"Eusi Wy" Aargauer Trouvaillen des Spitzenjahres 1997

Aus Weinbruderschaft

Wechseln zu: Navigation, Suche

Traube.jpg

Aargauer Trouvaillen des Spitzenjahres 1997

Das Thema "Eusi Wy" ist ein Zyklus von Degustationen Weine aus dem Aargau. Es ist dieses Jahr bereits die sechste ihrer Art. Nach dem Schenkenbergertal, dem Unteren Aare- und Surbtal, dem Fricktal und dem Jura-Südfuss und Seetal, wollen wir diesmal einen Jahrgang vorstellen, einen ganz aussergewöhnlichen Jahrgang. Dabei handelt es sich bei dieser Degustation im Jubiläumsjahr der Weinbruderschaft St. Martin zu Zofingen um Trouvaillen des Spitzenjahrgangs 1997.

"Er ist klein aber fein" sagte der Aargauer Rebbaukommissär Peter Rey zum Jahrgang 1997. Mit 15’165 hl konnten, verglichen mit dem Zehnjahresdurchschnitt nur rund 75 Prozent geerntet werden. Eine der kleinsten Ernten der letzten 20 bis 30 Jahre. Kalte Winternächte mit bis zu -17° C liessen Holzschäden entstehen, welche schlimmer wirkten als die massiven Frühjahrsfröste im April. In späten Lagen dezimierte starke Verrieselung die Ernte bis auf 10 oder 20 Prozent des normalen Ertrages, weil es ab 21. Juni kühl und regnerisch war. Im August und September gab es fast zuviel Sonne, die Beeren waren wie ausgetrocknet, die Ausbeute deshalb geringer. Trotzdem hat es bei der Normalernte im Aargau in diesem Jahrhundert noch nie so hohe Öchslegrade gegeben, konnte Rey stolz vermelden: "bei 115 Traubenwägungen konnten wir über 100° Öchsle registrieren". "Der 97er wird eine Spezialität sein und in der Menge eine Rarität" sagte der Rebbaukommissär.

Eine aussergewöhnliche Begegnung mit dem Aargau und seinen Weinen.


Rückblick

Aargau.jpg


Rebbau und Weinproduktion einst und heute

Weinbau im Aargau war zu Römerzeiten bereits Alltag und einige noch heute gebrauchte Ausdrücke wie "Wein", "Kelter" oder "Torkel" haben ihren Ursprung aus dieser Zeit. Es ist den Klöstern und adeligen Schichten zu verdanken, dass der Weinbau im Mittelalter nicht unterging. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erreichte die Rebfläche mit rund 2700 ha einen Höchststand und war um 500 ha grösser als die damals im Wallis bewirtschaftete Rebbaufläche (heute ist die Walliser ungefähr 14 mal grösser als die Aargauer!). Aus Übersee eingeschleppte Schädlinge und Krankheiten dezimierten die Aargauischen Reben auf ungefähr zehn Prozent.

Wein war zu dieser Zeit gewissermassen das Volksgetränk und genoss einen völlig anderen Stellenwert. Den heutigen hohen Qualitätsanforderungen dürften jedoch diese mit Honig, Zimt und anderen Zutaten "verfeinerten" Kredenzen kaum entsprochen haben. Unser Kanton liegt auf dem gleichen geographischen Breitengrad wie das renommierte Burgund. In rund 70 Gemeinden wird heute aktiv Rebbau betrieben. Den gegen 1000 Winzerinnen und Winzern verdanken wir, dass der Aargau neben Zürich und Schaffhausen der drittgrösste Weinbaukanton der Ostschweiz ist.

Mit Sachwissen, Liebe zum Detail und grosser Sorgfalt Trouvaillen zu finden, ist das eine - daraus eine Auswahl zu treffen das andere anspruchsvolle Unterfangen. Man stelle sich vor, dass es bei täglich vier Kellerbesuchen über 20 Tage dauern würde, um sich einen Überblick über die Aargauer Weine zu verschaffen. Da hat uns Magister Ruedi Hartmann eine happige Arbeit abgenommen. Nicht, indem er alle Keller besucht hätte - mitnichten. Er konnte auf sein grosses Fachwissen und seine guten Beziehungen zurückgreifen. Mit Akribie hat er seine Träume, Visionen und Vorstellungen über und zum aussergewöhnlichen Jahrgang 1997 wahr gemacht. Aus einer schier unerschöpflichen Aargauer Weinvielfalt mit gegen zwanzig Rebsorten hat er diejenigen Tropfen ausgewählt, welche er uns präsentierte.

Höhepunkte von Morio-Muskat über Cabernet zum Blauburgunder Dessertwein Morio-Muskat, eine Rebsorte (Kreuzung Silvaner X Pinot Blanc), die in Oberflachs einen hervorragenden Schaumwein ergab, bildete den Einstieg. Tegerfelder "Alter Berg" und Schinznacher "Roplig", zwei RXS-Spätlesen mit Seltenheitswert und anschliessend ein Schinznacher Chardonnay, ein Wettinger "Herrenberg" Pinot Gris, ein Döttinger "Im Lee" Sauvignon Blanc und ein Oeschger Gewürztraminer rundeten das gezeigte Spektrum von Aargauer Weissweinen ab, die allesamt zu begeistern wussten. Die Reigen der Rotweine eröffnete er mit einem Wittnauer Dornfelder, ihm folgte ein Döttinger Regent und Höhepunkt bildete der Wiler "Stäckerösseler" Cabernet. Mit den Blauburgundern Schinznacher "Excellence", Schinznacher "Sélection" und dem Klingnauer "Kloster Sion". Mit dem Oberflachser "Dessertwein" Blauburgunder setzte er den Schlusspunkt. Die präsentierten Weine aus den verschiedensten Aargauer-Rebbergen reihten sich Farbtupfern gleich auf eine Malpalette. Ruedi Hartmann verstand es ausgezeichnet, aus diesen Farben ein Bild zu malen, welches eine Aargauer-Landschaft darstellte, die zum Träumen und Schwelgen einlud.

Seine Arbeit wurde denn auch von den Teilnehmern mit einem lang anhaltenden Applaus gewürdigt.

Persönliche Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Werkzeuge