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Assemblierte Schweizer-Weine – Weinbruderschaft

Assemblierte Schweizer-Weine

Aus Weinbruderschaft

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Assemblage ist die Kunst, Weine miteinander zu verschneiden. Verschnitt? Was für ein hässliches Wort. Wer denkt da nicht an Panscherei, billigen Fusel und Restenverwertung? Wie viel schöner klingt da der Ausdruck, den die Winzer selbst verwenden: sie sprechen vom Vermählen von Weinen. Bei dieser Art Vermählung ist es ausdrücklich mehr als zwei Partnern erlaubt, gemeinsam den Bund fürs Flaschen-Leben zu schließen.


Inhaltsverzeichnis

Beispiele

Alle Beispiele sind weltweit vollkommen legale Vermählungen! Verschnitt ist also beileibe nichts Ehrenrühriges. Im Idealfall ist es sogar große Kunst. Dann, wenn es nicht nur darum geht, die Schwächen der einen Sorte durch die Stärken einer anderen auszugleichen. Sondern wenn etwas Neues entsteht. Ein Wein, ein Geschmack, eine Charakteristik, die keine Rebsorte der Welt alleine schaffen könnte. In solchen Momenten ergibt eins plus eins nicht einfach zwei, sondern drei.



In eigener Sache

Gesellen und Magister Vini können stolz auf ihren Einsatz beim „Bauen von Steinlinsen“ in Villigen zurückblicken. Ein aussergewöhnlicher Anlass mit toll motivierten Weinfreunden. Ein grosses BRAVO und Dankeschön dem Konvent für die Organisation und allen Teilnehmern für’s fröhliche Mitschaffen. In bester Erinnerung ist auch die Südafrika Degustation. Der Referent Dieter Gugelmann hat es verstanden, den anwesenden Weinfreunden Südafrika schmackhaft zu machen. Seine interessanten Ausführungen und die wundervollen, aber eher fremden Weine, veranlassten einzelne Weinfreunde, spontan eine Zusage für eine Reise nach Südafrika zu machen!

Aber vorerst gehen wir zur eintägigen „Weinreise an den Murten- und Bielersee“. Hans und Romy Holenstein haben für uns eine sehr interessante und vielfältige Weinexkursion im „Westen der Schweiz“ zusammengestellt, am Samstag, 18. August 2012. Anmeldungen bis Freitag 6. Juli 2012.

Vor den Sommerferien widmen wir uns einer Degustation zum Thema „Assemblierte Schweizer Weine“. Die Zeit ist „reif“ einen Schweizer Champion zu Wort kommen zu lassen. Im Jahre 2006 machte der Badener Daniel Cortellini die Schweizerische beste Assemblage, einen Dôle,. Er hat für uns eine erstklassige Degustation aus prämierten Schweizer Assemblagen zusammengestellt. Wir laden Sie herzlich ein auf Mittwoch, 13. Juni 2012 zum Anlass „Assemblierte Schweizer Weine“.

Melden Sie sich bitte bis Mittwoch, 6. Juni 2012 für diesen vielversprechenden Anlass mit beiliegender Anmeldekarte an.

Mit lieben Grüssen Für den Stubenrat: Stubenmeister Alex Haller



Rückblick

Ueli Aebi berichtet:

Assemblage, Verschnitt, Panscherei oder gar Reste-Verwertung?

Nein, der Titel ist keine Provokation. Anbieter versuchen ja täglich, uns marktschreierisch Weine unterzujubeln, die das Prädikat „Assemblage“ (Mischung aus mehreren Rebsorten) nun wirklich nicht verdienen. Anders die Weine, die anlässlich der Degustation „Assemblierte Schweizer Weine“ am 13. Juni 2012 im Landgasthof Lerchenhof zu verkosten waren: sie trugen diese Bezeichnung ausnahmslos zu Recht.

Es ist wenig bekannt, dass weltweit der überwiegende Teil aller Rotweine assembliert wird. Geradezu klassische Beispiele sind seit „Urzeiten“ die Weine aus dem Bordeaux. Auch der Châteauneuf-du-Pape ist eine Assemblage. Er darf aus bis zu 13 Sorten (!) bereitet werden. „Neue Welt“ Weine sind zum überwiegenden Teil assembliert. Auch die Schweiz pflegt mit dem Dôle aus dem Wallis eine lange Assemblage-Tradition. Ausserdem werden international zunehmend Weissweine ebenfalls aus mehreren Sorten komponiert.

Daniel Cortellini führt in Baden eine Weinhandlung und bietet ausschliesslich Schweizer Weine an. Also ein profunder Kenner der einschlägigen Szene in der Schweiz mit einem entsprechenden Beziehungsnetz. Er besorgte nicht nur die Zusammenstellung der Weine. Er präsentierte sie auch gleich selber. Gekonnt und unterhaltsam. Seine Definition einer guten Assemblage: 1+1 = 3. Oder in Worten: das Endergebnis muss besser sein als die einzelnen Ausgangsprodukte.


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Der „Schwarzglastest“

Gleich zu Beginn die Ausnahme im Programm: keine Assemblage, dafür ein unbekannter Wein, der aus einem schwarzen Glas zu verkosten war. Zugleich spannend und irritierend: Wir sind gewohnt, das erste (Vor-) Urteil mit den Augen vorzunehmen. Ist das nicht möglich, so fühlen wir uns einer wichtigen Grundinformation beraubt. Daniel Cortellini hat diese „Farb-Information“ denn auch als „Konsumentenverführer“ bezeichnet. Absolut zu Recht, wie dieser Versuch zeigte. Ein wichtiger Grund für sein Plädoyer, weniger die Farbe, dafür vier Riech-Kriterien in den Vordergrund zu stellen: fruchtig, mineralisch, blumig und würzig. Tragendes Element eines Weines ist für Daniel Cortellini jedoch die Säure. Das wichtigste „Analyseorgan“ ist für ihn der Gaumen. Dessen Eindrücke werden gemäss seiner Meinung unterschätzt: er sollte quasi als „Messlatte“ dienen. Die Messskala eicht Daniel Cortellini in Sekunden. Für die gefühlte Summe aller positiven Ausschläge am Gaumen gilt für ihn: zwölf Sekunden sind gut. Fünfundzwanzig Sekunden sind Weltklasse! Eine bemerkenswert interessante Alternative zur weltweit etablierten, worthülsenreichen Weinprosa…… Beim „Schwarzglaswein“ handelte es sich übrigens um einen Chasselas aus Yvorne. Wohltuend anders als übliche Chasselas: er war mit einer passenden, markanten Säure ausgestattet. Deshalb auch (oder besonders) gut als Essensbegleiter geeignet. Aus meiner persönlichen Sicht eine (mögliche und wünschbare) Entwicklungstendenz für diese Sorte, deren Weine sich oft als profilarm und schlicht langweilig präsentieren. Speziell zu „Meergetier“ hätte ich mir schon öfter einen Chasselas „mit richtigem Biss“ gewünscht! Für Restaurants der Spitzenklasse produzieren einige wenige Erzeuger solche Spezialitäten in kleinsten Mengen. Daher sind sie leider auf dem Markt kaum erhältlich.


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„Weisser Querschnitt“ der Schweiz

Drei Weisse Assemblages in der ersten Serie: ein Walliser, ein Schaffhauser, und ein Tessiner! Der Hinweis „Assemblage Cortis/Stefan Gysel“ auf dem Schaffhauser weist darauf hin, dass Daniel Cortellini bei dieser „Weinvermählung“ persönlich beteiligt war. Fazit: die Zeiten der reinen Chasselas, Riesling x Sylvaner und Weissen Merlot sind natürlich nicht vorbei. Assemblagen sind aber eine echte, spannende Bereicherung. Da ist vieles zu entdecken und zu geniessen! Und sicher Weiteres zu erwarten.


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Assemblages ohne Pinot Noir

Drei Rotweine in der nächsten Gruppe: zwei aus dem Wallis und einer aus dem Chablais. Also ein welsches Heimspiel (Muraz-sur-Sierre, Chamoson, Bex). Dass bei diesen Weinen Sorten aus dem Wallis wie Cornalin, Humagne rouge und Syrah oder Merlot eine wichtige Rolle spielen, ist naheliegend. Für je zwei Weine dieser und der nächsten Serie wurde jedoch auch Cabernet Sauvignon verwendet. Wohl eine Konzession an den herrschenden Modetrend. Die „Neue Welt“ lässt grüssen! Cabernet Sauvignon wird von Lästerzungen auch als „internationale Rotweinhure, die alles mit sich machen lässt“ bezeichnet. Ein hartes Urteil, das leider oft zutrifft. Degustativ wirkt sie schon bei kleinen Mengen rasch dominant. Demgegenüber war bei keinem einzigen Wein der gesamten Degustation die Sorte Pinot Noir beteiligt. Obwohl diese Rebe nicht nur im Welschland, sondern in der Schweiz die wichtigste Rotweintraube überhaupt ist! Das hat gute Gründe: Pinot Noir gilt bezüglich Lage und Anbau, aber auch bei der Weinbereitung, als überaus „zickige Dame“. Wer Klasse-Pinot Noir zu erzeugen im Stande ist, gilt deshalb mit Recht als Könner seines Fachs. Allerdings verliert Pinot Noir schon durch geringe Beimischungen anderer Sorten seine Sortentypizität und seinen „Schmelz“. Assemblages mit Pinot Noir gehören deshalb nicht nur in der Schweiz, sondern auch international zu den absoluten Ausnahmen.

In der letzten Gruppe drei Tessiner. Ja, Sie haben richtig gelesen: Weine aus dem Tessin! Es lohnt sich also, die „Merlot-Scheuklappen“ und alte Vorurteile abzulegen. Übrigens: die zwei letzten Weine trugen wiederum die Handschrift von Daniel Cortellini: „Selection Cortis“ beziehungsweise „Assemblage Cortis“. Er selber bezeichnete sie als „Überflieger“. Ein selbstbewusstes Urteil über die eigenen Kinder. Unbestritten ist: alle, wirklich alle Weine an dieser Veranstaltung erfüllten sehr hohe Erwartungen. Viele hatten europäisches, einzelne auch internationales Format.

Und noch ein erwähnenswerter Punkt: alle Weine wiesen einen moderaten Alkoholgehalt zwischen 12,5 und 13,5 % Vol. aus. Ein toller Beweis, dass (Welt-) Klasseweine nicht zwingend marmeladige Alkoholbomben sein müssen, um „Schmirgeltuch-Gerbstoffe“ und hohe Säure zu kaschieren…..


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Plädoyer für Authentische Schweizer Assemblagen

Die kleinräumig-handwerkliche Struktur unserer Weinwirtschaft mit kleinen und kleinsten Mengen kann nur mit höchsten Qualitäten erfolgreich sein und bleiben. Das ist ihre Chance im Kampf gegen die Grossen der Branche mit ihren riesigen Werbebudgets. Solche Unikat-Weine können nicht billig sein. Ihren Preis sind sie wert. Vor allem im Vergleich mit ausländischen Provenienzen mit ähnlich hohem Qualitätsniveau. Allerdings glaube ich, dass die Chance für weitere Erfolge nicht im Kopieren und Perfektionieren von Modetrends sein kann. Wie wäre es mit Schweizer Assemblagen, die ausschliesslich aus traditionell in der Schweiz angebauten Sorten bereitet werden und auf Sorten wie Cabernet Sauvignon und Chardonnay verzichten? Also Authentische Schweizer Assemblagen, die sich bei höchster Qualität und Individualität von populistischen Modeströmungen abheben. An dieser Veranstaltung waren leider nur zwei exzellente Rotweine mit diesen Attributen zu geniessen……

Eine tolle und anregende Veranstaltung! Da hatten nun Verschnittweine, Panscherei und Reste-Verwertung wirklich keinen Platz.


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