassen sich solche Serien noch finden? Und so liegt es auf der Hand, dass die Beschaffung der entsprechenden Weine auch die grösste Schwierigkeit für einen solchen Anlass bietet. Dass wir heute Abend 10 aufeinanderfolgende Jahrgänge Château Villars verkosten können verdanken wir der Initiative von Evelyne und Max Gloor, aus deren Sammlung die Weine stammen. Wie die beiden auf diesen nicht gerade alltäglichen Wein gekommen sind, lassen wir uns am besten von Max selber erzählen:

"Mein Hobby, die Fliegerei, bringt es mit sich, dass Evelyne und ich regelmässig Ferienflüge mit "unserem" Flugzeug in alle Himmelsrichtungen planen und durchführen. Dabei hat es uns vor allem auch der Südwesten von Frankreich angetan. Vor allem die Dordogne finden wir eine wunderbare Region und wir haben dort etwas gefunden, was es in Europa eigentlich nur in Frankreich gibt. Ein Bauernhof mit eigenem Flugplatz. Der rührige Agriculteur und natürlich ebenfalls Pilot hat auf seinen Feldern eine Piste angelegt und die Scheune statt für Kühe in Fremdenzimmer umgewandelt. Das so entstandene Aus(flugs)ziel liegt in der Nähe von Bergerac. Man stelle sich sowas mal in der Schweiz vor!!!!!!

1996 oder 1997 war es, als wir im Vinum einen Bericht über Château Villars gelesen haben, dessen Weine bezüglich Preis/Leistung hervorragend abschliessen würden. Da die Region Fronsac nur etwa 100 km von unserem Bauernhof entfernt liegt, mieteten wir kurzerhand ein Auto und fuhren hin. Der Empfang und erste Kontakt waren nicht sehr berauschend und einladend. Die alte Dame im Garten, die gerade mit jäten beschäftigt war, öffnete uns nur widerwillig das Tor. Doch liess sie sich dann doch dazu bewegen, uns zumindest eine Flasche zu öffnen und uns zur Verkostung derselben einzuladen. Wir waren beeindruckt und bestellten einen ersten 12er Carton. Da wir mit dem Flugzeug dort waren, konnten wir den Wein leider nicht sofort mitnehmen. Ein Grund mehr, ein Jahr später - diesmal mit dem Auto - wieder hinzufahren. Mittlerweile haben wir so 10 Jahrgänge lückenlos im Keller eingelagert.

Seit ein paar Jahren kümmert sich Riegger um den Vertrieb des Villars in der Schweiz. Das vereinfacht die Beschaffung etwas, auch wenn dabei der Reiz der Verkostung im Weinkeller des Châteaus verloren geht und der Preis natürlich auch etwas höher ist als im Weingut selbst abgeholt. Letztmals haben wir Villars im Mai 2007 besucht.

Dies kurz zur "Entstehungsgeschichte" unserer Beziehung zum Château Villars"

Max und Evelyne Gloor


Rückblick

Vertikaldegustation 10 Jahrgänge Château Villars, AC Fronsac


Stubenmeister Willi Spürgin berichtet:

50 Besucher harrten im festlichen Stucksaal des Hotel Zofingen gespannt der Dinge, die da kommen sollten. 10 Weine des gleichen Châteaus standen zur Verkostung bereit. 10 Weine aufeinanderfolgender Jahrgänge, aber eben doch Weine aus den gleichen Reblagen, aus dem gleichen Keller. Wo soll denn da der Reiz zu finden sein? fragte sich sicher mancher Teilnehmer vor dem Abend. Und um es vorweg zu nehmen, die Frage sollte beantwortet werden und zwar auf ganz eindrückliche Weise.

Grosse Verwunderung herrschte gleich zu Beginn der Degustation als der persönlich anwesende Besitzer des Château Villars, Monsieur Thierry Gaudrie - er war extra zu dieser Veranstaltung aus dem Bordeaux angereist - erklärte, dass die Weine nicht in der gewohnten Reihenfolge nämlich jung vor alt, sondern umgekehrt, vom ältesten hin zum jüngsten Jahrgang probiert werden sollen. Der Grund läge darin, erläuterte der Degustationsleiter Herr Lukas Anliker, der Referent, dass die sensibeln, fein entwickelten und reifen Noten in ihrem ganzen Spektrum intensiv, unbeeinträchtigt und so besser wahrgenommen können, als wenn zuvor die jüngeren, noch nicht voll ausgereiften Weine, mit ganz anderen, zum Teil noch starken säure- und gerbstoffbetonten Noten, Zunge und Gaumen stark beanspruchen würden. Ein Vorgehen, von dem man sich gerne überzeugen liess und sicher auch bei anderen Gelegenheiten angebracht und von Vorteil wäre.

ChateauVillarsFlaschen.jpg

Begonnen wurde also mit einem Wein des Jahrgangs 1996 und danach folgten in zweier oder dreier Serien, 9 Jahrgänge in aufsteigender Reihenfolge bis 2005. Und dabei zeigte sich nun, dass die Weine aus dem gleichen Keller eben doch nicht gleich sind, sondern im Gegenteil, es konnten zum Teil markante Unterschiede festgestellt werden. Worauf sind diese Differenzen zurückzuführen? Dies beginnt schon bei den jahrgangsspezifischen Unterschieden im Rebberg, wie Klima, Vegetation und Reifezeit der Beeren einerseits, und andererseits auf die unterschiedlichen Massnahmen welche dadurch im Keller ergriffen werden müssen; dann, je nach Reife der Trauben, der jeweilige Anteil der 3 Rebsorten Merlot noir, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon; im Weiteren die Dauer der Maischegärung, die Thermoregulierung während des Gärverlaufs und schlussendlich der unterschiedlich lange Ausbau im Barrique, wobei bei letzterem auch noch der Anteil von Neuholz variieren kann. Aus all diesen einflussreichen Faktoren, die für jeden Jahrgang geeignete und optimale Auswahl zu treffen - man kann das mit "moderner, zweckorientierter Oenologie" umschreiben - liegt voll und ganz im Können und in der Verantwortung des jeweiligen Regisseurs - in unserem Falle von Thierry Gaudier.

Der Referent des Abends Lukas Anliker verstand es gekonnt, auf geradezu packende Weise uns alle 10 Weine in ihrer eigenständigen Art näher zu bringen und die differenten Eigenheiten jedes Jahrganges für alle nachvollziehbar darzulegen - und es waren ohne Ausnahme sehr schöne Weine. Seine Ausführungen wurden von Monsieur Gaudier mit treffenden Anmerkungen zu den einzelnen Jahrgängen ergänzt, welche jeweils von Max und Evelyne Gloor - auf deren Initiative der Anlass überhaupt zu Stande kam, und aus deren Keller 9 der 10 Weine stammten - übersetzt wurden. Wir erfuhren so, dass z.B. 2003 die Handlese bereits am 23. September abgeschlossen war, ein seit Menschengedenken einmaliger Vorgang der dann zu dem völlig paradoxen Umstand führte, dass Monsieur Gaudier, anstatt sich Ende September/Anfangs Oktober mit der Traubenernte abzumühen, Ferien machen und im Atlantik dem Badevergnügen frönen konnte.


ChateauVillarsGeschenkWeinb.jpg ChateauVillarsGeschenkRefer.jpg ChateauVillarsGeschenkGloor.jpg


Ein besonderes Bonbon hatte sich Thierry Gaudier für den Schluss aufgehoben. Er präsentierte uns voller Stolz eine Fassprobe des letzten Jahrganges 2007. Die Flaschen hatte er als Handgepäck im Flugzeug mitgebracht. Es sei hier darauf hingewiesen, dass es recht schwierig und für die meisten von uns ein nicht alltägliches Unterfangen ist, einen so jungen Wein zu degustieren und einzuschätzen. Aber der Jungwein überstand diese Hürde und die meisten Teilnehmer konnten der folgende Beurteilung des Bordeaux-Spezialisten Rolf Bichsel nach einer Primeurdegustation von Bordeaux 2007 zustimmen: "Nachdem wir den Wein verkostet hatten, glaubten wir zuerst an eine Falle, die uns der Weinmacher Thierry Gaudier gestellt hatte, griffen zum Handy und liessen ihn auf das Haupt seiner Grossmutter schwören, dass es sich dabei wirklich um Villars handle. Und mussten uns geduldig anhören, was alles diese tolle Resultat möglich gemacht hat - strenge Selektion, optimal reifer Cabernet Franc, neuer Söndertisch und anderes mehr. Das Resultat ist nicht nur verblüffend, sondern auch verblüffend gut. Umwerfende Fruchtigkeit und Würze, Fülle und Rasse, Tannine von schon unglaublicher Qualität, dichtes und langes Finale".

Die zufriedenen Mienen und der lange anhaltender Applaus zeigte, dass alle Teilnehmer mit dem ganzen Abend voll zufrieden waren.

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